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Kurz gesichtet:Farbenfroh in den Frühling

Avantgarde: Teller von Cassina und Ginori 1735.

(Foto: Hersteller)

Rotes für die Lippen, blaue Teller für den Tisch, bunte Sommerkleider. Nur die Füße stecken in schwarzen Gladiator-Sandalen. Die Stil-News der Woche.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas und Silke Wichert

Die französische Architektin und Gestalterin Charlotte Perriand wird gerade wiederentdeckt, zu Recht. Ab den späten 1920er-Jahren hat sie sich als mutige und experimentierfreudige Designerin der Avantgarde einen Namen gemacht und früh an allen wichtigen Möbel- und Interiordesign-Projekten im Atelier von Le Corbusier mitgewirkt - in dessen Schatten sie aber lange stand. Eine neue Geschirrserie erinnert jetzt an ihre einprägsamen Naturaufnahmen. Der italienische Möbelhersteller Cassina hat gemeinsam mit der Porzellanfirma Ginori 1735 ein Set von sechs Tellern auf den Markt gebracht, auf denen Fotomotive der Gestalterin zu sehen sind - dank leuchtendem Blau zum Strahlen gebracht. Die Originale sind Schwarz-Weiß-Bilder, die Perriand auf ihren Spaziergängen von Baummaserungen, Fischgräten oder schmelzendem Schnee auf Steinen machte. Oft waren solche Entdeckungen in der Landschaft der Ausgangspunkt ihrer Entwürfe (ginori1735.com, erhältlich etwa über weitz-porzellan.de).

Die Muster der Marke Marimekko sind legendär, ihre farbenfrohen Haushaltswaren und Stoffe längst Klassiker. 1960 entschied sich die bekanntermaßen wählerische Jacqueline Kennedy für mehrere Kleider des Labels und posierte als junge Ehefrau des demokratischen Präsidentschaftskandidaten JFK in einem legeren Marimekko-Sommerkleid auf dem Titel des Magazins Sports Illustrated. Der optimistische Stil der finnischen Marke entsprach genau der Lässigkeit, für die die Kennedys standen. Zum 70. Geburtstag des Labels erscheint jetzt ein fast 300 Seiten starkes Erinnerungsbuch. "Marimekko. The Art of Printmaking" - in diesem Fall ist der Begriff Bildband besonders angebracht (57 Euro, thamesandhudson.com).

Der "Grunge"-Designer Rick Owens macht Dr. Martens luftig.

(Foto: Hersteller)

Rick Owens ist eigentlich eine Anomalie in der Mode. Auf den ersten Blick sind seine Entwürfe ziemlich düster, viele nennen es "grungig", obwohl seine Models vielmehr wie außerirdische Amazonen daherkommen. Aber angezogen schmeicheln seine Entwürfe dem Körper auf unbeschreibliche Art, und wer einmal anfängt, die Marke zu tragen, hört nicht mehr damit auf, solange das Portemonnaie mitmacht. Für Dr. Martens jedenfalls war der Amerikaner mit den schwarzen Haaren sicherlich die perfekte Besetzung für eine Kooperation. Deshalb kommen nach einem ersten kleinen Anlauf im März nun gleich drei neue Modelle auf den Markt. Darunter die klassische Dr. Martens Silhouette, aber mit Owens "Pentagon"-Schnürung, sowie eine neue, düster-coole Version der Gladiator-Sandale - natürlich mit breiter Sohle und den unverkennbaren gelben Nähten (drmartens.com).

Neben so vielen anderen setzt nun auch ein weiteres Unternehmen auf Make-up. Zara, Teil des spanischen Textilhändlers Inditex, bringt vom 12. Mai an eine eigene Kollektion auf den Markt. Schwarzer Eyeliner, knallgelber Nagellack, Nude-Lippenstift: 130 Produkte soll das Sortiment umfassen, allein 39 verschiedene Nagellackfarben. Bei der Verpackung setzt man auf Nachhaltigkeit, die Dosen für Lidschatten und die Lippenstift-Hüllen sollen nachfüllbar sein. Außerdem sind die Produkte vegan, ihre Herstellung kommt ohne Tierversuche aus. Die Erweiterung des Sortiments dürfte auch finanzielle Gründe haben: Die Erlöse des Modeimperiums, zu dem neben Zara auch Marken wie Massimo Dutti und Bershka gehören, sind pandemiebedingt im Laufe des vergangenen Jahres um 28 Prozent gefallen (zara.com).

© SZ
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