Süddeutsche Zeitung

Pharrell Williams bei den Grammy Awards:Ein Mann, ein Hut

Da quetschen sich die Schönen Hollywoods in teure Kleider, tragen Ausschnitt bis zum Bauchnabel - und dann wird die ganze Aufmerksamkeit einem Mann mit Hut zuteil. Pharrell Williams' Kopfbedeckung war der Hingucker der Grammys. Warum sich die Damen dennoch nicht grämen sollten.

Wie viel Zeit hat Beyoncés persönlicher Assistent wohl damit zugebracht, ein passendes Kleid für die Sängerin auszusuchen? Wie lange wurde Madonna geschminkt, bis ihre Falten komplett von einer dicken Make-Up-Schicht bedeckt waren? Und mit welchen geheimen Mitteln arbeitet Taylor Swifts Friseur, um ihr Haar für den roten Teppich so engelhaft glänzen zu lassen?

Auch wenn sie gerne so tun, als seien sie als Star im Abendkleid geboren: Es ist anzunehmen, dass die Damen, bevor sie sich am Sonntagabend zur Grammyverleihung in Los Angeles versammelten, eine mehrstündige Styling-Prozedur durchleiden mussten. Da wurde gecremt, gespachtelt und gepudert, da wurde noch mal ein halber Tag gehungert, um in das enge Designerkleid zu passen. Da wurde Stoff mit Klebeband an der Brust fixiert, damit der Ausschnitt bis zum Bauchnabel viel, aber nicht zu viel zeigte. Beyoncé wacht morgens schließlich nicht als Beyoncé auf, sondern muss erst zu Beyoncé gemacht werden. Von Madonna ganz zu schweigen.

Bei Pharrell Williams ist das anders. Er wacht morgens als Pharrell Williams auf, wirft sich eine Trainingsjacke über, platziert einen matschfarbenen Hut auf dem genialen Musiker-Haupt, schaut abends bei den Grammys vorbei - und bekommt mehr Aufmerksamkeit als alle anderen zusammen. Nicht für seine Gesangseinlage, da ist die Welt schon lange Einzigartiges gewohnt. Nein, der Hut ist es, der von den Medien gefeiert wird - und der innerhalb kürzester Zeit mehrere Tausend Follower in einem eigenen Twitter-Profil versammelt hat. Die Kopfbedeckung und ihr Träger avancieren zu den Stars des Abends. So viel Aufmerksamkeit bekamen bislang nur Miley Cyrus im Nackt-Outfit und Lady Gaga im Fleischkleid.

Und dabei sind sich die Twitter-Nutzer nicht einmal sicher, an wen sich die Hut-Hommage richtet. An Smokey Bear, der in den USA vor Waldbränden warnt?

An den sprechenden Hut, der auf Hogwarts entscheidet, in welches der vier Häuser Harry Potter und seine zaubernden Mitschüler geschickt werden?

Oder an die beliebte Neunziger-Jahre-Serie, die in Deutschland unter dem Namen "Ein Mountie in Chicago" über die Fernsehbildschirme flimmerte?

Nichts von alledem. "Es handelt sich um einen Buffalo-Hut von Vivienne Westwood aus der Zeit, in der sie mit Malcolm McLaren zusammen war", erklärt Williams seine Kopfbedeckung dem Hollywood Reporter. "Er ist nicht vintage - ich wäre ja ziemlich stylisch, wenn ich einen aus den Achtzigern gehabt hätte", fügt er fast schon bedauernd hinzu.

Die Grammy-Damen dürften sich durch das Statement getröstet fühlen. Pharrell Williams hat sie nicht mit irgendeinem dahergelaufenen No-Name-Hut übertrumpft, sondern mit einem Designerteil, das ein paar Hundert Dollar kostet. Der Marktwert des Stücks dürfte nach Williams' Auftritt noch ein wenig steigen. Werbung in sozialen Netzwerken ist schließlich unbezahlbar:

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1872699
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/feko/bavo
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.