Ladies & Gentlemen:Die Modesportart

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Viele Muskeln und filigrane High Fashion vertragen sich eigentlich nicht gut. Auf den Fashion Weeks zeigen Venus Williams und Russell Westbrook aber, wieso Athleten trotzdem immer häufiger in der ersten Reihe sitzen.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Für sie: Voller Körpereinsatz

Sportlerinnen, die ihr ganzes Leben mit Training verbringen, sind nicht berühmt für ihren Stil, man muss da nur an das deutsche Glamour-Event "Sportler des Jahres" denken. Das hat auch mit der finanziellen Lage vieler Athletinnen zu tun, die Disziplinen gewählt haben, die sie nicht reich machen. Im Profitennis ist das was anderes, bei den Preisgeldern kommt das Interesse an Mode von ganz allein. Womit wir bei Venus Williams wären, der amerikanischen Tennislegende. Sie war schon immer ein Fashion Girl, und jetzt, wo sich ihre Karriere dem Ende nähert, hat sie sogar Zeit, auf eine Modenschau in Paris zu gehen. Nach all der Plackerei will man ja auch mal was erleben! Sie gehört zu den wenigen Persönlichkeiten, die von Louis Vuitton eingeladen und ausgestattet werden, um vor dem Louvre schon mal die erste Show zu laufen. Die meisten dieser Vuitton-Girls sind nicht nur wunderschön, sondern auch rappeldürr, weil die futuristisch anmutenden Entwürfe des Designers Nicolas Ghesquière - kurze Röcke, skulpturale Jacken, lustiges Schuhwerk - an ihnen nun mal am besten hängen. Die Tennisspielerin ist glücklicherweise nicht rappeldürr, sondern durchtrainiert, weswegen sie die chapsartigen Stiefel und das Paillettenkleid ausfüllt. Aber nicht nur deswegen. Von außen betrachtet ist das ja ein total eigenartiger Look. Williams füllt ihn aus, gerade weil es nicht ihr Hauptberuf ist, so was zu tragen, im Gegensatz zu all den schauspielernden und influencenden Eitelkeitsprofis. Eine Sportkarriere zahlt sich eben auch ausstrahlungstechnisch aus.

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Für ihn: Freies Spielbein

Der Männerrock ist ähnlich wie die Herrenhandtasche ein Zombie der Mode, ein ewiger Wiedergänger, der trotz immer neuer Fürsprecher nie ganz ins wahre Leben findet, aber eben auch nicht totzukriegen ist. Bei der New York Fashion Week vor einigen Wochen schwang sich der Basketballstar Russell Westbrook zu einer erneuten Rock-Kampagne auf und wurde dafür prompt wieder so bestaunt und besprochen, als wäre es das erste Mal. Verständlich ist das natürlich schon, denn wenn ein Matador aus einer männerharten Sportart ins Kleid steigt, dann ist das doch noch mal was anderes, als wenn filigrane Fashionprofis wie Marc Jacobs oder Harry Styles es tun. Tatsächlich zeigte seine außerordentlich geschmeidige Kombi aus Rock und Cardigan von Herrenrock-Spezialist Thom Browne aber auch nur einmal mehr, dass es im Grunde überhaupt keine Einwände gegen das Kleidungsstück geben kann. Außer eben, dass es für das Auge noch eine Millisekunde lang ungewohnt ist. Die grundsätzliche Schwierigkeit, ein wirklich stimmiges Oberteil zu finden, ist wiederum ein Unisex-Problem bei Röcken. Aber gerade für muskulöses und extralanges Geläuf sind sie im Grunde die ideale, weil komfortabelste Verhüllung, die man sich vorstellen kann - und Westbrook ist damit ein sehr eindrucksvolles Testimonial. Und ob ein Athlet jetzt eine dieser ultraweit schwingenden Basketballshorts trägt oder eben die schön fließende einspurige Variante, kann dem Betrachter eigentlich wirklich egal sein. Der Unterschied liegt in der Rezeption: Shorts gehören aufs Spielfeld, der Rock befördert seinen Träger in die erste Reihe bei der Fashionshow. In diesem Sinne - let it flow!

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