Stilikone"Er strahlt weiter"

Designer und Kreative wie Karl Lagerfeld, Diane von Furstenberg oder Paul Smith erzählen, wie David Bowie sie inspiriert hat.

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Protokolle: Dennis Braatz, Brita von Maydell,Tania Messner, Julia Rothhaas

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Hulton Archive/Getty Images

Als die BBC im Jahr 2013 die Briten darüber abstimmen ließ, wer der bestangezogene Mensch in der Geschichte des Landes sei, fiel die Entscheidung eindeutig aus: Fast die Hälfte aller Befragten entschied sich für David Bowie. Bowie spielte von Beginn seiner Karriere an mit Kostümen, Maskierungen, Kleidern und Alter Egos. Wie kein anderer inspirierte er damit nicht nur Musiker, sondern auch Modedesigner, Fotografen und Künstler, die über die Jahre zu seiner treuen Gefolgschaft wurden. Die Make-up-Künstlerin Linda Cantello erzählt zum Beispiel: Es war Bowie, der ihr beibrachte, dass man mit dem richtigen Make-up und Haar-Styling wirklich alles werden kann, was man will. Jonathan Barbrook, der als Grafiker verschiedene von Bowies Covern gestaltete, hat von ihm gelernt, keine Angst zu haben. Und der Modedesigner Paul Smith beschreibt seinen langjährigen Freund als Verwandlungskünstler, als Großmeister der wechselnden Identitäten. Eine schöne Geschichte gibt es auch von Tilda Swinton: Die Schauspielerin trug als Zwölfjährige zwei Jahre lang das Album "Aladdin Sane" wie ein Heiligtum mit sich herum, bevor sie es das erste Mal hörte. Die Plattenhülle war ihr Lieblingsaccessoire. Foto: Hulton Archive/Getty Images

Karl Lagerfeld, Modedesigner

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Jacques Brinon/AP

"Die Art, wie er sich verwandelte und schminkte; keiner hat das in dieser Perfektion geschafft. Heute wäre so etwas ja gar nicht mehr möglich. Und dieses musikalische Talent! ,Let's Dance' ist für mich einer der unsterblichsten Songs unserer Zeit. Aber es gibt auch viele andere Titel, die ich wirklich liebe. Vorletzten Freitag habe ich das neue Album ,Blackstar' bekommen; sehr mysteriös und tragisch, als habe er alles gewusst." Lagerfeld und Bowie sind sich im Laufe ihrer Karrieren öfters begegnet: Lagerfeld schätzte Bowies Musik, Bowie seine Arbeit als Designer. Foto: Jacques Brinon/AP

James Cochran, Künstler

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Niklas Halle'n/AFP

"Wenn ich male, höre ich häufig Musik von David Bowie. Dann habe ich das Gefühl, dass er meine Kunst damit direkt beeinflusst. Auch die Farben, die sich in vielen seiner Bühnenoutfits wiederfanden, oder die Art und Weise, wie er Charaktere für sich erschaffen hat, haben meine Porträts mit Sicherheit geprägt. Darüber hinaus ist es aber mehr noch seine Person und seine Schaffenskraft, die mich inspiriert hat und weiter inspirieren wird: Wie er es stets geschafft hat, Risiken einzugehen, sich selbst an seine kreativen Grenzen zu bringen, und dabei nie den Fokus auf seine Kunst verloren hat." Vor James Cochrans Wandgemälde im englischen Brixton, das Bowie als Ziggy Stardust zeigt, versammeln sich derzeit Hunderte Fans, um des Musikers zu gedenken. Niklas Halle'n/AFP

