bedeckt München

Stilkritik:Pechsträhne

Erst die Pressekonferenz im Gartencenter, jetzt eine Haarfärbemittel-Panne: Rudy Giuliani hat gerade keinen guten Lauf.

Von Alexander Menden

Rudy Giuliani, ehemals New Yorks 9/11-Heldenbürgermeister und mittlerweile Chef-Verschwörungsmythiker von Donald Trumps Gnaden, hat bewegte Wochen hinter sich. Erst war er in "Borat 2" dabei zu beobachten, wie er in seiner Hose herumwurschtelte, während er in einem Hotelzimmer mit einer sich als Journalistin ausgebenden Schauspielerin sprach. Dann gab er eine Pressekonferenz vor einem Gartencenter in Philadelphia, direkt neben einem Fachgeschäft für Sexspielzeug. Und jetzt hat offenkundig auch noch sein Haarfärbemittel versagt: Während einer Pressekonferenz in Washington, in der er erneut seine Theorie vom umfassenden Betrug während der US-Präsidentenwahl ausbreitete, liefen plötzlich schwarz-bräunliche Rinnsale an seinen Wangen hinab.

Eigentlich war Giuliani, zumindest was seine Frisur anging, einigermaßen auf dem richtigen Weg. Bereits 2002 hatte er darauf verzichtet, sich das Haar über die Glatze zu kämmen, und war dafür vom Modekritiker der Washington Post eigens gelobt worden. Doch der Haarkranz, der übrig blieb, behielt trotz Giulianis Alter von immerhin 76 Jahren stets eine kräftige dunkle Färbung bei.

War es Wimperntusche?

Die Färbemittel-Fehlfunktion, die dem reichlich schwitzenden Trump-Anwalt nun unterlaufen ist, passt zwar einerseits hervorragend zum bizarren Gesamtbild, das er in jüngster Zeit abgibt. Andererseits wäre sie aber leicht zu vermeiden gewesen. Möglicherweise hat er seine Koteletten mit Wimperntusche nachgefärbt, die in diesen Mengen den Temperaturen von Fernsehscheinwerfern nicht standhielt, oder die Färbung war aufgesprüht oder sie wurde nicht mit Peroxid fixiert. Normalerweise würde jedenfalls kein Coiffeur mit ein bisschen Ahnung und Berufsehre so etwas zulassen.

Was auch immer genau der Grund dafür war, dass Rudy Giuliani irgendwann so aussah, als habe ihm jemand Holzimprägniermittel ins Gesicht gekippt - die einzige angemessene Maßnahme zur Schadensbegrenzung wäre nun, umgehend mit dem Färben aufzuhören. Dann hätte wenigstens sein Haarkranz die Chance, ein bisschen Würde zurückzuerlangen.

© SZ/nas
Birgit Schrowange trägt ihre Haare jetzt grau

SZ PlusFrauen im Alter
:Grauwerden ist nichts für Feiglinge

Nur wenige bringen den Mut auf, zu ihrer natürlichen Haarfarbe zu stehen, wenn die Schläfen ergrauen. Auch, weil man nicht gern älter aussieht, als man sich fühlt. Doch es ist auch eine verpasste Chance. Über eine silberne Zukunft.

Von Violetta Simon

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite