Ladies & Gentlemen:Die neue Soft-Wear

Lesezeit: 2 min

Es wird eng in den Städten. Nicht wegen Zuzug, sondern wegen der dicken Teddy-Stoffe, die plötzlich alle tragen. Woher kommt der fluffige Trend? Und muss das wirklich sein?

Von Julia Werner und Max Scharnigg

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Für sie: Die Wischmopp-Hose

Wo man hinschaut, überall ist es superfluffig. Der sogenannte Teddy-Trend wird in diesem Winter ins Extrem getrieben. Nicht mehr nur Jacken und Mäntel werden aus dem langflorigen Material gemacht, sondern alles vom Schuh bis zum Pullover. Wie konnte es so weit kommen, dass jetzt nicht mehr nur die Sherpas im Base Camp des Mount Everest Pile, Fleece und sonstige wärmende Synthetikmaterialien tragen, sondern auch die ganz normale Münchnerin? Nun, seit ein paar Jahren ist Echtpelz nicht mehr gesellschaftsfähig. 2013 lancierte das italienische Modehaus Max Mara als Alternative seinen Teddy Coat, der bis heute wunderschön aussieht, was daran liegt, dass er nicht aus Plastikfasern, sondern aus Kamelhaar und Seide gefertigt wird. Seitdem sind fuzzy coats aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken, aber eben mehrheitlich in der Wischmopp-Variante. Ja, mit den meisten Teddy-Modellen könnte man ohne schlechtes Gewissen den Parkettboden wischen! Biologisch abbaubar sind diese Plüschtiermonster im Gegensatz zum Lammfell, an das sie erinnern sollen, nicht - aber der Drang, sich von seiner weichen Seite zu zeigen, scheint größer als die Plastikverachtung. Sogar die Ökoluxus-Ikone Stella McCartney hat eine Teddy-Jogginghose entworfen, in der man zu Hause wohl sehr schwitzt und draußen aussieht wie ein riesiges Kind auf dem Weg zum Spielplatz. Apropos Kinder, bei denen ist Teddy auch Trend, aber das geht in Ordnung, weil es ihre Niedlichkeit unterstreicht. Von erwachsenen Frauen kann man das nicht behaupten.

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Für ihn: Die Plüschfassade

Der große Flauschangriff ist in den Metropolen der Welt schon länger zu beobachten. Je dicker dabei die Teddystoffe auftragen, desto besser, zumindest scheint diese Regel in Hipsterkreisen zu gelten. Da diese Zielgruppe meistens sehr dünn bis versehentlich unterernährt ist, fällt das mit dem Auftragen nicht so auf. Leicht konvex geformte Menschen wirken in offensiven Flauschjacken wie diesem Modell von Arket aber schnell mal wie aus der Sesamstraße geflohen oder wie unvorteilhaft in Spätzle paniert. Vermutlich, weil er das Gegenteil von schnittig und cool ist, ist Teddy der Stoff der Stunde. Es ist ja eher ein textiler Nichtangriffspakt, ein modischer Dackelblick, der alles vereint, was man in dieser harten Zeit braucht: Kuschelgefühl, Kindheitserinnerung, Ego-Wellness. Es ist die Verlagerung des plüschigen "Stay at home"-Gefühls nach draußen, ein Weichmacher für die Welt. Allerdings auch ein bisschen albern, schließlich ist Teddy als Innenfutter sehr gemütlich, als Außenhülle aber einigermaßen nutzlos bis unpraktisch. Im dichten Gedränge in der U-Bahn hätten wenigstens die anderen etwas davon, aber genau das will man ja diesen Winter immer noch vermeiden. Aber wann haben solche praktischen Nachfragen die Mode überhaupt je interessiert? Halten wir also fest, dass die Plüschfassade immerhin ein Trend ist, für den der Träger keine allzu große Qualen auf sich nehmen muss, und auch das sonst beliebte fashion freezing scheint mit den dicklichen Stoffen diesen Winter vom Tisch zu sein.

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