Rauchmelder Designer suchen nach Lösungen

Demnach werden Milliarden in jedem Jahr für Brandschutzprodukte ausgegeben. Jetzt eben auch für den Rauchmelder "mit Mondmotiv", der "ideal ist für das Kinderzimmer" (15,99 Euro), oder gleich für den "Volks"-Rauchmelder inklusive "Magnetpad-Halterung" und "10-Jahres-Lithiumbatterie", die im Ernstfall für 85 Dezibel Warngeheul sorgt. Lautstärkentechnisch ist das mit einem beherzten Saxofonsolo oder einer eher herzlos vor sich hin brummenden Hauptverkehrsstraße zu vergleichen.

Das Problem ist aber nicht die Akustik, weil man das Rauchmelder-Fiiiiiiieeeeep kaum je hören wird; das Problem ist die Ästhetik, die man nun stets vor Augen hat. In allen Schlafzimmern, Fluren und möglichst auch in den Wohnbereichen. Bis auf Bad und Küche (Fehlalarmquellen ersten Ranges, wegen der Dämpfe) guckt man jetzt also auf Decken mit seltsamen Beulen. Die Verpicklisierung des Wohnens ist der Preis für mehr Sicherheit.

Immerhin hat das auch die Ästheten auf den Plan gerufen, Feuerlöscher vom Designer gibt es schließlich schon. Wobei die Design-Rauchmelder trotz ihrer exponierten und gruseligerweise sehr gut sichtbaren Lage noch Luft nach oben haben. Gestalterisch. Auch unter der Decke.

Rosa Riesenmotte an der Schlafzimmerdecke

Gut, da gibt es den Mini-Rauchmelder "Invisible". Doch auch der, vier auf vier Zentimeter groß, ist nicht unsichtbar. Und es gibt den finnischen Designer Harri Koskinen, der für das Unternehmen Jalo Helsinki einen seifenartig gerundeten Blickfang in kräftigen Farben entworfen hat. "Der Rauchmelder", so die PR-Poesie, "paart ein Gehäuse, das den Wert von Alltagsobjekten betont, mit Sicherheitsstandards."

Der gleiche Hersteller hat, gestaltet von Paola Suhonen, auch "Lento" im Programm: "Lento ist wild, dennoch grazil und verspielt. Er ruht an der Decke wie eine Motte." Kinderzimmer sind ein denkbarer Ort. Man ist ja nun kein Kind mehr, aber man möchte trotzdem nicht unter einer Decke schlafen, die von einer Riesenmotte in Dunkelrosa beherrscht wird, die man sich als Ergebnis eines Atomunfalls an der finnischen Grenze vorstellt.

Als Gunter Gabriel 1975 den sehr seltsamen Song "Komm unter meine Decke" veröffentlichte, steckte der Brandschutz noch in den Kinderschuhen einer nachkriegsoptimistischen Wird-schon-nichts-passieren-Ära. Jetzt ist man in der Vollkasko-Gegenwart angekommen, die nur eine wirklich ideale Lösung für das Dilemma kennt: Man muss den verdammten Rauchmelder flächenbündig in die Decke einbauen. Das ist - weniger ist mehr, wobei das Wenige viel kostet - sehr teuer. Die Alternative: Motten, Seifen und andere Pickel, die mit dem Brandschutz und leider auch mit uns fortan unter einer Decke stecken.