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Ladies & Gentlemen:Heimvorteile

Schönes für zu Hause ist seit der Pandemie oft das Einzige, was die Stimmung hebt. Vermutlich deswegen verkaufen US-Promis jetzt Wohlfühlartikel für Küche und Bad.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Mit "Safely" erreicht die Ästhetisierung des Profanen ihren Höhepunkt: Produkte für das stilvolle Putzen.

(Foto: Hersteller)

Für sie: Das große Promiputzen

Der sogenannte gute Geschmack ist in den letzten dunklen Winkel unseres Daseins gedrungen, auch in den Bereich der bisher ungeliebten Haushaltsführung. Die darf man nicht mehr blöd finden. Selbst dem Bügeln und Putzen muss die selbstoptimierte Frau jetzt mit einem positiven Mindset begegnen. Die Spülschwämme des Altbau-Ausstatters Hay funkeln deshalb schon lange wie ein Lurex-Oberteil aus dem "Studio 54". Und bei Zara Home, dem dreistesten Nachahmer des guten Geschmacks, gibt es Bügelbretter, die aussehen wie eine Teak-Liege in der Provence. Es mag beruhigend wirken, wenn die heilige Wohnungsästhetik so nicht länger herausgefordert wird. Das letzte Mal künstlich gelächelt haben Frauen bei der Hausarbeit ja allerdings irgendwann um 1959. Mit "Safely" erreicht die Ästhetisierung des Profanen ihren Höhepunkt: Kris Jenner, Mutterhirn des Kardashian-Clans, hat sich zusammen mit Model Chrissy Teigen diese todschicke und biologisch abbaubare Putzserie ausgedacht. Geliefert wird sie in einem Packaging, das dem einer teuren Creme in nichts nachsteht. Anders gesagt: Die rustikalen Gemüter, die ihren Gästen den Wäscheständer im Wohnzimmer nicht vorenthalten und auch den grellen Meister Proper gerne neben dem Klo stehen lassen, sind damit Stilikonen. Das Gleiche ist den Kardashians auf Instagram ja auch passiert! Alle anderen sollten sich aber gegen diese Diktatur des gefälschten guten Geschmacks unbedingt auflehnen. Mit den hässlichsten Bügelbrettmustern, den fiesesten Lappen und der schlechtesten Laune beim Putzen.

Mit seiner Beauty-Linie Humanrace will Happy-Musiker Pharrell Williams die Männerhaut pflegen.

(Foto: Hersteller)

Für ihn: Grün im Gesicht

Wie gerade zu lesen war, entdecken Menschen während der Pandemie signifikant mehr archäologische Fundstücke in ihren Vorgärten als früher, einfach weil sie endlich mal genug Zeit zum Buddeln haben. Einen ähnlichen Effekt dürften viele Männer im Bad erleben, in dem sie dank Home-Office und mangels anderer Termine mehr Zeit vertrödeln als sonst und dann vor dem Spiegel vielleicht auch die ein oder andere altertümliche Entdeckung machen. Höchste Zeit die heimische Pflegeroutine ein bisschen auszudehnen! Zum gesteigerten Selfcare-Trend hat jetzt auch Happy-Musiker Pharrell Williams beigetragen, indem er seine Pflegelinie Humanrace auf den Markt gebracht hat. Warum auch nicht? Andere Größen aus dem Showbusiness wie Kylie Jenner werden mit solchen Ideen blitzschnell milliardenschwer. Und Pharrell, das muss man zugeben, hat ja wirklich immer eine ausgezeichnete Haut. Angeblich haben ihm die schönen Frauen in seinem Leben dermatologische Tricks verraten, unter anderem Naomi Campbell. Nur gut, dass man es jetzt auch ohne direkte Modelkontakte zur babyreinen Männerhaut bringen kann, gegen Zahlung von kleineren dreistelligen Summen, versteht sich. Dann kann man sich mit Reispulver waschen, mit Lotus-Enzymen peelen und alle anderen Anweisungen befolgen, die der Musiker in einem Youtube-Clip mit der Eindringlichkeit eines Pflege-Buddhas von sich gibt. Alles eigentlich ganz einfach, mithilfe der anziehend grünen Dosen und Tuben. Leider sind sie ständig ausverkauft. Irgendwas ist immer.

© SZ/ake
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