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Modezirkus zu Bademode:Bye bye, Houdini!

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Bademode 2014: Ohne Träger, dafür mit blumig-leichtem Mäntelchen. (Bikini: Seafolly, Mantel: Topshop)

(Foto: Daniel Hofer)

Komplizierte Entfesselungsaufgaben sind passé - modebewusste Strandbesucherinnen setzen jetzt auf Bikinis ohne Träger. Wie kleiden Sie sich in dieser Badesaison am besten? Welcher Bikini passt zu welcher Figur? Und was ist eigentlich mit Badeanzügen? Eine Stilkolumne.

Kann ich das tragen? Wie kombiniert man Animal Print? Und was bedeutet eigentlich Ethno-Look? Im Modezirkus, dem Stilblog auf Süddeutsche.de, greifen wir aktuelle Trends und klassische Fragen zur richtigen Kleiderwahl auf und erklären gemeinsam mit unseren Stilexperten, worauf zu achten und was zu vermeiden ist.

Es gibt diesen Witz über einen Jungen, der mit seinem Fahrrad um den Block fährt. Bei jeder Runde schreit er seiner Mutter, die vermutlich auf der Terrasse sitzt und sich sonnt, den aktuellen Status seines Wagemuts zu. "Ohne Hände" brüllt er, und zeigt, wie gut er freihändig fahren kann. Es folgt "ohne Füße" und endet - Achtung, Pointe - "ohne Zähne".

Die Moral der Geschichte? Dinge, die Spaß machen, können bei zu viel Übermut gefährlich werden. Das gilt nicht nur fürs Fahrradfahren, sondern auch für die aktuelle Bademode. Deren Motto lautet: "Ohne Träger."

In den vergangenen Sommern beschäftigten sich Sonnenanbeterinnen hauptsächlich damit, die Bänder ihres Triangel-Bikinis nach Art des großen Houdini zu entknoten und an anderer Stelle neu zusammenzubinden, nur um bei der nächsten Drehung alles wieder neu zu ordnen. Der Wunsch, weiße Streifen auf dem Sommerteint zu vermeiden, machte den Strandbesuch zur komplizierten Entfesselungschoreografie - sofern das Oberteil nicht gleich weggelassen wurde, was, wenn man der französischen Elle glauben schenkt, immer seltener passiert.

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High-Waist-Bikinihosen schicken Grüße an den Bauchnabel. (Bikini: Topshop)

(Foto: Daniel Hofer)

Obenrum

Diesen Sommer sind die Schnüre passé: "Man trägt jetzt vor allem Bandeau-Oberteile", sagt Modebloggerin Jana Windoffer. Trend ist, was ohne Träger auskommt - und am besten in knalligen Farbtönen wie Pink, Koralle oder Neongelb gehalten ist. Auch Details wie Raffungen und Rüschen sind in dieser Badesaison gern gesehen.

Wobei von Baden eigentlich keine Rede sein kann. Bandeau-Bikinis eignen sich, das muss auch Windoffer zugeben, eher für Auftritte am Strand, am Beckenrand oder für vorsichtiges Brustschwimmen in stehenden Gewässern. Wer dagegen den Rettungsschwimmern von Malibu Beach nacheifern will, sollte zumindest darauf achten, dass das Bandeau-Teil über ein optionales Paar Träger und die entsprechenden Ösen verfügt. Sonst drohen nach übermütigen Aktionen zwar vielleicht keine ausgeschlagenen Zähne, die Aufmerksamkeit der gesamten ersten Liegestuhlreihe des Strandbades dürfte jedoch sicher sein.

Untenrum

Während sich beim Oberteil die Träger verabschieden, sagt der Hosenbund "hallo" zum Bauchnabel. Für letzteren kommt der Hosengruß nicht ganz unerwartet, schließlich sitzen auch Jeans und Hotpants in diesem Jahr so hoch wie lange nicht mehr. Positiver Nebeneffekt: High-Waist-Bikinihosen eignen sich ideal als Versteck für kleinere Speckröllchen. Was nicht mehr geht, sind Bikini-Hotpants. "Wer seine Hüften bedecken will, sollte eher zu einem Bikini-Röckchen greifen, das sieht man in diesem Jahr häufiger", sagt Windoffer.

Außenrum

Nicht jeder fühlt sich wohl bei der Vorstellung, im knappen Zweiteiler über den Strand zu hüpfen oder halbnackt in der Strandbar einen Drink zu schlürfen. Als zeitgemäße Alternative zu Strandkleid und Pareo (zum Rock oder Kleid geknotetes Tuch) nennt Modebloggerin Windoffer "Mäntelchen im Kimono-Stil" aus leichtem, transparentem Stoff mit Blumenprints und Ethnomuster.

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Aussparungen machen den Badeanzug zum Monokini. (Monokini: Seafolly)

(Foto: Daniel Hofer)

Und was ist mit Badeanzügen?

"Klassische Badeanzüge sind nicht besonders angesagt", sagt Windoffer, "was gut geht, sind Monokinis." Der Unterschied? Der neu interpretierte Monokini (früher bestand er nur aus einem Bikinihöschen mit breiten Trägern), ist ein Bikini, dessen zwei Teile mit einem Stück Stoff oder anderem Material verbunden sind. Alternativ versteht man darunter einen Badeanzug mit großen Ausschnitten an der Taille, je nach Sichtweise. Auf jeden Fall braucht er Aussparungen und spannendere Details als der klassische Omi-Badeanzug.

Zum Schluss ein paar Tipps die Figur betreffend:

  • Frauen mit kleineren Brüsten, die etwas Fülle hinzumogeln möchten, können zu Neckholder-, Triangel- oder Bandeau-Oberteilen greifen, die mit Pads gefüttert sind. Auch große Muster, Rüschen und Volants zaubern optisch etwas hinzu.
  • Für Frauen mit großen Brüsten ist vor allem wichtig, dass der Bikini Halt gibt - durch breite Träger, einen breiten Steg und stützende Einsätze. Triangel-Oberteile und Bandeaus ganz ohne Träger sind schwierig. Dezente Farben und kleinteilige Muster rücken die Oberweite ein wenig aus dem Fokus, wenn das gewünscht ist.
  • Auch von breiten Hüften lässt sich mit zurückhaltenden Farben ablenken - das Oberteil darf dafür umso knalliger ausfallen. Hotpants sind keine gute Idee, da sie eher auftragen. Stattdessen besser zu Slips mit etwa drei Zentimeter breitem Seitensteg greifen. Und dann los an den Strand!
Die Modebloggerin
Jana Windorfer Instagram

Jana Windoffer, 25, bloggt seit fünf Jahren auf bekleidet.net über Mode und andere Dinge, die das Leben verschönern.

Produktionshilfe

Die Fotos in diesem Blog sind mit freundlicher Unterstützung und in den Räumlichkeiten von Oberpollinger München entstanden.

Wissen auch Sie nicht recht, wie mit einem bestimmten Trend umzugehen ist oder haben eine konkrete Frage? Schreiben Sie uns an leben@sz.de - Betreff: Modezirkus.