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Modezirkus zu Wintermode:Stilbruch mit Rentier

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Der Rentierpulli hat endlich das Zeug zum Happy End. (Pullover: Gant; Weste: Bogner Fire and Ice)

(Foto: Daniel Hofer)

Kann ich das tragen? Wie kombiniert man Animal Print? Und was bedeutet Ethno-Look? Im Modezirkus, der Stil-Kolumne auf SZ.de, greifen wir Trends und Fragen zur richtigen Kleiderwahl auf und erklären, worauf zu achten und was zu vermeiden ist.

Von Anna Fischhaber

Eigentlich gibt es keinen Grund für ein Wiedersehen. Schließlich trägt Marc Darcy beim ersten Treffen diesen absurd peinlichen Weihnachtspullover. Von seiner Brust lächelt Bridget Jones im gleichnamigen Film ein Rentier mit roter Nase entgegen. Am Ende bekommt der steife Anwalt die Frau doch noch. Denn in Wahrheit ist er natürlich der Traumprinz. Trotz Rentierpulli.

Hollywood eben. Im echten Leben dagegen galt bislang die Regel: Der Mann mit dem Rentierpulli hat keine Chance auf ein Happy End. Bislang. Denn längst präsentieren mutige Modebewusste ihren selbstgestrickten Weihnachtspullover mit Stolz.

Tierisch auffallen

Wer sich Lächerlichkeit fürchtet, dem sei gesagt: Sogar Mafiosi tragen inzwischen Rentierpulli. Zumindest im Fernsehen. In der TV-Serie "Lilyhammer" schickt das FBI einen New Yorker Killer in das norwegische Städtchen Lillehammer - Zeugenschutzprogramm in der Schneekugelwelt. Um sich anzupassen, trägt Großstadt-Mafioso Frank dort zu seinen New Yorker Maßanzügen norwegischen Rentierpulli - und fällt natürlich tierisch auf.

Wer nicht ganz so mutig ist, kann es im Winterurlaub auch erst einmal mit einem klassischen Norwegerpulli oder einem kuscheligen Cardigan probieren. Denn in einem sind sich die Modeexperten diesmal einig: Strick stiehlt allem die Schau, Rentier hin oder her. Auch bei der Schneeballschlacht oder auf dem Weihnachtsmarkt darf man auffallen: Mützen gibt es jetzt vermehrt im Leo-Print oder mit Bommel, lange Handschuhe aus Leder sind das Accessoire des Winters. Auch in Sachen Schals sollte man den Stilbruch wagen. Zum Beispiel mit einem Mix aus Grobstrick und Seide.

Stilbruch und Materialmix

Wolle zu Seide, Sneakers zum Rock oder eben Funktionsklamotten im Lederlook: Der Stilbruch macht in dieser Saison vor der Winterjacke nicht Halt. Die Zeit der unförmigen Daunenmäntel und langweiligen Funktionsjacken ist endlich vorbei. Im Zuge des Sportswear-Trends haben Designer die Outdoor-Mode für sich entdeckt. Ergebnis: Der Stepp in dieser Saison ist kleiner und feiner geworden. Winterjacken gibt es jetzt auch im Biker-Design und im College-Look, Funktionsstoffe in Cord- und Jeansoptik.

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Warum nicht mal im Bikerlook in den Schnee? (Jacke: The Kooples; Schal und Handschuhe: Topshop; Hose: Tiger of Sweden; Top: Maje)

(Foto: Daniel Hofer)

Besonders elegant befördert einen das Luxuslabel Hermès die Piste hinunter: Funktionsstoffe werden hier mit Kalbsleder gemixt, das wind- und wasserresistent geworden ist. Eine geradezu revolutionäre Idee hatte die Firma Teiimo: Sie hat die beheizbare Lederjacke erfunden. Allerdings soll es davon erst einmal nur 100 Stück geben. Ganz billig ist die Lederjacke für mehr als 2000 Dollar auch nicht. Dafür hat sie allerlei verrückte Funktionen - sogar sein Handy kann man damit aufladen. Na ja, vielleicht tut es auch die Funktionsjacke im Bikerlook. Am besten in dunklen Farben.

Neon - aber nur ein bisschen

Seit Jahren leuchten Snowboard- und Skijacken in Neongelb, Giftgrün und Pink. Das hat den Vorteil, dass man die anderen Fahrer auf der Piste nur schwer übersehen kann. Aber mal ehrlich: Schön ist etwas anderes.

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Akzente in Neonfarben sind weiterhin hip - zum Beispiel im Innenfutter. (Jacke: Napapijri)

(Foto: Daniel Hofer)

Die gute Nachricht: Die Skimode wird endlich wieder dezenter und geradezu düster. In den Sportabteilungen sieht man viel Schwarz, Erdtöne und Rot. Manches Camouflagemodell könnte man im Wald glatt übersehen. Die neue Eintönigkeit hat aber auch Vorteile: Die Skijacke kann man jetzt auch beim Bummel durch Kitzbühel oder sogar im Büro tragen.

Wem das zu langweilig ist: Farbtupfer in Neonfarben sind weiterhin erlaubt. Tupfer wohlgemerkt. Etwa in Reißverschlüssen. Oder als Innenfutter. Auf der Sportmesse Ispo hatten einige Hersteller ihre Outdoorjacken zudem mit Nieten und Pailletten aufgepeppt. Auf der Piste könnte das allerdings gefährlich werden - vor allem bei einem Zusammenstoß. Dann lieber erst in der Mittagspause auf der Hütte auffallen. Zum Beispiel mit einem lächelnden Rentier.

Produktionshilfe

Die Fotos in diesem Blog sind mit freundlicher Unterstützung und in den Räumlichkeiten von Oberpollinger München entstanden.

© SZ.de/vs/lala

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