Ladies & Gentlemen:New Model Army

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Zwei Bands machen derzeit auf dem Roten Teppich eine genauso gute Figur wie auf der Bühne. Höchste Zeit für eine Stilkritik

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Bandansage 1: BTS

Das Konzept von Boy Bands ist immer gleich: unterschiedliche Jungs werden zusammengecastet, damit für jeden was dabei ist, dann wird Pop gemacht, dessen Qualität alle über 20 nicht checken. So ist das auch bei BTS, dem südkoreanischen PR-Streich. Aber sehen die nicht alle gleich aus auf dem roten Teppich der American Music Awards, kurz bevor sie drei Preise abräumen? Werden alle über 20 sich jetzt fragen. Mitnichten, liebe Erwachsene! Hier steht jeder für einen Lifestyle: Jungkook liebt den genderneutralen Look, V mag Vintage, Jimin kleidet sich wie eine Influencerin, J-Hope wie ein Gangsta Rapper mit Rolex und superbegehrten Sneakers, Suga trägt immer eine Mandarine mit sich, RM ist der meditative Typ in Kimonojacken, und Jin der Anzugträger, es ist fast wie bei den Spice Girls. Das ist für Uneingeweihte hier nicht zu erkennen, was daran liegt, dass sich die Luxuslabels gerade um die Jungs reißen wie früher um Madonna. Dior hat ihnen jüngst die Tourgarderobe entworfen, und sie treten mal in Celine, mal in Saint Laurent, oder, wie hier, geschlossen in Louis Vuitton auf. Was sagt uns das? Erstens: Jacken mit Taillengürteln muss man alterstechnisch ausfüllen können, eine Pfeife als Accessoire kann dabei nicht schaden. Zweitens: BTS ist die allererste Boy Band mit Gratiszutritt zur versnobbten Modewelt, selbst Harry Styles musste sich ja grausamerweise erst von seiner Gruppe trennen. Das BTS-Geheimnis heißt: bartstoppelfreie Instagrammability. Tut uns leid für die Backstreet Boys. Mit Social Media hätten sie damals nicht so blöde ausgesehen.

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Bandansage 2: Måneskin

Der Gewinn des Eurovision Song Contest durch die Band Måneskin aus Rom war ein Lichtblick. Nicht nur für das gebeutelte Land Italien, sondern auch für den Wettbewerb, der in den letzten Jahren bei allem pflichtgemäßen Pomp inhaltlich ein bisschen austauschbar geworden war. Måneskin setzten wieder einen erfrischenden Akzent, denn sie haben einerseits eine einigermaßen glaubwürdige Rockband-Attitüde, andererseits aber trotzdem jene selbstbewusste Gender-Flamboyanz, die der Zeitgeist und die späten Millennials ja eben unbedingt einfordern. Die Band ist jung, heiß, wild und irgendwie queer, wie genau, ist aber egal, das muss man im Jahr 2021 ja zum Glück gar nicht mehr so genau klären. Ihr Style ist eine mindestens ebenso komplexe Mottenkiste: Mal stehen astreine Glamrock-Kostüme im Programm, mal sehen sie aus wie Kokain-Dealer bei "Miami Vice". Zu den American Music Awards wurde es nun eine Art Trans-Tuxedo, dessen strenge Form durch die lustigen Fliegen ein Stück weit absurdiert war. Ist ebenfalls nicht neu - auch Freddie Mercury oder David Bowie standen bisweilen so auf der Bühne. Hier ist der Gender-Effekt aber schon interessant - die einzige Frau der Gruppe zwängt sich in das vielleicht männlichste Kleidungsstück überhaupt und gliedert sich brav bei den Jungs ein. Das Ergebnis erreicht nicht ganz die Marlene-Dietrich-Klasse, sondern erinnert leider auch ein bisschen an Schultheater, bei dem 15-jährige Mädchen in den Anzügen ihres Vaters mit Zigarre und aufgemaltem Schnurrbart eine Herrenrolle spielen. Nächstes Mal als Revanche dafür dann alle im Abendkleid?

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