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Patentstreit mit Starbucks:Hysterie um Hybridgebäck

Muffin trifft Donut - und jede Menge Butter. Duffins aus dem Café von Bea Vo.

(Foto: Bea's of Bloomsbury)

Nach dem Cronut kommt der Duffin: Die britische Kreuzung aus Donut und Muffin scheint so beliebt zu sein, dass Starbucks sich das Gebäck sogar patentieren lässt. Eine Cafébetreiberin protestiert - sie sei die wahre Erfinderin des Duffin.

Die Geschichte von Bea Vo hat alles, was zu einem klassischen Wirtschaftsthriller gehört. In den Hauptrollen: eine Unternehmerin, die ihre Kunden mit liebevoll produzierten Waren begeistert und diese in hübsch eingerichteten Läden verkauft. Ein weltweit agierender Konzern, der in einem ähnlichen Metier tätig ist. Und ein Patent, das der böse Konzern nun auf genau das Produkt angemeldet hat, das die Kleinunternehmerin seit Jahren verkauft.

Der Zankapfel, oder viel eher das Zankgebäck in dieser Geschichte ist der Duffin, eine Kreuzung aus Muffin und Donut. Die Hysterie um Kuchenhybride nach dem Cronut (einer Mischung aus Croissant und Donut) erreicht damit eine neue Stufe. Für einen echten Duffin wird ein Muffin mit Marmelade gefüllt, mit flüssiger Butter bestrichen und danach in Zucker gewälzt.

Plagiat unter Zuckerbäckern

Die britische Kochbuchautorin Nigella Lawson präsentierte ein solches Rezept bereits vor Jahren in einem ihrer Bücher. Bea Vo hat danach eine eigene Version mit Himbeermarmelade und Muskatnuss kreiert, die sie seit 2011 in ihren Londoner Cafés zum Frühstück serviert. Auch sie hat inzwischen ein eigenes Kochbuch geschrieben und darin ihr Rezept veröffentlicht. Vo zufolge haben die Kunden in ihrem Café in der Nähe von St. Pauls Cathedral dem süßen Teilchen den Namen "Duffin" gegeben, unter dem sie die extrabuttrigen Muffins fortan verkaufte.

Nun hat offenbar auch der amerikanische Kaffeekonzern Starbucks den Duffin für sich entdeckt und verkauft ihn in Großbritannien. Schlimmer noch: Der Starbucks-Zulieferer "Rich Products" hat sich den Namen sogar schützen lassen. In Bea Vos Cafés "Bea's of Bloomsbury" erwartet die duffinhungrigen Besucher deshalb folgendes Schild:

Sie bittet sie um Hilfe via Twitter - wer einen guten Markenanwalt kenne, solle sich per Hashtag bei ihr melden. Gleichzeitig taufte sie ihre Geschichte auf den griffigen Namen "Duffingate". In der Öffentlichkeit hat der Fall zwar noch nicht die Dimension der Watergate-Affäre angenommen, für Bea Vo handelt es sich jedoch um eine ernste Angelegenheit. Dem Guardian sagte sie, sie habe nun Angst, dass Starbucks sie daran hindern könnte, ihr Gebäck weiterhin als Duffin zu verkaufen. Starbucks habe ihr gesagt, dass man nach einer ausgiebigen Online- und Markenrecherche keinen Hinweis gefunden habe, dass jemand unter diesem Namen ein ähnliches Produkt verkaufe.

Kampf gegen den Kaffeeriesen

Es muss sich wohl um einen besonderen Zufall handeln, dass die Version von der Coffeeshop-Kette ausgerechnet auch mit Himbeermarmelade gefüllt und mit Muskatnuss verfeinert wurde. Heute veröffentlichte Vo auf ihrer Facebook-Seite deshalb ein ausführliches Statement. Sie selbst gibt darin zu, den Duffin nicht erfunden zu haben. Allerdings habe sie ihn in dieser Version beim Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten entwickelt. "Ich wollte ein wenig Muskatnuss darin, weil Muskatnuss mein Lieblingsgewürz ist", beschreibt sie den Prozess, "Es handelt sich um ein Produkt, das aus einer Zusammenarbeit und einer Geschichte heraus entstanden ist. Ich habe das Rezept in meinem Kochbuch veröffentlicht, weil ich an den Geist der Innovation glaube", schreibt die Zuckerbäckerin.

Dass Starbucks nun ein Produkt auf den Markt bringe, dass ebenfalls Buttermilch, Muskatnuss und Himbeermarmelade beinhalte, dieses Duffin, und nicht etwa Donut-Muffin, nenne und auch noch den Anspruch erhebe, dass das konzerneigene Team von selbst auf die Idee gekommen sei, mute seltsam an.

Über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram versucht Bea Vo deshalb seit mehreren Tagen, Unterstützung im Duffingate zu gewinnen. Und Besucher ihres Cafés bekamen den täglichen Duffin heute Mittag schon mit einer besonderen Notiz serviert:

Der Kampf ums süße Gebäck hat also gerade erst begonnen. Fortsetzung? Folgt mit Sicherheit. Starbucks hat zwar im Guardian bereits angekündigt, Bea Vo nicht am Verkauf ihrer Duffins zu hindern. Doch der süße Muffinableger ist nicht die einzige Gebäckkreuzung, die Bea Vo verkauft. Ein echter Renner ist in ihren Cafés auch der "Townie" - ein mit Brownieteig gefüllter Tarteletteboden.