Trends 2026Sammeln Sie Punkte!

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Punktuell mondän: Nicole Scherzinger bei einem Event im April.
Punktuell mondän: Nicole Scherzinger bei einem Event im April. Daniel Boczarski/Getty Images for Churchill Downs

Chrom, Cortisol und Colourblocking – sechs Trends, die uns diesen Sommer begegnen werden, und was es damit auf sich hat.

Von Emma Schmidt, Tanja Rest, Anne Goebel, Max Scharnigg und Silke Wichert

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Man erinnere sich an das Punktekleid von „Pretty Woman“: Nach dem Polospiel betritt Julia Roberts im vollmilchschokoladenbraunen Polka-Dot-Dress den Rasen. Und vor lauter Punkten merkt niemand, dass sie eigentlich nicht in die versnobte Gesellschaft gehört. Aufs Damespielen haben diesen Sommer anscheinend viele wieder Lust, denn die Polka Dots sind (mal) wieder da, bereit, 2026 ihren rechtmäßigen Platz neben den Streifen in der sommerlichen Damengarderobe einzunehmen. Für ein paar Jahre hielt sich das Punktemuster, wie es schnöde-spröde auf Deutsch heißt, eher im Hintergrund. Aber jetzt schwingt das Trendpendel zurück. Auf Englisch steckt schon im Namen, warum dieses Muster nicht totzukriegen ist. Der Name Polka Dot kommt vom Polka-Tanz aus Tschechien, bei dem zu rechts-rechts-links-links gehüpft wird – soll heißen, eine sehr heitere Angelegenheit. Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Leute so heiß auf die Polka, dass einfach alles danach benannt wurde. Auch das Tupfenmuster, das zur gleichen Zeit beliebt wurde.

Auch jetzt noch lassen Polka Dots ans Tanzen denken: an wirbelnde Satinröcke, Beine in der Luft und an warme Abende mit Sommersprossen auf der Nase. Die Punkte sind Alleskönner, kaum ein anderes Muster lockt so verspielt, mit so einer Leichtigkeit und ist gleichzeitig so konservativ. Denn, obwohl es auf den diesjährigen Laufstegen schon ganz unterschiedliche Interpretationen davon zu sehen gab, etwa von Jean Paul Gaultier, Ellie Saab und Valentino, haftet an den großen Punkten auch ein Hauch Klassenkampf. Polka Dots reihen sich formidabel in die „Old Money Aesthetic“ der letzten Jahre ein. Jenen Trend, wo man auch aus kleinem Budget Looks kreiert, die einen aussehen lassen, als hätte man ein Wochenendhaus in Südengland. Weite, helle Hosen und Hemden, Loafer, Halstuch. Reich und schön will man aussehen, nicht neureich und schön. Schließlich besuchte Julia Roberts als Pretty Woman auch ein Polomatch und keine Kreuzfahrt.

Häufig finden sich Polka Dots jetzt auf fließenden, glänzenden Textilien, auf Midi- oder Maxi-Röcken und Sommerkleidern. Ein Klassiker ist außerdem die dünne, helle Bluse mit schwarzen Punkten. Wer keine Lust auf diesen Vibe hat, kann die Punkte mit Karo oder Streifen kombinieren. In einer aktuellen Trendfusion sind Polka-Dot-Ballerinas ein gekonnter modischer Kniff. Die Herrenmode spart der Hype größtenteils aus. Leider – denn wie fantastisch das aussehen kann, hat „Heated Rivalry“-Star Connor Storrie mit gepunktetem Neckholder-Top Anfang der Woche auf der Met Gala bewiesen.

Eine niedliche Unisex-Lösung könnte in diesem Sinne der nächste große Trend unter den Lebendaccessoires werden: der Dalmatiner. Dieses Langzeit-Polka-Dot-Investment rundet sicher jeden Look ab! Der Dalmatiner passt sowohl perfekt zum Tupfentrend als auch zum Landhauslook. Außerdem würde er dem überzüchteten Dackel eine wohlverdiente Verschnaufpause gönnen.

