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Tag der Socke:Teil-Sockdown

Alte Socken zum 25. Geburtstag

In Ostfriesland ist es Brauch, ledigen Männern zum 25. Geburtstag einen "Sockenkranz" zu schenken. Wer in dem Alter noch nicht verheiratet ist, wird als "Alte Socke" bezeichnet.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Der 4. Dezember ist offizieller Sockentag. Zeit, einem der größten Mysterien der Menschheit nachzuspüren: Wohin verschwinden eigentlich all die zweiten Strümpfe?

Von Titus Arnu

Es ist eines der seltsamsten Mysterien der Menschheitsgeschichte: Strümpfe treten anfangs paarweise auf, aber im Lauf der Zeit fehlt garantiert eine Hälfte. Es muss kurz nach der Erfindung des weichen Schlupfschuhs (lateinisch: soccus) gewesen sein, dass einer der beiden Füßlinge verloren ging. Soccus verschwindibus. Die Dinger scheinen sich in Luft aufzulösen. In der Hoffnung, irgendwann die zweite Socke zu finden, wirft man das Einzelstück in eine Kiste, in der sich bereits ein ganzes Sockensurium unterschiedlicher Singlestrümpfe befindet. Aber die Verschollenen kehren nie zurück.

Es handelt sich um ein globales Phänomen, zumindest in wechselwarmen Ländern, wo man Fußwärmer braucht. Selbst in den ordentlichsten Haushalten verflüchtigen sich Einzelsocken, das ist statistisch nachgewiesen. Eine Studie eines Waschmaschinenherstellers ergab, dass in Durchschnittshaushalten jährlich 15 Socken pro Person flöten gehen, das sind etwa 1200 Socken pro Menschenleben. Der 4. Dezember ist offizieller Sockentag, ausgerufen von der US-amerikanischen Sockenindustrie - Anlass genug, um der Vermissten zu gedenken.

Man kann es natürlich einfach so halten wie Pippi Langstrumpf und grundsätzlich unterschiedlich gemusterte Socken tragen. Zwanghafte Symmetrieliebhaber verzweifeln allerdings an so einer Trallala-Hopsasa-Einstellung. Das beunruhigende Problem des Sockenschwunds lässt sich dadurch lediglich überspielen, aber nicht verleugnen. Bei der Recherche zum Thema drängen sich unbequeme Fragen auf: Gibt es eine Weltsockenverschwörung? Frisst ein schwarzes Loch die Socken auf? Was haben die Illuminaten damit zu tun? Kann es wirklich Zufall sein, dass man bei Amazon "Illuminati-Socken mit geometrischer Satanic-Kompression" bestellen kann?

Die Socken-Formel lautet: (L(p x f) + C(t x s)) - (P x A)

Der Statistiker Geoff Ellis und der Psychologe Simon Moore haben sich dem Problem mathematisch genähert, indem sie 2000 Durchschnittssockenträger befragten und anhand der Daten einen Socken-Verlust-Index erstellten. Er lautet: (L(p x f) + C(t x s)) - (P x A). Das bringt einen keinen Fußbreit weiter, denn die Gleichung beschreibt nur die Wahrscheinlichkeit des Sockenverlustes. Die entscheidenden Faktoren dabei sind die Anzahl der Socken pro Waschgang und der Grad der Aufmerksamkeit, die der Sockenbesitzer den Objekten widmet. Ein kleiner Teil des Schwunds lässt sich mit Schlamperei erklären: Socken landen hinter Heizkörpern, unter Kommoden oder werden nach dem Waschen aus Bequemlichkeit ("eine rot-weiße Ringelsocke und ein lila Kniestrumpf? Passt schon!") falsch sortiert und irgendwann kopfschüttelnd weggeschmissen. Doch was ist mit dem Rest?

Die Forschungsabteilungen von Sockenherstellern beschäftigen sich nicht mit dem Schwund, das wäre geschäftsschädigend, sondern lieber mit anderen Dingen. Sie entwickeln Smartsocken mit Sensoren, die Bewegungsabläufe aufzeichnen und an eine App senden, um zum Beispiel zu kontrollieren, ob man nach einer Verletzung den Fuß falsch belastet. Ein Forscherteam der TU Chemnitz hat zusammen mit dem sächsischen Strumpfwerk Lindner "intelligente" Socken entwickelt, die Diabetikern helfen. Es gibt auch Anti-Zecken-, Anti-Fersensporn- und Anti-Käsefuß-Socken. Neuro-Socken sollen die Balance und das Energielevel des Trägers oder der Trägerin erhöhen. Eingewebte Muster triggern angeblich Fußreflexzonen und aktivieren Reize im Hirn. Unabhängige medizinische Studien dazu existieren nicht.

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Es ist keine urban legend, Socken werden wirklich von der Waschmaschine gefressen - und dann lösen sie sich langsam, aber sicher in nichts auf.

(Foto: Kzenon/Imago/Panthermedia)

Leider sind selbst Smartsocken nicht so schlau, dass sie ihre verlorenen Brüder und Schwestern wiederfinden. In vielen Fällen ist das aber auch nicht mehr möglich. Wissenschaftler der Universität Melbourne fanden heraus, dass bei vielen Waschvorgängen, die mit einer geraden Anzahl von Socken starteten, eine ungerade Zahl übrig blieb. Nach dem Auseinandernehmen der Maschine waren die Wissenschaftler dann ziemlich von den Socken: Es ist keine urban legend, Socken werden wirklich gefressen. Sie können in die Spalte zwischen Dichtungsgummi und Wäschetrommel geraten und sich beim Schleudern um den Heizstab der Maschine wickeln. Dort lösen sie sich durch die Hitze und die Rotation der Trommel langsam in nichts auf.

Ein Lebenshilfetipp zum Schluss: Wenn man auch in turbulenten Zeiten zusammenbleiben möchte, muss man sich fest an den Partner klammern. In Großwäschereien werden Socken deshalb zusammengeheftet. Man tackert die Paare einfach vor dem Waschen mit einer Nadel oder einer Etikettierpistole zusammen - der sogenannte Sockenschuss. Die Redewendung, jemand habe einen Schuss, stammt aus dem Wäschereiwesen. Die ursprüngliche Bedeutung ist mittlerweile verwaschen. Der Sockenschuss ist eigentlich wie die Ehe - ein gemeinschafts- und sinnstiftender Bund.

© SZ/afis
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