Süddeutsche Zeitung

Stilkolumne "Ladies & Gentlemen": Familie Beckham:Brüderchen und Schwesterchen

Harper und Romeo Beckham: Sie ist der süßeste Beweis, dass Klamotten für Kinderglück keine Rolle spielen, er der stilsichere Musterjunge, dessen größte Rebellion bei der Wahl seines Anzugschneiders zu erwarten ist.

Harper Beckham darf, wovon Frauen träumen: in teuren Kleidern auf Davids Schoß sitzen. Nicht mal drei Jahre alt, ist ihr bereits ein ganzer Blog gewidmet: auf harperbeckhamfashion.blogspot.com werden die Outfits der Mini-Stilikone analysiert.

Was hat Harper auf Mamis Fashion Show getragen? Welches Kleid kombinierte sie zum fluffigen Mäntelchen von Little Marc Jacobs auf dem Weg ins Restaurant Balthazar? Diese Fragen bewegen wohl viele Mütter, und die Antwort lautet sehr oft: Kleider von Chloé. Das französische Label macht wirklich sehr entzückende Babysachen. Allerdings sind die nicht billig.

Schon ertönen kritische Stimmen aus dem Off: Kinder sind doch keine Anziehpuppen! So viel Geld für ihre Klamotten ausgeben ist unmoralisch, die wachsen so schnell! Hinter solchen Vorwürfen steckt natürlich immer auch die Überzeugung, eine reiche Modetussi könne keine liebende Mutter sein.

Aber: Wie sollte eine reiche Modetussi es denn sonst machen? Ihrer Tochter fies bedruckte H&M-Sweatshirts antun, damit das Kind ein wenig mehr nach Working Class aussieht? Die Beckhams sind natürlich keine normale Familie. Harper scheint aber im Gegensatz zu Suri, der stets etwas verstört wirkenden Tochter von Tom Cruise, ziemlich rummelresistent zu sein: Sie lebt ihr Jetset-Leben mit einer Tiefenentspanntheit, die nur möglich ist, wenn man sich bei Mum & Dad gut aufgehoben fühlt.

Mit David in der Front Row neben Anna Wintour oder beim Kicken im Park: Für Harper ist das genau das Gleiche, Hauptsache, Papa ist dabei. Sie ist der süßeste Beweis, dass Klamotten für das Glück eines kleinen Mädchens völlig unerheblich sind. Julia Werner

Makelloser Musterjunge: Romeo Beckham

Wie sich das wohl anfühlt, wenn der eigene Papa an Bushaltestellen in Unterhose posiert? Oder wie es ist, aus den Medien zu erfahren, dass Mama sich nicht mehr die Beine rasiert, sondern lasert!?

Vorsichtig geschätzt, ist einem derlei als Sohn auch dann peinlich, wenn der Rest der Welt diese Eltern durchaus hot findet. Sich für Eltern genieren: vielleicht wenigstens eine normale Entwicklung bei Romeo Beckham, der sein schweres Schicksal sonst beängstigend souverän meistert. Schnell mal die Star-Mama nach Soho ins Balthazar zu einem Drink ausführen? No problem. Rein in Slim-Jeans, Polka-Dot-Shirt, Burberry-Mantel, Sneakers - und immer dran denken: Elf ist das neue sechzehn!

Eigentlich wirkt es, als wären die Beckhams ein florierendes, mittelständisches Unternehmen, bei dem der Sohn demnächst in die Geschäftsleitung aufsteigt. Für Burberry gemodelt hat er ja schon, die Paparazzi kennt er mit Vornamen, der Kerl weiß einfach, wie der Laden läuft.

Aber hey, was ist eigentlich aus dem schönen Naturgesetz geworden, nach dem nervige Prominente zuverlässig schlimme Problemkinder bekommen, die man nicht geschenkt haben möchte? Derart zauberhafter, wohlriechender, gesitteter Nachwuchs, das ist doch ungerecht!

Die Rebellion dieses Knaben gegen seine Eltern wird doch höchstens darin bestehen, dass er zur Show von Marc Jacobs zu spät kommt und seine Anzüge nicht wie der Vater bei Gieves & Hawkes fertigen lässt, sondern vielleicht bei Spencer Hart. Krassere Fehltritte sind bei diesem Musterjungen kaum vorstellbar. Es sei denn, er findet Fußball doof. Glauben wir aber kein bisschen. Max Scharnigg

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1895354
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 22.02.2014/leja
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.