Ladies & GentlemenKittel recht freundlich!

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Manufactum, H&M

Miu Miu machte im vergangenen Herbst die Schürze zum großen Thema in der Mode. Gut so, denn der Arbeitskittel hat sich längst emanzipiert.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

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Für sie: Die Schlacht geschlagen

Höchste Zeit, den Elefanten auf dem Laufsteg anzusprechen: die Schürze. Die ersten Stars wurden in diesem Miu-Miu-It-Piece schon gesichtet, zum Beispiel Alexa Chung. Auf dem Laufsteg ein paar Monate früher hatte Miuccia Prada alle Varianten der niederen Arbeitsuniform durchdekliniert, von der Garten- über die Handwerks- bis zur geblümten Rüschenversion mit Hausfrauen-Vibe. Es gab echte Schürzen, über Jacken und Hosen gebunden, und falsche, sogenannte Apron Dresses. Aber was hat es zu bedeuten, wenn der Kittel plötzlich ein Luxus-Accessoire ist? Könnte eine Veräppelung der Tradwives sein, also all dieser jungen Frauen, die das devote Leben an der Seite eines Ehemanns auf Instagram glorifizieren, Kuchen backen und sich dafür die Haare aufdrehen. Oder es ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Es wird ja unendlich viel geredet, signalisiert und ja, auch geschrien, aber die Hände schmutzig machen will sich am Ende keine. Die Interpretation dieses Modetrends ist, Weltsensation, also vollends seiner Trägerin überlassen! Es gibt keine Regeln, wo, wann oder wozu man die Schürze tragen sollte (aber es gibt als Inspiration auf Instagram die tolle Berliner Modeinfluencerin Kerstin Geffert).

H&M

Wer keinen vierstelligen Betrag für einen Kittel von Miu Miu ausgeben will, hat trotzdem alle Möglichkeiten, wie an diesem hübschen Modell von H&M zu sehen ist. Kaffeehaus-Kellnerin, Tagliatelle rollende Witwe oder einfach die Schlachterin des Systems – alles ist in der richtigen Schürze möglich. Sie ist also vor allem eine Aufforderung zum selbständigen Denken.

Für ihn: Universell ansprechbar

Schürzen haben in der allgemeinen Herrengarderobe nur einen sehr geringfügigen Status. Zu Unrecht. Man denke an die tiefblauen Schürzen der Bergbauern in Südtirol, die gleichzeitig kleidsam, alltagsfunktional und zutiefst maskulin sind. Oder den urigen Lederschurz, den der genialische Künstler und naturgewaltige Mann Olaf Gulbransson einst als Arbeitskleidung in seinem Atelier am Tegernsee trug – mit nix drunter! Ob man nun dabei Schuster, Künstler oder Uhrmacher vor Augen hat – eigentlich spricht nichts gegen eine markante Schürze am Arbeitsplatz, sie verleiht auch Kopfarbeitern eine gute, arbeitsame Grundierung. Aber klar, als Mann mit Schürze in den Flieger zu steigen oder ins Meeting zu kommen, das ist auch zukünftig wohl eher noch nicht denkbar.

Manufactum

Sehr wohl könnte es aber in Haus und Hof und am Wochenenden Usus werden, eine schmucke Schürze anzulegen, wie sie beispielsweise Manufactum im Sortiment hat. Über einer schönen Stoffhose und zu einem guten, leicht abgeschossenen Oxford-Hemd getragen, wäre das ein feines Weekend-Outfit für den modernen Hausmann. Es zeigt an, das jemand hier universell zuständig ist: für das Hochbeet im Garten und die Hochrippe in der Küche, bereit, um mit den Kindern am Maltisch zu sitzen und in der Garage zu werkeln. Eigentlich könnte die Schürze also ein Symbol für den modernen Mann sein. Hängt er sie abends dann demonstrativ an den Nagel, legt er den Care-Modus ab und kommt gewissermaßen undomestiziert und oldschool zum Abendessen – sexy.

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