Kolumne: Ladies & Gentlemen:Auf Krisenmission

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(Foto: Handout)

Was trägt man bei schwierigen politischen Reisen? Nancy Pelosi bleibt erst mal bei ihrer pinken Diplomatenrüstung, Hubertus Heil setzt auf hemdsärmliges Macher-Outfit.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Unklare Botschafterin: Nancy Pelosi

Der Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Politikerinnen, so dachte man bis jetzt, ist dieser: Sie wissen ganz genau, was sie tun. Schließlich lässt sich niemand aus der US-Regierung mit Sektglas in Kiew erwischen. Stattdessen werden weiße Hosenanzüge (Kamala Harris) oder durchtrainierte Oberarme in Alaïa-Kleidern (Michelle Obama) präsentiert, um feministische oder sonstige Standpunkte klarzumachen. Aber jetzt ist alles anders, denn Nancy Pelosi landete ohne Not in Taiwan. Bei ihrer Ankunft lief das noch einigermaßen glatt: Sie trug einen tadellosen Hosenanzug, kombiniert mit weißen Pumps und einer wegen ihrer Größe recht unkonservativen Perlenkette. Und auch die Farbbotschaft für die Taiwaner ging in Ordnung, dort wird Pink, wie in China, ja als nichts anderes als eine Spielart von Rot, der Glücksfarbe, gesehen, die einem den Teufel vom Leib hält. Im Westen assoziieren wir Pink hingegen eher mit Barbie-Weiblichkeit, eine schöne Doppelbödigkeit! Kurz dachte man als politisch naive Frau also: der Taiwan-Besuch, vielleicht doch gar keine so blöde Idee? Beim Treffen mit der taiwanischen Präsidentin aber trug Nancy Pelosi plötzlich Weiß, und bevor man sich über die scheußliche Kombination mit Türkis aufregen konnte, kam die Sorge: Weiß - ist das nicht die Farbe, die in China für den Tod steht? Hatte die Frau vielleicht gar nicht so viel nachgedacht? Wir halten fest: Jetzt kreist die chinesische Armee um Taiwan, und man sollte an gar nichts mehr glauben, vor allem nicht an modische Botschaften.

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(Foto: Christophe Gateau)

Volksvertreter: Hubertus Heil

Hubertus Heil hat im Kabinett einen Diesellok-Status: war schon immer da, räumt relativ viel aus dem Weg und ist optisch eher unauffällig. Mit seiner Amtskollegin Nancy Faeser begab er sich aber unlängst auf Krisenexkursion nach Kiew. Ein Ergebnis dieser Reise waren Bilder, bei denen Heil auf einem Balkon steht und heiter (Krim-?)-Sekt verkostet, aber das soll uns nicht ablenken. Seit Kiew fest auf dem Programm westlicher Politiker steht, herrscht ja eine gewisse Ratlosigkeit, was dort zu tragen ist. Manche kommen im Anzug, andere nähern sich dem Field-Look von Herrn Selenskij an oder steigen in Schutzweste aus dem Zug. Die meisten machen es wie Heil und wählen ein ziviles Anpacker-Outfit, mit dem man zur Not Sandsäcke füllen oder nach Hause trampen könnte. Allerdings kam er nicht mit dem Zug, sondern im Regierungsflieger, was für einen etwas repräsentativeren Aufzug gesprochen hätte. Stattdessen: schönster Normcore. Exakt so sind 80 Prozent der Ü45-Männer in Deutschland angezogen, wenn es im Sommer was zu erledigen gibt: Zelt aufstellen fürs Schützenfest, Familie auf die nächste Fähre fahren, sonntags die Innenstadt von Krefeld erkunden - das ist der Look dazu, und wir können nur froh sein, dass es nicht eine kurze Cargo-Pant geworden ist. Eine nichtssagende dunkelblaue Jeans, den Gürtel vergessen, das gut eingetragene Polohemd rollt seinen Kragen auf, weil es keiner bügelt, dazu praktische Schuhe und schon morgens Appetit auf Mettbrötchen (nicht im Bild). Authentisches Mannsein, wie man es bei Tom Ford und Co. leider nie zu sehen bekommt. Weltgeschichte wird darin allerdings auch selten geschrieben.

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