Barbara Vinken, Stil-Expertin

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Stefan Hesse/dpa

"David Bowie war einer der letzten, großen Dandys, und wie alle großen Dandys machte er aus seinem Leben ein Kunstwerk und noch aus seinem Tod ein Schauspiel: Der schwarze Stern entschwindet, in einem Leichenhemd von Dior, um mit Boris Vian zu reden, in seine wirkliche Heimat. Er wird ein Stern unter Sternen. Natürlich nicht natürlich: Dieser Stern ist wie Baudelaires schwarze Sonne ein Oxymoron. Niemand wäre bei David Bowie auf die Idee gekommen, dass er anderes im Kopf hat als die Haare, die er darauf trägt. Mit Marie Antoinette, der letzten Königin Frankreichs, weil erste große Modekönigin, verband Bowie die Liebe zu seinem Friseur; mit dem vierspännig fahrenden Léonard, ohne den die Königin einfach nicht mehr auskam, zog die Halbwelt am Hofe ein. Sein Friseur arrangierte auch Bowies Leben: Er war immer dabei und stiftete das Wichtigste aller Bande, die Ehe mit Iman. Nie ohne meinen Friseur, das Motto aller großen, männlichen wie weiblichen Dandys: ,Calamaty's child, your hair looks alright, we look divine' (Rebel Rebel)." Barbara Vinken ist Professorin für Literaturwissenschaften. Sie beschäftigt sich unter anderem mit den Themen Mode und Geschlecht. Foto: Stefan Hesse/dpa

Tim Blanks, Modekritiker

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Victor Boyko/Getty Images

"Rote Haare, weißes Hemd und schwarze Weste. Wenn ich an Bowie denke, dann an den Thin White Duke. Nach der expressiven Zeit von Ziggy Stardust hat mir das eins klar gemacht: Modisch ist alles möglich. Du kannst alles sein, was du willst. Das ist heute wichtiger denn je." Tim Blanks ist einer der international bekanntesten Autoren zum Thema Mode. Er schreibt für businessoffashion.com. Foto: Victor Boyko/Getty Images

Paul Smith, Modedesigner

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Justin Tallis

"Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann ich David das erste Mal traf, aber es muss Ende der Siebzigerjahre gewesen sein. Er kam zu dieser Zeit oft in meinen Shop in Covent Garden, um ein Hemd oder einen Anzug zu kaufen. Egal ob auf der Bühne oder privat, er war immer unglaublich stylish, ein Meister, wenn es darum ging, sich neu zu erfinden. Das hat mich im Laufe meines Lebens für viele Kollektionen inspiriert. Mein Lieblingslook blieb aber immer der, den er sich zum Album ,Hunky Dory' überlegte." Paul Smith hat für David Bowies letztes Album ein Merchandise-T-Shirt entworfen. Sie waren Freunde. Ihre Karrieren begannen ungefähr zeitgleich in London. Foto: Justin Tallis

Jeremy Deller, Künstler

"David Bowie war für mich im Großbritannien der Siebzigerjahre ein wichtiger Farbspritzer, der uns dabei half, von der Kindheit in das Erwachsensein überzutreten. Er war und ist mein Vorbild." Jeremy Deller, ausgezeichnet mit dem Turner Prize, veröffentlichte 2013 eine Version von "The Man Who Sold The World". Foto: Toby Melville/Reuters

Linda Cantello, Make-up-Artist

"Ich wuchs Mitte der Sechzigerjahre in Middlesex auf, einem Vorort von London, und bin jeden Tag von der Schule nach Hause geeilt, um die Musikshows ,Top of the Pops' und ,Lift off with Ayshea' zu sehen. Eines Tages riss mich eine ganz besondere Episode vom Hocker. In der Folge über David Bowie und den Gitarristen Mick Ronson verwandelte sich Bowie in Ziggy Stardust - und veränderte damit mein Leben. Er war das glamouröseste Wesen, das ich je gesehen hatte, und ich begriff in dem Moment, dass man mit Make-up und Haar-Styling wirklich alles werden konnte, was man wollte. Es gab noch eine sehr schöne Wendung, weil ich David Bowie 1993 für sein Album-Cover von ,Black Tie, White Noise' schminken durfte. Da hatte er sich allerdings lange schon gehäutet, Ziggy Stardust gab es damals nicht mehr, ich selbst arbeitete zu dem Zeitpunkt viel reduzierter als früher. Für das Cover wollte ich Bowies Persönlichkeit betonen und habe ihm daher nur ein bisschen Puder und Rouge aufgetragen." Linda Cantello ist eine der bekanntesten Make-up-Artists. Sie hat mit Fotografen wie Richard Avedon, Mario Testino und Peter Lindbergh zusammengearbeitet.

