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Ladies & Gentlemen:Die Sache mit dem Sommerstrick

Das Material für das Kleid kommt aus Überproduktionen.

(Foto: Hersteller)

Handgemachte Optik und exotische Recyclingmethoden: In diesem Sommer wird nachhaltige Knitwear zum maßgeblichen Statussymbol.

Das Einkaufen überteuerter Massenware bei einschlägigen Designerlabels mag für manche noch lustig sein - ein Zeichen guten Geschmacks ist es schon lange nicht mehr. Es mildert zwar immer noch die weitverbreiteten Minderwertigkeitskomplexe, aber die wahre Stilelite von New York bis Paris kauft längst anders ein: Nachhaltigkeit, Qualität und Fairness sind die neuen unsichtbaren Designerlogos.

Genauso wichtig ist die persönliche Geschichte zum Mitkaufen. "Das trägt man jetzt so" hat als Verkäuferargument ausgedient. Stattdessen wird man Ihnen im Geschäft lieber die Transformationsgeschichte des Firmengründers erzählen, zum Beispiel die von Orsola Bertini Curri, die jahrelang als Modemanagerin um die Welt hetzte, bevor sie merkte, dass das ein sinnloser, textilbergproduzierender Wahnsinn ist. Seitdem macht sie mit ihrem Label Knitted Love das Gegenteil, nämlich langsam und wenig: Frauen in Österreich und Italien stricken für sie, per Hand.

Dieses Sommerkleid aus Leinen (Das Material kommt aus Überproduktionen, erhältlich ist es bei thewearness.com) hat den Vorteil, dass man den neuen Spirit nicht nur fühlt - sondern den Handmade-Faktor eben auch gleich sieht. Als Teil der nachhaltigen Geschmackselite erkannt zu werden, ist ja gerade für Luxuskunden aus oben besagten Gründen ungeheuer wichtig. Und so ist Handmade-Strick am Ende auch wieder nur ein Statussymbol. Aber aus welchen Gründen man sich für bewussteren Modekonsum entscheidet, ist ja völlig egal. Von Julia Werner

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