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Gesichtsmasken:Spanner, Stopfer, Träger

Coronavirus Masken

Nicht einfach, das Leben mit der Maske!

(Foto: SZ-Collage / Mauritius, dpa, Imago)

Unters Kinn gespannt, am Ohr baumelnd, auf den Oberarm gestreift: Niemand weiß, wohin mit der Maske, wenn sie gerade nicht das Gesicht schützen muss.

Von Moritz Geier

Ja gut, bedrucktes Mesh hat der Modesommer 2020 zu bieten, immerhin, der Trend aus den 90er-Jahren sei zurück, schreibt die Vogue und beweist es mit Instagram-Fotos von Bella Hadid und Kim Kardashian. Männer dagegen tragen Muskelberge, wie Bayern-Hulk Leon Goretzka, der seinen in der Corona-Pause hochgezüchteten Bizeps, auch das beweisen Fotos, wie einen Tischtennisball ausploppen kann.

Aber sonst? Ästhetisch gesehen, ist der Sommer 2020 wirklich für die Katz, und das liegt natürlich auch am Mund- und Nasenschutz, dem notwendigsten aller 2020-Trends. Wenn etwas nützlich ist, hat der französische Schriftsteller Théophile Gautier schon vor 150 Jahren gefolgert, dann hört es auf, schön zu sein. Wie recht er hatte!

Wenigstens haben mittlerweile doch die meisten Mund- und Nasenschutzträger verstanden, dass der Mund- und Nasenschutz Mund und Nase bedecken sollte. Weniger klar ist die Sache allerdings bei der Frage, wo der Mund- und Nasenschutz eigentlich hingehört, wenn er gerade nicht Mund und Nase bedecken soll, also zum Beispiel auf dem Weg von Kaufhaus A zu Kaufhaus B an der frischen Luft, wo naturgemäß auch der vorbildlichste Mund- und Nasenschutzträger schutzfrei durch Mund und Nase atmen darf.

Auf keinen Fall in die Hosentasche, Leute!

Man kann da ja derzeit die wildesten Einfälle beobachten. Dem einen baumelt die Maske am Ohr (hält nicht gut!), der anderen am Handgelenk, einer klemmt sie sich umständlich um den Hemdkragen, die andere wurschtelt sie in den Ausschnitt. Wie ein Handtäschchen wird sie vorsichtig von Unentschlossenen getragen, Resolute dagegen packen sie bedenkenlos in Hand- und Hosentasche. Mancher schiebt den Mundschutz an den Schlaufen sogar rauf bis auf den Oberarm, da sitzt er besser. Eine Art Mundschutzhaltehaken bräuchte man am Körper! Oder so was wie Leon Goretzka. Besonders beliebt auch die Spanner-Variante: Maske einfach unters Kinn ziehen. Hach, Fashion 2020.

Zu allen Varianten lässt sich zweierlei sagen, das Erste betrifft die Nützlichkeit, das Zweite die Schönheit.

Die Nützlichkeit bemisst sich am Keimschutz, den kann man beim BfArM erfragen, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz zusammengefasst: Alle oben genannten Trage- und Aufbewahrungsmethoden sind vollkommen falsch, Leute!

"Die Maske sollte", verschreibt das BfArM, "nach dem Abnehmen in einem Beutel o.ä. luftdicht verschlossen aufbewahrt oder sofort gewaschen werden. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, um vor allem Schimmelbildung zu vermeiden." Blöd, dass nicht alles, was nicht nützlich ist, um bei Gautier zu bleiben, automatisch schön ist.

Zur Schönheit lässt sich letztlich nur sagen, was auch für den Modesommer 2020 ganz allgemein gilt. Der Dramatiker Friedrich Dürrenmatt hat das mal so formuliert: "Wir müssen den Mut haben, zu unserer Zeit zu stehen."

© SZ/zip

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