Haushalt und Beziehung:Selbst Dreck ist kein Argument

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Spätestens jetzt steht der Chaot mit dem Rücken zur Wand: Denn wenn das Geschirr, kreuz und quer gestapelt, nicht sauber wird, ist er eindeutig im Unrecht, oder etwa nicht? Bernardy bedauert, leider nein. "Selbst wenn nach dem Spülvorgang eine Haferflocke oder eingetrocknete Nudelsoße am Tellerrand klebt, wird sich der Chaot daran ebenso wenig stören wie an dem von ihm verursachten Chaos in der Spülmaschine." Mit anderen Worten: Alles eine Frage der Haltung. Es gibt nun mal keine objektive Bedeutung von sauber (im Gegensatz zur Definition von steril).

Fairerweise sollte die Anleitung eines Geschirrspülers zumindest den Hinweis enthalten: "Wenn Ihnen ein paar Haferflockenreste nichts ausmachen, können Sie das Geschirr auch kreuz und quer einräumen." Sei's drum, Kant hat sowieso niemals eine Spülmaschine besessen. Im Übrigen wäre der Philosoph, ein manischer Ordnungsmensch, auch keine große Hilfe in Sachen Haushalt gewesen, da er 30 Jahre lang über einen Diener verfügte.

Nächster Versuch: Spurensuche bei den Soziologen

Mittlerweile ist man beinahe versucht, aufzugeben und seinen Kopf ermattet in den Schoß des radikalen Konstruktivismus zu legen. Ihm zufolge ist es nämlich nahezu unmöglich, etwas erkennen zu wollen, das außerhalb der eigenen Erlebniswelt liegt.

Man würde dazu jetzt gerne Peter Berger und Thomas Luckmann befragen, leider sind beide vor ein paar Jahren kurz hintereinander verstorben. Die Wissenssoziologen dachten weniger radikal, kamen jedoch zu ähnlichen Ergebnissen. In ihrem Werk "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" beschreiben die Autoren eine Realität, die sich, je nachdem, in welcher Welt man sich befindet, von anderen unterscheidet. Die eigene Wirklichkeit sei demnach subjektiv - allerdings könne man sich innerhalb einer Welt mit anderen auf eine allgemeingültige Version einigen.

Mag sein, doch sicher funktioniert das nicht in der gemeinsamen Welt vieler Paare. Der Pedant wird beim Anblick angetrockneter Haferflockenreste triumphierend rufen: "Ich hab's gewusst - alles dreckig!" Während der Chaot antwortet: "Was willst du denn, ist doch sauber geworden."

Letzter Versuch: Anruf beim Paartherapeuten

Hilft jetzt nur noch Trennung - zumindest vom Geschirrspüler? Der Paartherapeut David Wilchfort, seit mehr als 30 Jahren im Dienst der Liebe agierend, scheint kein bisschen überrascht, dass man ihn wegen eines Elektrogeräts behelligt. "Ich höre immer öfter von diesem Meinungsunterschied. Tatsächlich hat das Thema den Klassiker mit der falsch ausgedrückten Zahnpastatube abgelöst." Eines stellt Wilchfort gleich vorneweg klar: "Über die Methode, eine Spülmaschine einzuräumen, wird man sich ebenso wenig einigen wie über die Frage, ob die Suppe schmeckt." Selbst der Hinweis "So steht es im Rezept" würde unterschiedliche Geschmäcker nicht zum gleichen Urteil bewegen.

Die gute Nachricht: Im Gegensatz zu der Frage, ob man gemeinsam nach Australien auswandern oder ein zweites Kind haben möchte, lasse sich das Problem auch dann lösen, wenn man unterschiedlicher Meinung sei. Und zwar mit einer positiven Grundhaltung. Wilchfort zufolge ist das Problem weniger, was exakt der Partner macht. Das Problem ist die Vermutung, warum er es macht. Es geht streng genommen also gar nicht darum, ob das Besteck nach oben oder nach unten zeigt. Sondern um das Motiv, das man dem anderen unterstellt: Faulheit, Kontrollzwang, Desinteresse, mangelnde Wertschätzung.

"Wenn beide sich vom andern geschätzt fühlen, gehen sie eher davon aus, dass dem anderen auch ihr Wohlergehen wichtig ist", sagt der Psychotherapeut. Dann suchten sie eher nach kreativen Lösungswegen. Etwa, dass kreuz und quer erlaubt ist, wenn es schnell gehen muss. Und ansonsten Sorgfalt vorgeht. "Wissen sie, Verliebte streiten ja auch nicht. Sie lachen höchstens darüber, wie unterschiedlich sie sind."

Sollen sie lachen. Solange sie noch können.

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Paar beim gemeinsamen Fensterputzen Berlin Deutschland Couple is cleaning windows Berlin G

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