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Rezeptur:Früher war mehr Kakao

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Ab jetzt heller, flüssiger und noch süßer: Nutella.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Heller, flüssiger und - ja, das geht - noch süßer: Nutella hat ein neues Rezept. Welches genau, verschweigt der Hersteller. Das provoziert Flüche, Verschwörungstheorien und Hamsterkäufe.

Von Laura Hertreiter

Früher war mehr Kakao. Denn Nutella hat ein neues Rezept: Es ist nun heller, flüssiger und - ja, das geht - noch süßer. Mehr Magermilchpulver, mehr Zucker, weniger Fett, weniger Kakao, teilt die Verbraucherzentrale Hamburg auf ihrer Facebookseite mit. Große Aufregung in den sozialen Netzwerken. Da werden Hersteller verflucht, Verschwörungstheorien ausgetauscht, Hamsterkäufe an alten Chargen getätigt und Etiketten verglichen. Dabei zeigt sich, dass der Zuckergehalt von 55,9 auf 56,3 Prozent angehoben wurde, also noch mal ein bisschen mehr als die Hälfte des Glases. Auch schon egal, könnte man meinen. Der Fettgehalt wurde reduziert, allerdings so minimal von 31,8 auf 30,9 Prozent,dass sich daraus keine "Nutella Light"- oder gar "Nutella Zero"-Kampagne machen lässt.

Dennoch herrscht Aufregung, immerhin geht es ja nicht um irgendeinen Brotaufstrich. Eher um eine Weltanschauung, die Zigarette unter den Frühstücksvarianten sozusagen. Für den vollen Genuss muss man sich über jede Ratio hinwegsetzen.

Die einen löffeln ganze Gläser, andere kriegen Zahnschmerzen vom Gedanken daran. Manche hassen Nutella, weil für das enthaltene Palmöl Regenwald gerodet wird. Andere feiern jedes Jahr Welt-Nutella-Tage und kaufen Klamotten in den Logofarben weiß-orange-schwarz.

Während #nutellagate im Internet einmal mehr die urmenschliche Angst vor Veränderung offenlegt, weiß der kosmopolitische Connaisseur natürlich längst, dass Nutella ohnehin nie einfach Nutella war. In Frankreich, Spanien, Italien und den Niederlanden zum Beispiel war die Creme schon immer flüssiger und etwas anders im Geschmack.

Die deutsche Variante hat Stiftung Warentest erst im vergangenen Jahr für "Aussehen, Geruch und Geschmack" mit der Note "sehr gut" bewertet. Dennoch gibt es auch jene bescheidenen Menschen, die mit Nusspli, Nussano oder Nussetti glücklich sind, obwohl - oder weil - die Kopien dem Original so ähnlich sind wie Leberwurst. Das liegt daran, dass die genauen Nutella-Zutaten streng geheim sind. Auch zur aktuellen Rezeptänderung beantwortet Ferrero keine Fragen. Genau wie bei Coca-Cola, Maggi oder Red Bull zelebriert man das Geheimrezept mit lautem Schweigen. Da werden Zutatenlisten angeblich in Tresors aufbewahrt, oder der kleine Kreis der Wissenden reist ausschließlich in getrennten Flugzeugen. Bei Lebensmitteln, bei denen man gar nicht wissen will, was drin ist: ein Erfolgsrezept.

© SZ.de/ick

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