Fossil

Blaue Stunde

Armbanduhren mit blauen Zifferblättern oder gleich gänzlich blauer Ausstattung haben sich schon letztes Jahr in den Auslagen der Juweliere breitgemacht: Neue Statussymbole in Navy wie die Patek Philippe Aquanaut, die Breitling Navytimer oder allerlei Blaublütiges bei Hublot sorgten für spürbare Erfrischung bei den Herrenuhren, bei denen lange Stahl, Gold und Titanfarben dominierten. So richtig spürbar wird ein Hype aber natürlich erst, wenn er auch die Einstiegspreisklassen erreicht – und da setzt sich die blaue Herrenuhr dieses Jahr fort: Timex (Waterbury Heritage) und Citizen (Promaster Dive) haben neue (hell)blaue Uhren im Sortiment und Fossil tauchte für eine kleine Sonderkollektion alle ihre beliebtesten Modelle einmal in den Farbton Ozeanblau. Bleibt die Frage: Warum eigentlich? Hat man sich an den Farben der Edelmetalle und Schwarz einfach sattgesehen? Oder sind die Qualitäten der Blautöne am Arm bisher einfach unterschätzt gewesen? Denn ja, Uhren mit blauen Akzenten sehen an einem leicht gebräunten Arm immer gut aus und sorgen selbst im Aufzug zum Konferenzraum für eine gewisse Urlaubsstimmung. Außerdem weiß die Branche schon lange, dass eine Assoziation mit Wasser, Meer und Tauchen bei Herrenuhren wie ein Geschmacksverstärker fungiert. Wer keine klobige Taucheruhr tragen möchte, kann so immerhin eine Uhr präsentieren, deren Ziffernblatt an Pool oder Pazifik erinnert. Zudem bietet Blau am Handgelenk gerade den richtigen Grad an Abwechslung, ohne gleich unseriös zu wirken – ganz ähnlich wie der blaue Anzug, der längst vielerorts den schwarzen Anzug abgelöst hat, weil er weniger förmlich wirkt. Der vermutlich einleuchtendste Grund ist aber: Die neue blaue Welle macht es Uhrenfreunden leicht, die Modelle, die sie ohnehin schon lieben, noch mal neu zu entdecken – und die eigene Sammlung um ein paar Farbtupfer zu erweitern.

Tom Dixon

Alle Wege führen nach Chrom

Eines der großen Gesprächsthemen der Möbelmesse in Mailand war vor einigen Wochen das Comeback von Chrom und ähnlich kühler Metalloptiken. Lange galt diese Oberfläche als zu technisch und ungemütlich, aber nach Jahren, in denen die Interieurs komplett in Messing, Plüsch, Gold und dämmernde Patina getaucht waren, ist die allgemeine Sehnsucht nach ein bisschen Klarheit und neuer Coolness schon verständlich. Und die transportiert sich über die retrofuturistische Strahlkraft von glänzendem Chrom ganz gut. Gerade in Kombination mit Holz oder Bouclé-Stoffen, etwa bei Sofas oder Beistelltischen, ist der Kontrast wieder spannend, und ihre Lichtreflexionen und Spiegelungen verleihen Chromakzenten eben immer auch den Hauch einer Discokugel. Wer dabei an die 70er-Jahre denkt, hat jedenfalls genauso recht wie jene, die sich an die Stahlrohr-Bauhaus-Ästhetik erinnert fühlen – beide Stilepochen waren in Mailand dann ebenfalls hoch im Kurs. Und der britische Designer Tom Dixon legte mit seiner neuen Leuchte „Pose“ eine stilistische Punktlandung hin – sehr modern, aber irgendwie auch retro wirkt diese Tischlampe, die auch noch in anderen hochglänzenden Ausführungen zu haben ist. Sicher ist: Chrom steht nicht für Behaglichkeit und ist deswegen genau das richtige Material für eine ungemütliche Zeit, die einen futuristischen Hoffnungsschimmer vertragen könnte.

Miu Miu/Miu Miu

Huch, ein Tuch!

Flattern lassen, verknoten, locker schlingen: Leidenschaftliche Tuchträgerinnen – also Menschen, die beim Gedanken an ein möglicherweise aufziehendes Gewitter schnell noch das gute Seidene in die Handtasche knüllen – wissen längst, dass ein Schal tausend Möglichkeiten bietet. Wie nett, dass das jetzt nicht mehr bloß eine Angelegenheit für Wetter-Hasenfüße ist. Der silk scarf hat sich auf so gut wie alle Laufstege für den Sommer gemogelt, was erst mal kaum nach einer zündenden Idee klingt, denn neu ist das gemusterte Karree nun wirklich nicht mehr. Immer noch die eleganteste (Kopf-)Tuchträgerin, und das ist Jahrzehnte her: Jackie Kennedy. Aber der Variantenreichtum ist neu in diesem Frühjahr. Zusammengerollt als Halsschmuck oder als klassisches Bandana-Dreieck zur Riesensonnenbrille, um die Hüfte gezurrt wie ein Pareo für Männer zur nackten Brust (bei Dries Van Noten) oder als deckengroßer Überwurf mit viel Drama bei Celine: Um Schutz vor einer schwachen Maibrise geht es natürlich in keinem dieser Fälle, eher um einen starken Auftritt. Wenn schon, dann richtig! Mit einem zarten Tücherl ist diese Saison niemand zu beeindrucken. Lieber das rasant gewürfelte und großzügig bemessene Modell in Meerblau und Lorbeergrün von Miu Miu. Wer es sich zum Einstieg lieber als Schärpe um die Handtasche bindet, bekommt es auch in der schmalen Version.

