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Stilkolumne "Ladies & Gentlemen":Bitte mehr innere Komik

Menschen bei Maischberger, Folge 423

Ingo Appelt spricht bei Sandra Maischberger über Uli Hoeneß und die Steuermoral der Deutschen.

(Foto: WDR/Max Kohr)

Den zentralen Satz zum Thema Künstlergarderobe hat Thomas Mann seinem Tonio Kröger in den Mund gelegt: "Man ist als Künstler innerlich immer Abenteurer genug. Äußerlich soll man sich gut anziehen, zum Teufel, und sich benehmen wie ein anständiger Mensch." Das zielte seinerzeit in Richtung der verkommenen Kaffeehaus-Bohèmiens.

Nun stand der Possenreißer Ingo Appelt noch nie im Verdacht, ein Bohèmien zu sein. Aber Clown hin oder her, so sitzt man nicht in einer Talkshow, so sitzt man überhaupt nicht öffentlich. Dieses Hemd ist der Tiefpunkt der Oberbekleidung. Ist das Seersucker-Stoff? Das würde den Verdacht bestätigen, dass dafür ein alter Bettbezug aus den Neunzigerjahren umgearbeitet wurde. Allerdings ohne größere Korrekturen in der Passform.

Es muss nicht alles tailliert sein, aber ein Hemd, das unten doppelt so breit ist wie oben, taugt allenfalls als OP-Kittel. Falls es sich nicht um grässlichen Seersucker, sondern um Leinen mit dezenter Rüschenapplikation handeln sollte - ohne Worte. Dann: der Kragen! Weich ist er, lasch, nicht existent. Derlei lässt sich allenfalls weit offen tragen und auch nur in einer Touristenhochburg. Hier aber ist das Hemd gänzlich zweckentfremdet, mit seinem zuoberst geschlossenen Knopf und den krampfhaften Manschetten an den puffigen Ärmeln.

Jeder Missgriff eine Pointe

Von der Farbrolle, die vor Sendungsbeginn noch drüber walzte, und der albernen Uhr auf dem Handrücken soll geschwiegen sein. Nun ist Appelt Komiker und vermutlich gewöhnt, dass ihm jeder Missgriff wohlwollend als Pointe ausgelegt wird.

Im Sinne Tonio Krögers möchte man aber doch in Zukunft um mehr innere Komik bitten.

(Max Scharnigg)