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Ladies & Gentlemen:Aus der Neuen Welt

(Foto: AFP)

Mit einem schön inszenierten Foto verkünden die abtrünnigen Royals in Kalifornien ihre Schwangerschaft. Aber was ist da eigentlich genau zu sehen?

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Endlich Prinzessin: Meghan Markle

Es gibt viele verachtenswerte Ungeheuer auf dieser Welt. Aber das ultimative Monster ist für viele Meghan Markle. Sie hat den Prinzen Harry von seiner Familie entfremdet! Und jetzt liegt sie da im Schoße des Verlorenen, um die freudige Erwartung des zweiten Kindes publik zu machen. Am Valentinstag, so wie Prinzessin Diana. So ganz scheinen die Abtrünnigen ohne den royalen Feenstaub also nicht auszukommen. Ganz natürlich soll das Verkündungstamtam wirken, als kleines, unkompliziertes Familienglück. Sie schaut - wie in der Schlussszene von "Notting Hill" - in einem simplen Strandfetzen von unten nach oben zu ihm auf und berührt, so wie es unter Damen des Showgeschäfts Usus ist, zärtlich ihren Bauch. Man braucht ja so wenig, nur Liebe und eine grüne Wiese! Alle Menschen ohne Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld wissen natürlich, dass das die zynischste Lüge von allen ist. Der Strandfummel, so berichtet das People Magazin, ist auch gar kein Fetzen, sondern ein Entwurf des Modehauses Carolina Herrera. Den sie allerdings, Achtung Nachhaltigkeit, schon während der ersten Schwangerschaft trug. Die Monsterjäger fragen jetzt natürlich: War der Rückzug aus dem offiziellen Royal-Dasein nicht vom Wunsch nach mehr Freiheit getrieben? Ist so eine Inszenierung des eigenen Märchens nicht eine Frechheit? Nun, persönliche Freiheit ist Definitionssache - Schaden nimmt von so einem Heile-Welt-Foto ja niemand. Und so schreibt die Duchess of Sussex weiterhin ambitioniert Prinzessinnengeschichte. Aber zumindest ist es ihre eigene.

Von den Socken: Prinz Harry

Es ist ungewöhnlich, schon im Februar das Thema Männerfüße zu thematisieren, aber die Ereignisse lassen keine Wahl. Denn ihrer Zweitbaby-Botschaft haben Meghan und Harry ein Foto beigelegt, das dem neuen Wohnort Rechnung zollt: Californian Way statt Cornwall Wollsock. Easy Living, okay, aber dass ein nackter Männerfuß derart prominent die Bildmitte bespielt, das war doch verstörend. Das wäre wohl nicht passiert, wenn sie noch unter höfischer Aufsicht stünden. Denn der Herzog von Sussex ist traditionell weder Samoaner noch professioneller Beachvolleyballer. Bei solchen Biografien mag ein nackter Fuß stilprägend sein. Bei den meisten anderen Männern ist seine gewinnende Ausstrahlung als gering einzuschätzen. Zumal bei solchen mit angeborener Blässe, die sich an Herrenfüßen besonders hartnäckig verteilt. Außerdem lenkt der große Männerzeh hier ungalant vom Babybauch ab. Oder ist Harrys Fuß gewissermaßen auch frisch entbunden - von den Zwängen des Königshauses? Egal, derart schwielige Intimität mag man bei Volker und Ute von nebenan noch ertragen, bei einem Sandhurst-Offizier ist sie, kurz gesagt, eine Enttäuschung. Es geht nicht darum, ob Harrys Zehenzwischenräume objektiv schön sind. Nein, bei der beflissenen Abdeckung nackter Haut waren sich britische und deutsche Gentlemen bisher eigentlich einig. Es ist die Verbundenheit sonnenferner Völker, die um ihre rötliche Fleischfarbe wissen. Und Prinzenfüße haben auf offiziellen Fotos eben in Schuhen von John Lobb zu stecken, für Harry werden sie doch sogar mit einem schmucken H an der Sohle markiert! So viel alte Schule muss auch in der Neuen Welt sein.

© SZ/kar
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