Ladies & Gentlemen:Selbstoptimieren, aber mit Stil

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Der Frühling kommt und mit ihm die Überzeugung, etwas für den eigenen Körper tun zu müssen. Ob eher von innen oder mit Hanteltraining: Luxushersteller halten kleine Helferlein bereit.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Edler verdauen

Der gepflegte Smalltalk ist gesellschaftlicher Kitt, leidet aber in diesen Zeiten, weil die Themen Krieg und Covid sich nicht dafür eignen. Die Leichtigkeit ist uns abhanden gekommen! Das bringt uns direkt zum neuen Smalltalk-Liebling Verdauungstrakt, der bekanntlich wie nichts anderes über ein beschwingtes oder schweres Lebensgefühl entscheidet. Ausgiebiges Geplauder übers Mikrobiom ist jetzt vollkommen unverfänglich, weil Instagram-approved! Wenn es nach den Anbietern geht, die Prä-und Probiotika nicht mehr im unerotischen Umfeld der Apotheke, sondern auf Lifestyle-Portalen und Social Media vermarkten, entscheiden Bakterienstämme über unsere Haut, unser Gehirn, unser Wohlbefinden, also über unser persönliches Glück oder Unglück. In der Tat macht die Wissenschaft bei der Erforschung des Darms ja immer interessantere Entdeckungen und dass die Gesundheit mit ihm zusammenhängt, ist klar. Neu ist, dass der Joghurt-Drink aus dem Supermarktregal von gestern ist, ebenso wie die bisherige Verzweiflungstat, sich in der Apotheke Probiotika zu besorgen. Heute kommen die Pillen in supereleganten Cremetiegeln daher, heißen Mybacs oder, hier im Bild, "Balance" von The Nue (zum Beispiel über niche-beauty.com). Die muss man wirklich nicht mehr im Kühlschrank verstecken, sondern kann sie nonchalant neben all den anderen, toll designten Dosen platzieren, die die Nichtkrankheiten Cellulite und Falten therapieren sollen. Das offene Gespräch über den Toilettengang ist endlich freigegeben! Denn auch Smalltalk-Themen müssen ja doch irgendwie zur aktuellen Weltlage passen.

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Für ihn: Schöner aufmuskeln

Hanteln sind ein so abgegriffenes Symbol für männliche Ertüchtigung, man ist beinahe erstaunt, dass sie tatsächlich noch benutzt werden und nicht nur als Film- und Jahrmarkt-Requisite dienen. Aber es gehört eben weiterhin zur männlichen Biographie, mit etwa 15 Jahren die ersten Hanteln nach Hause zu schleppen, sie drei Tage lang akribisch zu benutzen und dann unterm Bett oder tief hinten im Schrank zu vergessen - aber bei jedem Umzug trotzdem wieder mitzunehmen. Es ist ein entscheidender Punkt im Leben eines Mannes, wenn er die Dinger irgendwann doch in den "Zu verschenken"-Karton an die Straße stellt, weil ihm die Vorstellung, sie jemals noch zu benutzen, surreal vorkommt. Für einen zufällig passierenden Jungmann beginnt die Geschichte damit aber von vorne. Die Berliner Marke Kenko bemüht sich seit einiger Zeit, die triste Welt der Fitnessgeräte mit ausgesprochen edlen Produkten zu bereichern, was natürlich grundsätzlich begrüßenswert ist. So ein Set Hanteln aus amerikanischem Walnussholz für knapp achthundert Euro etwa muss eben nicht unters Bett, sondern kann vielsagend in der Wohnlandschaft rumliegen. Aber ist diese Kultur-Offensive in Schwitzerland der richtige Weg? Hat es nicht seine ureigentliche Richtigkeit, dass Fitnesscenter und Hometrainer von abstoßender, technoider Hässlichkeit sind? Ist das nicht gerade der Antrieb, an solch geistlosen Maschinen und Fabrik-Orten etwas Schönes zu produzieren, den eigenen Körper nämlich? Wenn Sportgeräte zu köstlichen Preziosen werden, wird Sport endgültig zur Quasireligion. Und das wäre, bei aller Muskelmasse, ein bisschen traurig.

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