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Ladies & Gentlemen:Gut genagelt

(Foto: Nimble, Crete)

Dass Männer sich neuerdings die Nägel lackieren? Bedeutet, dass sie jetzt auch ein Problem haben. Frauen hingegen pinseln nicht mehr, sie lassen pinseln! Leider auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Von Julia Werner und Jan Kedves

Für sie: Beauty-Robotisierung

Jede Frau weiß: Nagellack macht nur Probleme. Unmöglich, ihn akkurat aufzutragen, weil man die Schreibhand nicht mit der Schreibhand lackieren kann. Er läuft gerne in die Nagelhaut. Das Ausbessern von Fehlern macht alles schlimmer. Und er trocknet anarchistisch, weswegen man nie weiß, wann die Hände wieder einsetzbar sind. Nägel lackieren, das ist eine Kunst, weswegen sich in ländlichen Gegenden für die Maniküre der Begriff Nail Art durchgesetzt hat. Weil das also keine realistische DIY-Disziplin ist, gibt es jetzt diesen Nagellackierroboter. Das Kickstarter-Produkt Nimble scannt die Nagelform und lackiert fehlerfrei. Die ganze Prozedur dauert bis zur vollständigen Trocknung zehn Minuten. Die Legende besagt, dass der Erfinder beim Date mit einer Frau von einem ihrer Lackdesaster erfuhr und sie heiratete. Das hört sich romantisch an. Sieht aber nicht romantisch aus, sondern wie ein eiskalter Drucker. Müssen jetzt wirklich selbst bunte Nägel, die ja komplett sinnlos und wundervoll zugleich sind, dem Effizienzwahn unterworfen werden? Wie gesagt, Nägel sind eine Kunst - die man am besten den Profis in Nagelstudios überlassen sollte. In diesem stundenlangen Weichmachen und Wegklipsen von Nagelhaut, in der akkuraten Formgebung des Nagels mit der Feile, im routinierten Aufbringen von Unter-, Farb- und Überlack, in dieser zwischenmenschlichen Verschwendung von Zeit steckt die letzte Gelegenheit der modernen Frau, eine totale Tussi zu sein. Die Beauty-Robotisierung muss an dieser Stelle deshalb unbedingt aufhören.

Für ihn: Volles Rohr!

Nagellack für Männer, nun gut, das ist schon ein spezielleres Thema. Wobei viele Rap-Stars, besonders jene aus der derzeit dominanten Trap-Sparte, hier keinerlei Berührungsängste haben. Sie lassen sich ihre Keratinplatten aufpimpen, bis der Regenbogen streikt, und was soll man sagen: Es sieht oft gut aus. So kommt es wohl, dass der 23-jährige Miles Parks McColumn aus Georgia - als Rapper heißt er Lil Yachty und ist wahnsinnig erfolgreich - sich dachte: Ich will eine eigene Nagellack-Linie lancieren. Sie heißt Crete, kommt in diesen Tagen auf den Markt und bietet zur Einführung drei dezente Nicht-Farben an: Mattweiß, Matt-Betongrau und Mattschwarz. Man soll die Kundschaft ja doch immer ein bisschen konservativer einschätzen, als man es selber ist. Während die Herren-Nagellacke, die Chanel seit einer Weile in der "Boy de Chanel"-Serie verkauft, in normale Glasfläschchen abgefüllt sind (was dem einen oder anderen noch zu feminin erscheinen könnte), ist Lil Yachty schlauer: Er verkauft seine Männerlacke in schwarzen Rohren, die wahlweise an einen dicken Edding-Stift, an eine Spritze oder eine E-Zigarette erinnern. Sich vollgedampft die Nägel zu taggen wie ein Graffiti-Künstler, oder Farbe auf sie drauf zu spritzen, das sind doch gleich viel aggressivere Tätigkeiten, als sich die Nägel mit zitternden Fingern zu bepinseln. Wenn's fertig ist, sieht die Option Schwarz aus wie die Karosse, wenn er in der Garage mal wieder seinen mattschwarz folierten Mercedes-AMG G 63 SUV streichelt. Gibt es etwas Männlicheres?

© SZ
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