Öko-Ratgeber Wann ist es Zeit für einen neuen Kühlschrank?

Was tun, wenn der Kühlschrank schwächelt?

(Foto: Getty Images; Illustration Jessy Asmus)

Was ist ökologisch sinnvoller: Den alten klapprigen behalten, bis er den Geist aufgibt oder ein stromsparendes Modell kaufen? Und was gilt für Waschmaschinen und Laptops? Erste Folge der neuen Öko-Serie.

Von Esther Widmann

Der Kühlschrank wirkt zunehmend unfit, im Supermarkt gibt es zwar Biotomaten, aber keine regionalen, und die Entscheidung zwischen Plastik- und Glasverpackung fällt schwer: Wer nach der umweltfreundlichsten Lösung für ein Alltagsproblem sucht, steht schnell vor einem Berg teils widersprüchlicher Informationen. Die gute Nachricht: Unsere Autorin Esther Widmann übernimmt jetzt die Recherche für Sie. In der ersten Folge geht es um alte Elektrogeräte.

Was soll ich tun mit meinem uralten Kühlschrank, der seltsame Geräusche macht, gelegentlich Wasser verliert und Unmengen Strom verbraucht? Ist es umweltfreundlicher, ihn zu nutzen, bis er endgültig kaputt geht - oder soll ich einen neuen anzuschaffen?

Die Antwort, die uns das Öko-Institut in Freiburg gibt, ist eindeutig: Der Austausch eines 10 bis 15 Jahre alten Kühlschranks lohne sich unter Umweltgesichtspunkten auf jeden Fall. Die Energie, die die Herstellung eines neuen Kühl- oder Gefriergerätes verbrauche, sei nach ein bis zwei Jahren durch die Energieeinsparung während der Nutzung wieder reingeholt. Die Experten rechnen so: Ein etwa zwölf Jahre altes Kühl-Gefrier-Kombi-Gerät verbraucht knapp 400 Kilowattstunden im Jahr, ein neues der Klasse A+++ nur 156 kWh. Und die niedrigeren Stromkosten kompensieren auch noch die Anschaffungskosten.

Nicht verwirren lassen: Gerade hat die EU beschlossen, Zwischenstufen wie A+++ und A++ wieder abzuschaffen, die es bei Kühlschränken seit 2004 gab. Frühestens von 2019 an steht bei der Kennzeichnung von Energieeffizienz wieder "A" für die sparsamsten und "G" für die schlechtesten Geräte.

Na dann: Raus mit dem Ding!

Alle 10 Jahre einen neuen Kühlschrank anschaffen - alles klar, oder? Einen Moment, es geht noch weiter: Zur Sicherheit haben wir mehrere Fachleute gefragt, und die geben eine weniger eindeutige Antwort: Tatsächlich sind sich alle einigermaßen einig, dass etwa 75 Prozent der Energie und anderer Ressourcen während der Nutzung verbraucht werden und nicht während der Herstellung.

Doch sowohl beim Umweltbundesamt als auch der Verbraucherzentrale und dem Hersteller BSH Hausgeräte (zu dem zum Beispiel Bosch und Siemens gehören), heißt es: Darüber hinaus sind pauschale Aussagen nicht möglich. Man muss leider jeden Kühlschrank einzeln betrachten und dann ausrechnen, ob sich ein neuer lohnt.

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Wie geht das?

Wie viele Kilowattstunden ein Kühlschrank verbraucht, steht auf dem Datenblatt, das mit ihm geliefert wird. Zwar kritisieren Umweltorganisationen, dass diese Angaben keiner normalen Nutzung entsprechen. Aber so lassen sich die Geräte immerhin untereinander vergleichen - geht man davon aus, dass alle Hersteller unter ähnlichen Laborbedingungen testen. Wer das Datenblatt nicht mehr hat oder die Herstellerangaben überprüfen will, kann auch ein Verbrauchsmessgerät anschließen. Viele Verbraucherzentralen verleihen solche Geräte.

Sollte ich dann vielleicht auch die Waschmaschine austauschen? Die hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel.

Waschmaschinen lassen sich nicht mit Kühlschränken vergleichen - denn anders als ein Kühlschrank läuft eine Waschmaschine nicht 24 Stunden am Tag. Es kommt deshalb stärker auf das individuelle Waschverhalten an. Grundsätzlich gilt: Auch bei Waschmaschinen entfallen nur etwa 20 Prozent der gesamten Umweltbelastung auf die Herstellung. Die gute Nachricht ist, dass jeder selbst dazu beitragen kann, die Belastung während der Nutzung möglichst gering zu halten. Energie sparen können Sie vor allem, indem Sie die Maschine immer voll packen und bei niedrigen Temperaturen waschen. Mehr als 30 oder 40 Grad sind für normale Wäsche nicht nötig. Nur bei ansteckenden Erkrankungen sollte man bei höheren Temperaturen waschen, um die Keime abzutöten. Das ist ab und an auch für die Waschmaschine gut, in der sich sonst ebenfalls Keime ansammeln können.

Die Waschmaschine verbraucht natürlich nicht nur Strom, sondern auch Wasser - etwa 45 Liter pro Waschgang. Ältere Modelle brauchen viel mehr, bis zu 60 Liter. Das dürfte für viele nicht nur eine Umwelt- sondern auch eine Geldfrage sein. Es gibt Webseiten, auf denen sich die Verbrauchsdaten der eigenen Waschmaschine und die Nutzungshäufigkeit eingeben lassen. Sie rechnen aus, ob sich mit einem neuen Gerät so viel Strom sparen lässt, dass sich die Investition in ein neues Gerät lohnt.