Diane von Furstenberg, Modedesignerin

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Scott Olson/AFP

"Er gehört zu den ganz wenigen Künstlern, die junge Menschen auch noch nach ihrem Tod inspirieren. Seine Gabe war es, Gefühle visuell und modisch perfekt auszudrücken. Und wie er sie auf den Punkt gebracht hat: so klug und weise!" In den Siebzigerjahren haben Diane von Furstenberg und David Bowie viel zusammen gefeiert. Vor drei Jahren hat sie dieser Zeit eine ganze Kollektion gewidmet. Foto: Scott Olson/AFP

Dries Van Noten, Modedesigner

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Ian Langsdon/dpa

"Es wirkt schnell banal, wenn man Bowies Talent beschreiben möchte. Dennoch: Er beugte faszinierend Konventionen, konfrontierte und umschlang uns als eine von vielen Persönlichkeiten. Er öffnete die großen Tore zu unser Zukunft und hat in uns eine Kreativität entfacht, die bis zum heutigen Tag unverzichtbar ist. Ein absoluter Höhepunkt meiner Karriere war, als David Bowie mir die Erlaubnis erteilte, Originalteile seines Songs ,Heroes' als Soundtrack für meine Frauenkollektion zur Herbst-/Wintersaison 2011/12 zu nutzen. In der gleichen Saison war sein Stil die Vorlage für meine Männerkollektion. Alle Models hatten rot gefärbte Haare, so wie er auf dem Cover von ,Low'." Zu Dries Van Notens bekanntesten Entwürfen zählen heute die, für die er sich von David Bowie hat inspirieren lassen. Manche wurden bereits in Museen ausgestellt. Foto: Ian Langsdon/dpa

Katie Grand, Stylistin

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Stuart Wilson

"Ich kann gar nicht sagen, wie genau David Bowie mich inspiriert hat. Er tauchte in so vielen Kollektionen auf, mit denen ich schon gearbeitet habe. Bei Modeshootings wird seine Musik übrigens am häufigsten gespielt. Er ist irgendwie allgegenwärtig." Katie Grand ist Chefredakteurin des britischen LOVE Magazine. Ihre Modestrecken gelten in der Branche als visionär. Foto: Stuart Wilson/Getty Images

Jonathan Barnbrook, Grafikdesigner

"Jeder kennt David Bowie als öffentliche Person. Aber nur wenige kennen den Menschen, mit dem ich zusammenarbeiten durfte. Bowie war ein schlauer, liebenswürdiger, gütiger Mensch, der es schaffte, überall, wo er hinkam, positive Energie zu versprühen. Und genau das ist es, was mir am meisten fehlen wird. Ich habe von ihm einiges über kreatives Arbeiten gelernt: Leg dich ins Zeug. Hab keine Angst, auch mal was zu riskieren, denn selbst wenn du scheiterst, ist das immer noch besser, als stets auf dem gleichen Weg zu bleiben. Höre auf das, was andere dir sagen, aber vertraue vor allem denjenigen, die dich lieben. Arbeite bestmöglich und konstruktiv mit anderen zusammen, dann kannst du nur das Beste von ihnen erwarten. Sei klar und ehrlich in dem, was du magst oder eben nicht magst. Habe keine Angst, Populärkultur zu intellektualisieren. Gut, schlecht, oberflächlich, tiefgründig: Sie umfasst die ganze Menschheit, deswegen ist sie auch so beliebt. Du musst deine Arbeit nicht übererklären. Es mag eine Bedeutung dahinterstecken, aber manchmal ist es besser, etwas offen zu lassen, damit die Menschen eine Meinung dazu entwickeln können, die zu ihrem Leben passt." Jonathan Barnbrook gestaltete Cover und Booklets von Bowies Alben "Heathen", "Reality" und "The Next Day".

Kansai Yamamoto, Modedesigner

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Tim P. Whitby/Getty Images

"David Bowie hat es geschafft, Mode und Musik miteinander zu verschmelzen, und damit eine eigene Welt erschaffen. Seine Errungenschaften werden uns weiter begeistern und neue Begabungen in uns hervorbringen. Ich hoffe, dass dieser geistvolle und geniale Stern weiter für uns strahlen wird - wenn nun auch über uns." Kansai Yamamoto schuf die Kostüme für die Ziggy Stardust-Tour. Weltbekannt wurde dabei der gestrickte Jumpsuit mit einem Bein und einem Arm. Foto: Tim P. Whitby/Getty Images

© SZ vom 16.01.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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