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Es gibt ihn schon, den Corona-Rücken - und es gibt Mittel dagegen.

Von Jan Stremmel

Es gibt ihn schon, den Corona-Rücken. Jessy Lohrmann sieht ihn täglich bei ihren Patientinnen, die sie per Videochat berät: "Die Schultern an den Ohren" von der Arbeit am Laptop. Der Rückenstrecker komplett verspannt, "vom ewigen Couchsitzen". Es sind die Folgen von mittlerweile mehr als drei Wochen im Home-Office, mit schlechten Stühlen, ungünstigen Tischhöhen und engen Laptop-Tastaturen.

Lohrmann darf in ihrem "Physiozentrum Pro Corpore" in München-Schwabing derzeit nur Notfälle behandeln. Allen anderen empfiehlt sie die "Tennisballmethode": Auf den Teppich legen, direkt mit der schmerzenden Stelle auf einen Ball (es kann auch der Hunde-Spielball oder notfalls eine Plastikflasche sein). "Die Beine aufstellen, und dann immer vor und zurück."

Gerade für den Rückenstrecker kann man den Effekt gut verdoppeln: Zwei Bälle in eine Socke, die Socke oben zuknoten, zwischen den Bällen ein paarmal verdrehen - und schon lassen sich beide Muskelstränge längs der Wirbelsäule gleichzeitig lockern. Eignet sich übrigens nicht nur für den Rücken: Im seitlichen Unterarmstütz lässt sich mit einem Ball auch der "Tractus" ausmassieren - der Sehnenfaserstrang an der Außenseite des Oberschenkels.

Den Nacken kann man gut selbst lockern. Einfach mit beiden Händen die Muskeln zwischen Hinterkopf und Schulterblatt kräftig nach außen ziehen. Dann ein gerolltes Handtuch in den Nacken und mit den Händen schräg nach oben und vorne ziehen. Wer dann den Kopf leicht schräg legt, entlastet und dehnt die Muskulatur. Danach eine Wärmflasche drauf, und fertig ist die DIY-Fango-Anwendung.

Als Vorbeugung empfiehlt die Therapeutin, regelmäßig die Sitzposition zu wechseln. Und wenn möglich, am externen Monitor zu arbeiten statt am Laptop. Und alle zwei Stunden um den Block zu gehen oder wenigstens die Wäsche aufzuhängen. Der gelegentliche Gang zum Drucker oder zum Wasserspender, für Büroarbeiter sonst eher lästig, hat nämlich durchaus einen physiotherapeutischen Nutzen.

© SZ vom 10.04.2020
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