Ladies & Gentlemen:Obenrum frei

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Die Männermode setzt für den Sommer flächendeckend auf Kurzarm-Pullover, Prada legt den Frauen für den kommenden Winter dafür das Tanktop ans Herz. Echt jetzt?

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Der alte Tanktop-Trick

Das Tanktop hatten wir letztes Jahr schon besprochen, und zwar als modernen Unterzieher für Trägerkleider, die man lieber ausrangiert hätte, aber aus Budgetgründen weitertragen muss. Das Thema ist aber noch nicht durch, im Gegenteil: Prada schlug es neulich wieder auf dem Laufsteg vor, und zwar für nächsten Winter, kombiniert mit zarten, bestickten Seidenröcken und noch zarteren Riemchenpumps (und auch statt Pulli unter superdicken Winterjacken). Es ist also schon jetzt klar, dass das Tanktop in diesem Sommer auf Instagram rauf und runter getragen werden wird, denn die Modeleute bekamen Schnappatmung, als sie das sahen. Sie haben, so wie alle modernen Menschen, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, weswegen sie den Look als unglaublich neu und aufregend empfanden. Dabei ist das Tanktop natürlich ein Klassiker, der schon an den spindeldürren Grunge-Ikonen der Neunzigerjahre gut, am besten aber an der brachialen Linda Hamilton in "Terminator" aussah. In nichts kommen durchtrainierte Frauenarme nämlich besser zur Geltung! Jetzt ist also oben wieder Kfz-Mechanikerin, aber unten total ausgehfeine Lady. Was man natürlich als modische Metapher für die Frau unserer Zeit sehen kann. Möbelpackerin und gleichzeitig Tussi, ja, das geht zusammen - wussten wir allerdings auch schon vorher, allein aus Lebenserfahrung. Weswegen die weiße Rippe am Ende mal wieder nichts anderes ist als eine akzeptable Alternative für alle, bei denen das Geld schon wieder nicht für ein anständiges Oberteil gereicht hat.

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Für ihn: Die neue Feinstrick-Masche

Das klassische Poloshirt ist jeden Sommer die Rettungsinsel in der Herrengarderobe. Entsprechendes Wetter vorausgesetzt, ist es multipel einsetz- und kombinierbar, erlaubt Frühstückseinladungen ebenso wie leichte Tenniseinheiten, darf ins Büro, wenn nichts Wichtiges ansteht, und frühabends vielleicht sogar ins Restaurant - auf die Terrasse. Gleichwohl sollte man seine Gutmütigkeit nicht ausreizen, denn es gibt etliche Situationen, in denen einem das Poloshirt plötzlich sehr kurzärmlig vorkommt, sein Kragen windig und das Piqué-Gewebe doch etwas zu robust wirken - jegliche Form von gepflegter Abendeinladung etwa, aber auch eine marmorkühle Hotellobby. Für niveaulastige Anlässe gibt es die veredelte Feinstrickvariation des Poloshirts aus Baumwolle, Sommerkaschmir oder Seide. Sie ist diesen Sommer bei fast allen Marken zu finden, vor allem bei Italienern, die mit dem angelsächsischen Poloshirt nie ganz zufrieden sein werden. Die Feinstrickvariante (hier bei Dolce&Gabbana), eliminiert mit ihrem Charakter zwischen Polo und Pullover das Sportive und fällt tatsächlich viel lässig-mondäner aus. Sie bietet bestenfalls das ideale Outfit für einen langen Biennale-Tag inklusive Party. (Dann empfiehlt sich allerdings ein unsichtbares Unterhemd.) Das feste und formstabile Wesen des Piqué-Stoffes fehlt den Kurzpullovern leider, deswegen brauchen sie markante Bündchen - was wiederum zum Performance-Problem werden kann. Denn wenn Arm und Bauch nicht in Form sind oder die Passform nicht ganz stimmt, wirkt der Oberkörper schnell boxy und eingezwängt - und die südliche Leichtigkeit ist schneller dahin, als man Piselli sagen kann.

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