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Modeschöpfer Slimane:"Super-Hedi" und die Magermodels

Yves Saint Laurent  Designer Hedi Slimane Portrait Session

Hedi Slimane: Kreativdirektor bei Saint Laurent mit Faible für die dürren Models.

(Foto: Getty Images)

Wenn Frankreich tatsächlich dürre Models per Gesetz verbietet, wird es ihn besonders treffen: "Size zero"-Erfinder Hedi Slimane. Der Kreativdirektor bei Saint Laurent machte schon Lagerfeld zum Hungerhaken.

Die meisten Designer müssen das aktuelle Modegeschehen öffentlich rauf und runter kommentieren, um im Gespräch zu bleiben. Nur wenige können es sich leisten, die Öffentlichkeit zu meiden: Das sind die, die für das aktuelle Modegeschehen verantwortlich sind. Hedi Slimane hat bislang selten offizielle Statements abgegeben. Schon gar nicht mehr, seit er vor drei Jahren Kreativdirektor bei Saint Laurent wurde.

Der 47-Jährige hat den Umsatz dieser Marke seitdem verdoppeln können. Er hat sie einer radikalen Verjüngungskur unterzogen, mit einem Frauen- und Männerbild auf dem Laufsteg und in Anzeigenkampagnen, das nirgendwo dürrer und abgerockter ist. So, wie er selbst.

Entsprechend häufig fällt sein Name in diesen Tagen, wenn es um das Bestreben der französischen Regierung geht, Magermodels von Laufstegen und Foto-Shootings zu verbannen. Vor allem seine Shows, so der Grundtenor vieler Befürworter dieses Gesetzesentwurfs, hätten schlimmsten Vorbildcharakter für junge Frauen.

Plötzlich wollten alle "size zero" sein

Vertreter der Modebranche haben sich dagegen noch nie an Slimanes Körperideal gestoßen. Streng genommen ist der Mann damit ja auch nur Wiederholungstäter. Bereits zu Beginn der Nullerjahre zeigte er mit seinem Assistenten Kris van Assche bei Dior Homme Models mit Konfektion 42 und 44, während die anderen Designer welche mit einer 50 über den Laufsteg schickten.

Danach wollten alle auf einmal "size zero" sein, also Größen tragen, die noch unter der kleinsten liegen und deshalb eigentlich nicht existieren. Karl Lagerfeld, der plötzlich knapp 40 Kilo leichter war, bekundete gleich mehrfach öffentlich, nur so viel abgenommen zu haben, weil er unbedingt in Diors neue Anzüge passen wollte.

Ob superdünn auch immer super erfolgreich sein muss, ist offiziell nicht geklärt. Slimane, der dafür bekannt ist, auf der Straße oder in Clubs Models zu casten, die von Natur aus dünn sind, darf bald vielleicht trotzdem keinen einzigen seiner bisherigen Kandidaten mehr beschäftigen. Andernfalls würden ihm eine Geldstrafe von 75 000 Euro und sechs Monate Gefängnis drohen.

"Super-Hedi" hüllt sich in Schweigen

Im Internet sind deshalb jetzt alle Mode-Blogger schon ganz wild darauf zu erfahren, wie ihr scheuer "Super-Hedi" reagieren wird, sollte das Gesetz wirklich verabschiedet werden. Möglichkeit 1: Er kündigt. Möglichkeit 2: Er geht freiwillig in den Knast. Möglichkeit 3: Der Gesetzentwurf wird in letzter Sekunde abgelehnt, weil die französische Regierung erkennt, dass man Hedi Slimanes Verdienste für die hiesige Wirtschaft (Saint Laurent und Dior sind nach Louis Vuitton und Chanel die erfolgreichsten Mode-Exporte des Landes) nicht auf diese Weise torpedieren sollte.

Slimane selbst hat sich noch nicht mit einem offiziellen Statement zu Wort gemeldet. Wird er wohl auch nicht mehr. Auf Anfrage, ob er nicht vielleicht doch etwas zum aktuellen Geschehen sagen möchte, ließ sein Presse-Agent nur verlauten: "Natürlich nicht."