bedeckt München 20°
vgwortpixel

Stilkritik zu Rihannas Nackt-Robe:Seht, was ich habe

Mode Und alle so "what?" Bilder

Rihannas Nacktkleid

Und alle so "what?"

Amüsiert, verliebt, fassungslos: Die Gäste der CDFA Fashion Awards in New York sind in Modedingen einiges gewohnt. Rihannas glitzerndes Nichts sorgte dennoch für Aufregung. Was sich die Olsen-Twins, Heidi Klum und Anna Wintour gedacht haben (könnten).

Nun ist es amtlich: Rihanna ist eine Stil-Ikone. Zur Verleihung des CFDA Fashion Awards erschien die Sängerin in einem komplett durchsichtigen Glitzer-Kondom. Shocking? Von wegen. Neu ist die Idee nicht.

Lange hatte sie dafür geschuftet, hatte jede Gelegenheit genutzt, sich auf Konzerten oder Veranstaltungen als Gesamtkunstwerk in aufsehenerregenden bis skandalösen Outfits darzubieten. Wand und räkelte sich in diversen Strip- und Popowackel-Videos in Kostümen, die eher in SM-Studios als in Modeläden zu finden sind. Jetzt, endlich, der Lohn: Rihanna wurde in New York mit dem CFDA Fashion Award ausgezeichnet und gilt damit nun offiziell als Mode-Ikone, deren Stil nach Ansicht der Verantwortlichen maßgeblichen Einfluss auf die Kultur hat.

Der Preis wird jedes Jahr vom Verband der amerikanischen Modedesigner (Council of Fashion Designers of America) an Künstler, Modedesigner oder Schauspieler verliehen und gilt als eine wichtigsten Auszeichnungen der Mode-Branche. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Kate Moss, Nicole Kidman und Johnny Depp.

Es versteht sich von selbst, dass die aus Barbados stammende Sängerin bei dieser Gelegenheit auch dem letzten Zauderer bewies, dass sie dieser Trophäe würdig ist. Und so erschien die 26-Jährige in einer Kreation, deren Konzept im wahrsten Wortsinne als kristallklar zu bezeichnen ist. Das Kunstwerk, das Rihannas Leibschneider Adam Selman eigens für die Sängerin kreierte, ist übersät mit insgesamt 216.000 funkelnden Swarovski-Kristallen. Und die sind bekanntermaßen durchsichtig. Die einzige Stelle, an der sich - außer eines hautfarbenen Strings - so etwas wie blickdichter Stoff befand, war der Kopf. Das einzige, was Rihanna außer ihrer Scham bedeckte, war ihr Haar. Dafür trug sie eine Pelzstola, die sie immer wieder wie ein zu kurzes Tischtuch von einer Seite zur anderen zog und vor diverse Körperstellen drapierte.

Kunst des Weglassens

Der Fashion-Ignorant mag beim Anblick von Rihannas durchsichtiger Robe mutmaßen, dass sie diese ebenso hätte weglassen können. Das ist natürlich Quatsch. Denn genau darum geht es ja: Die wahre Kunst des Weglassens gipfelt darin, nichts wegzulassen und dennoch alles zu zeigen.

2014 CFDA Fashion Awards - Show

Der Kaiserin neue Kleider? Rihanna lässt sich die Bühne hochführen, während das Publikum auf ihren Po schaut.

(Foto: AFP)

Zugegeben: Als sie an der Hand eines Assistenten die Stufen zur Bühne der Alice Tully Hall im Lincoln Center emporschritt, tausende Blicke an ihre Pobacken geheftet, fühlte man sich schon ein bisschen an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erinnert. Der ein oder andere mag sich sogar gefragt haben, ob die Sängerin sich dieser Wirkung bewusst war. Oder ob nicht vielleicht das Licht in ihrem begehbaren Kleiderschrank die vielen Kristalle zum Glänzen brachte und so verbarg, was später für jedermann ersichtlich war: dass sie zwar keineswegs entblößt, aber völlig nackt vor Vogue-Chefin Anna Wintour dastand, als diese ihr die Trophäe überreichte.

Doch spätestens seit Lady Gagas Auftritt 2011 wissen wir: Auf dieser Bühne geschieht Nacktheit nicht aus Versehen. Die damals 25-Jährige dürfte damals den längsten Strip der Geschichte hingelegt haben - und blieb dabei doch von oben bis unten bekleidet. Zur Verleihung erschien sie zunächst in einer schwarzen, transparenten Catsuit-Kreation, die lediglich von einer viel zu kleinen Corsage unterbrochen und durch eine meterlange Rüschenschleppe veredelt wurde. Gleich auf dem roten Teppich hatte die Sängerin den hellauf begeisterten Fotografen einen ihrer Nippel präsentiert, der publikumswirksam aus seiner beengten Position gerutscht war. Als es dann auf die Tanzfläche ging, entledigte sich die Sängerin sowohl der Korsage als auch der Robe und tanzte in dem, was übrigblieb - einer Art Ganzkörpernylonstrumpfhose. Im Schritt trug sie einen Stachelslip und auf den Brüsten zwei aufgeklebte Nipple-Cover, die sie sich derweil besorgt hatte.

Körperteile für alle

Nun, mit ihrem Kristallkleid hat Rihanna noch eins draufgesetzt. Denn wo keine Korsage und keine Aufkleber, da kein Nippel-Blitzer. Dank dieser Kreation kennen wir nun beinahe jedes Detail - und damit womöglich mehr als wir wissen wollten. Seit Montag kennt die Öffentlichkeit nicht nur Rihannas fabelhafte Figur. Inzwischen sind wir uns auch ziemlich sicher, dass bei ihr eine Brust kleiner ist als die andere. Oder sieht das nur so aus? Und was sind diese große Schatten unter der Brust? Das Kleid ist ausgerechnet an der maßgeblichen Stelle nicht durchsichtig genug, um erkennen zu lassen, dass es sich dabei um die Flügel der ägyptischen Göttin Isis handelt, die sich Rihanna über die oberen Rippenbögen stechen ließ. Das immerhin erfährt man über Instagram, wo die Sängerin sämtliche mit Tätowierungen versehenen Körperteile archiviert hat.

Wir dürfen gespannt sein, womit uns der oder die nominierte Künstlerin im nächsten Jahr erfreut. Vielleicht zur Abwechslung mal mit etwas Hochgeschlossenem? Selbst Kim Kardashian, prominente Ausziehpuppe und Königin der Selbstvermarktung, hat verstanden, dass es von einem bestimmten Level an keine Steigerungsmöglichkeit mehr gibt - und überraschte zu ihrer eigenen Hochzeit mit einem hochgeschlossenen Lätzchenkleid, das beinahe züchtig wirkte. Offenbar wurde Frau Kardashian inzwischen von einer Erkenntnis erleuchtet, die wir auch Rihanna wünschen: Nur weil man's hat, muss man es nicht jedem zeigen.

Ach ja, übrigens: Auch Tom Ford wurde bei der Gala ausgezeichnet - mit einem Preis für sein Lebenswerk. Er erschien im Anzug.