Ladies & Gentlemen:Zeigt her eure Füße!

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(Foto: Jun Sato/Wire Image, Victor Boyko/Getty/Gucci)

Zu welcher Generation man gehört, entscheiden neuerdings die Socken. Anders gesagt: Wer jetzt keine gut sichtbaren, weißen Strümpfe trägt, ist alt.

Von Friederike Zoe Grasshoff, Max Scharnigg

Für sie: Jetzt erst recht

Weiße Sneakers erlebten hierzulande ihren Peak, als auch Richard David Precht und halb-philosophische Politiker in ihnen herumliefen, also Menschen jenseits der 40, der 50, der 60, Boomer halt. In diesen Schuhen steckten dann auch verschämte Füßlinge oder schlimmer noch, transparente Söckchen. Der Gegentrend dazu ist die große, weiße, hochgezogene Sportsocke, wie etwa hier an den Füßen von Gen-Z-Göttin Billie Eilish, 22, gesichtet an einem Flughafen in Japan.

(Foto: Jun Sato/Wire Image)

Ob sie die schwarze Hülle um ihr linkes Handgelenk aus medizinischen oder ästhetischen Gründen trägt, ist unklar, doch sie harmoniert mit dem Sanitätshaus-Chic an ihren unteren Extremitäten: Seht her, meine weiß-schwarzen Füße! So unschön, dass es schon fast wieder schön ist. Und falls es doch nicht so gut aussieht wie angedacht, war es bestimmt ironisch gemeint. Die Obsession mit Generationenzuschreibungen nervt wie die Sneaker-Pest, das ist klar. Aber sie teilt die schwarz-weiß-pink karierte Welt in einigermaßen verständliche Regionen auf. Auf Tiktok ist das Generationengegeneinander jedenfalls ein tagesfüllender Sport: dort die ewig jammernden, avocadoessenden, perfektionistischen Harry-Potter-Millennials! Und hier, auf der anderen Seite, die diversitätsversessene, fotogene Gen-Z, die immerhin gute Gründe zum Jammern hat, weil sie Avocados nicht mehr mit gutem Gewissen essen kann. Und weil die Alten ständig mit ihrem Fachkräftemangel und den zwanghaft zur Schau gestellten Knöcheln, den winzigen Söckchen rumnerven und das Offensichtliche versuchen zu verstecken: Socken tragen ist ein Menschenrecht.

Für ihn: Mach’s wie Opa!

Dass die Generation Z heute nichts anderes gelten lassen möchte als den großen weißen Strumpf am Fuß, das hätte man in den Nullerjahren wohl genauso wenig prognostiziert wie den Aufstieg des Grafikkarten-Designers Nvidia zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Um die Sockenevolution am Männerfuß noch mal kurz zusammenzufassen: Den Gen-X-Herren (geboren 1966 bis 1980) wurde noch eingeredet, es ginge darum, möglichst stilvolle Strümpfe zu tragen – wadenbedeckend, dezent oder von der pseudo-britischen Marke Burlington. Die Millennials (1981–1996) schwächten dieses Verdikt dann ab, indem sie erst „lustige“ Strümpfe von Happy Socks zum Businesslook stylten und später mit sogenannten Sneakers-Socken und Füßlingen rumfummelten. Beides ist im Rückblick peinlich, beides ist immer noch im Straßenbild an mittelalten Männerfüßen sehr präsent. Dabei war es wirklich noch nie ein guter Anblick, wenn so ein Agentur-Stefan aus den Nikes schlüpfte, etwa um seine Tochter aufs Trampolin zu begleiten, und sich dann zwischen Zehen und Unterknöchelpartie so ein Baumwollfüßling aufspannte. Derlei mag einen gewissen Zweck erfüllen, ist aber so unmännlich wie die Einweg-Slips, die man bei der Massage hingelegt bekommt.

(Foto: Victor Boyko/Getty/Gucci)

Kein Wunder also, dass nun das Gegenteil Pflicht ist: Statt nahezu unsichtbarer Socken müssen es welche sein, die man schon von einem Kilometer Entfernung sieht, so wie es hier Schauspieler Paul Mescal (1996) als Gast bei der jüngsten Gucci-Show zeigt: ungeniertes und ungebräuntes, nackthaariges Herrenbein in weißem Schlabberstrumpf. Deutsche Rentner haben es schon immer gewusst.

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