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Nutella-Bar in New York:Fettes Brot

Gelöffelt und gestrichen: Schokolade macht glücklich. Kein Wunder, dass bei der Eröffnung einer Nutella-Bar in New York die Menschen Schlange stehen. Ein Trend, der sich über die Welt verbreiten wird?

Von Kathrin Werner, New York

Hier muss es etwas gratis geben. Die Schlange vor der Nutella-Bar ist 30 Meter lang. Sie beginnt bei dem Türsteher in dem schwarzen Anzug, geht einmal an dem Schaufenster entlang, dann am nächsten Gebäude vorbei und am übernächsten. Wartende tippen auf ihren Handys herum, treten von einem Fuß auf den anderen, stützen sich gegenseitig ab. Wer es hinein schafft, hat mindestens eine Stunde gewartet. "Bei uns waren es fast zwei", sagt Joshua Hernandez. "Aber es hat sich gelohnt." Er ist mit seinem Neffen gekommen, der Sechsjährige kaut und grinst breit, Schokolade klebt von einem Ohr bis zum anderen, genauer gesagt Nuss-Nugat-Creme. Ja, hier gibt es etwas umsonst: dick bestrichene Nutella-Brote.

Am Fuß des Flatiron Buildings hat New Yorks erste Nutella-Bar eröffnet. Der italienische Lebensmittelladen Eataly hat einen Raum für den süßen Brotaufstrich frei geräumt. Früher war hier eine Weinbar, aber Eataly hat wegen Streitereien mit den Behörden die Alkohollizenz verloren. Darum also Nutella. An den Wänden stapeln sich Hunderte Gläser der Kult-Creme.

"Jetzt ist New York wirklich komplett", sagt Eataly-Miteigner Joe Bastianich und listet die aus seiner Sicht entscheidenden Institutionen auf: "Die Stadt hat alles: Kultur, Oper, Musik, Kunst. Und jetzt eine Nutella-Bar." Neben den üblichen Nutella-Gläsern zum Mitnehmen gibt es in der Bar auch allerlei Backwaren von Crêpes, Muffins und Keksen bis zu Brioche mit der Creme. Die Brotscheiben, die es am Eröffnungstag noch gratis gibt, kosten bald 2,80 Dollar.

Nutella als italienische Spezialität

Hernandez hat schon fünf Gratis-Stullen verdrückt, Neffe Norvin kommt auf vier. Sonst darf der Sechsjährige nur ausnahmsweise Nutella essen - zu ungesund. "Er liebt es, und ich bin fast ein bisschen süchtig danach", sagt sein Onkel. "Das hat schon angefangen, als ich so alt war wie er." Der 26-Jährige löffelt es am liebsten direkt aus dem Glas, es ist für ihn eher Süßigkeit als Brotaufstrich, sagt er. Amerikanische Kinder frühstücken traditionell Cornflakes. Die meisten Amerikaner kennen Nutella zwar, für rund 3,79 Dollar pro Glas bekommt man es in fast jedem Supermarkt. Doch es ist längst nicht so verbreitet wie in Europa - Eataly kann es als italienische Spezialität vermarkten.

New Yorker und New-York-Touristen kennen das schon mit dem Schlangestehen, schließlich muss man immer noch lange warten für einen Cronut, die verrückt fettige Mischung aus Croissant und Donut, die vor einem Jahr auf den Markt kam und die Menschen begeistert. New York hat in den vergangenen Jahren etliche Lebensmitteltrends hervorgebracht - jetzt profitiert davon eben der gute alte Brotaufstrich aus dem Hause des italienischen Familienunternehmens Ferrero. Das wurde aber auch Zeit, sagt Eataly-Miteigner Bastianich, schließlich gibt es in seiner zweiten Niederlassung in Chicago schon seit einigen Monaten eine Nutella-Bar, am Wochenende stehen die Menschen dort regelmäßig eine Dreiviertelstunde Schlange.

Dessert zum Frühstück

"Allzu oft kann ich mir Nutella nicht erlauben", sagt Marianna Breland, die mit einer Freundin zum Nutella-Schlangestehen gekommen ist. "Aber ich gönne es mir manchmal und lasse dann Pasta weg." Die 24-Jährige ist angehende Schauspielerin und kommt gerade vom Sport, sie trägt noch Leggings und Turnschuhe. Sie hat mal ein Jahr in Osnabrück studiert und dort Nutella lieben gelernt. "Ich fand das unglaublich: Man kann Dessert zum Frühstück essen!" Ab und zu will sie künftig bei Eataly vorbeischauen. "Als Kind bei mir in Mississippi gab es so etwas nicht, im Süden sind wir eher traditionell. Jetzt liebe ich es."

© SZ vom 14.05.2014
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