Struktur Cortisol.
Struktur Cortisol. Public domain

Der neue Endgegner: Cortisol

Cortison? Cholesterol? Nicht ganz: In letzter Zeit ist vor allem von Cortisol die Rede, dem Stresshormon. Gestresst sind wir in diesen Zeiten schließlich alle. Influencer warnen auf Tiktok und Instagram deshalb vor dem „Cortisol Face“, das – man ahnt es – nicht rosig und schmal, sondern fahl und dick aussieht. Luxus-Retreats bieten „Cortisol Detox“, es gibt Drinks, Supplements und Diäten, die den bösen C-Wert drücken sollen. Das verschlanke die Kiefer- und Wangenpartien, heißt es, helfe gegen Bauchfett, alternde Haut oder „Brain Fog“, anschaulich-englisch für schwächelnde Konzentration. Kurzum: Cortisol ist der neue Endgegner, der unbedingt bekämpft und laufend mit Hormonselbsttests überprüft werden muss.

Wer sich nach diesen Zeilen gleich noch ein wenig gestresster fühlt und sein Cortisol förmlich in den Adern spürt – tief durchatmen. Jeder (gesunde) Körper bildet Cortisol. Statt „Stresshormon“ könnte man es nämlich auch das „Leistungshormon“ nennen. Cortisol lässt beispielsweise das Herz kräftiger schlagen, es erhöht Blutdruck und Atemfrequenz, versorgt das Gehirn mit genug Energie. Es hilft also dem Organismus, den ganzen Tag über akute Belastungen zu meistern. Morgens ist der Wert meist am höchsten und nimmt dann über den Tag langsam ab.

Also alles Quatsch? Richtig ist: Chronische Stresszustände, bei denen die Belastung nicht wieder abklingt, können laut Ärzten zu Schmerzen, Schlafstörungen oder psychische Beschwerden führen, und zwar aufgrund des erhöhten Cortisolspiegels. Das ist allerdings relativ selten, und wer ausreichend schläft, sich halbwegs gesund ernährt, bewegt und viel lacht (kein Witz), hat normalerweise einen guten Cortisolspiegel. Den Körper jedoch vorsorglich davon „entgiften“ zu wollen, ist gefährlich, weil es sich um ein lebensnotwendiges Hormon handelt. Letztlich ist Cortisol vor allem ein neues Trendwort, von dem wir uns diesen Sommer nicht allzu sehr stressen lassen sollten.

Akris

Blockbuster

Dass düstere Zeiten nach leuchtenden Farben schreien, ist ein No-Brainer. Und wir meinen jetzt nicht besonders bunte Blümchenmuster, die werden im Sommer ohnehin immer großflächig angebaut. Ein bisserl origineller und grafischer darf es in ’26er-Ausgabe schon sein: Colourblocking also, alias die Kunst, Farbflächen besonders effektvoll aufeinander knallen zu lassen. Piet Mondrian hat diese Technik um 1917 herum erfunden, Yves Saint Laurent hat sie ein halbes Jahrhundert später mit seinem Mondrian-Kleid in die Mode exportiert. Seither poppt das Thema, wenn nicht gerade Minimalismus angesagt ist (und niemals waren wir weiter vom Minimalismus entfernt als gerade), immer mal wieder hoch. Auf den Laufstegen für Frühjahr und Sommer stießen die Leuchtfarben jedenfalls aufs Glücklichste zusammen, siehe Loewe, siehe Balenciaga, Celine, Chanel. Am schönsten und fröhlichsten aber hat der Designer Albert Kriemler geblockt, für sein Schweizer Label Akris. Wie so oft diente ihm ein Kunstwerk als Inspiration, nämlich ein Paravent des amerikanischen Malers Leon Polk Smith, der wiederum von Mondrian beeinflusst war, so schließt sich der Kreis. Die grafischen Muster der Vorlage tauchen hier als bunte Patches auf einem weißen Lederkleid auf. Geht aber natürlich auch einfacher: einfarbiges Top, anders einfarbiger Rock, und fertig ist der Look. Unser Lieblingskombi in diesem Jahr: sattes Rot zu hauchzartem Rosé.

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