Mode:Start der Fashion Week Berlin: Das sind die wichtigsten Trends

Sieben Designer verraten, was man über ihre neuen Kollektionen wissen muss - und geben Last-Minute-Mode-Tipps für den Sommer.

Von Felicitas Kock, Berlin

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Fashion Week Berlin

Quelle: SZ.de

In Berlin beginnt die Fashion Week, und das Modevolk muss - wie schon im Sommer 2014 - der Fan-Meile auf der Straße des 17. Juni weichen. Also: nix Brandenburger Tor, nix Hauptstadtglamour. Es geht ins Eisstadion ein paar Kilometer weiter nordöstlich.

Für ausreichend Tratsch werden schon allein die langen Wege zwischen den einzelnen Bühnen sorgen, die ausgesprochen Stiletto-unfrendlich über die ganze Stadt verteilt sind. Erst auf den Runway ins Erika-Hess-Stadion, dann zur Stage im "me Collectors Room" in Mitte und dazwischen kurz ins Kronprinzenpalais? Viel Spaß beim großen Rennen!

Ebenfalls für Gerede sorgt die Rückkehr Michael Michalskys, der die Fashion Week am Freitagabend mit seiner Stylenite - und der Feier zum zehnjährigen Bestehen seines Labels - abschließen wird, nachdem er zuletzt auch durch seinen Jurorenjob bei Germanys Next Topmodel verhindert war.

Harald Glööckler hatte bereits am Montagabend seinen großen Auftritt. In den kommenden Tagen wird Riani Mütter und Töchter über den Laufsteg schicken, unter ihnen auch Ochsenknecht-Tochter Cheyenne Savannah. Und Marc Cain hat sich Mila Jovovich in die erste Reihe geladen.

Soviel zum Trashtalk. Denn was eigentlich zählt, ist - natürlich - die Mode. Auf den kommenden Seiten verraten uns sieben Teilnehmer der Fashion Week, welche Kollektionen sie zeigen werden. Und mit welchem Teil man auch in diesem Sommer noch kurzfristig alles richtig machen kann.

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Marina Hoermanseder: Voyage, Voyage

Marina Hoermanseder

Quelle: Christoph Schlossnikel; Cecilia Leitinger

Die Designerin

Von orthopädischen Korsetts des 18. Jahrhunderts inspirierte Korsagen und Lederschnallen sind Marina Hoermanseders Markenzeichen. 2014 zeigte die Österreicherin zum ersten Mal eine Kollektion auf der Berliner Fashion Week. Der neu gegründete Fashion Council Germany nahm sie als eine der ersten Jungdesignerinnen ins Mentoring-Programm auf. Auf dem Hoermanseder-Laufsteg geht es künstlerisch und skulptural zu, die Wienerin macht mittlerweile aber auch alltagstaugliche Blusen und Accessoires.

Die Kollektion

"Die Entwürfe werden die Zuschauer mitnehmen auf eine Reise an die französische Riviera. Schmetterlingsapplikationen, Blumen und maritime Streifen ziehen sich als sommerliche Symbole durch die gesamte Kollektion und finden sich auf Boyfriend-Blusen, Neoprenröcken und Hemdkleidchen wieder.

Was mich auch schon immer interessiert hat, ist die Fragilität des Menschen. So habe ich diesmal ein in Kooperation mit Swarovski entstandenes Kollektionsteil den sogenannten Schmetterlingskindern (englisch 'Chrystal Skin Children') gewidmet. Außerdem darf man sich von einer Kombination mit orthopädischen Elementen aus Haute Couture und Prêt-à-Porter überraschen lassen können."

Der Last-Minute-Tipp für diesen Sommer

"Das absolute Must-Have dieser Saison ist die Off-Shoulder Bluse - ein modisches Basic, mit dem man auf einfache Art hübsch gestylt aussieht."

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Marcel Ostertag: Couture und Preppy vereint

Marcel Ostertag

Quelle: GABO

Der Designer

Lange hatte Marcel Ostertag sein Atelier am Münchner Gärtnerplatz. Bei der vergangenen Fashion Week im Januar kündigte er dann an, der Landeshauptstadt den Rücken zu kehren, um in die richtige Hauptstadt zu ziehen. Der 1979 geborene Berchtesgadener steht für Siebzigerjahre-inspirierte Mode mit gewagten Kniffen wie etwa durchsichtige Regenmäntel oder Fransen-Einteiler. Seine Kollektionen lässt er in Deutschland produzieren. Wie schon im Januar zeigt er seine aktuellen Entwürfe dank eines Stipendiums wieder in New York.

Die Kollektion

"Air ist die Inspiration der Sommerkollektion und schließt den Zyklus ab. Die Kollektion ist eine Verbindung von Couture und Preppy Elementen und interpretiert das Poloshirt neu. Spitze trifft auf Sportswear-Materialien, schwerer Baumwoll-Strick auf transparente Seide und Cut Outs. Der kommende Sommer wird vor allem weiß, hellblau, pink und grün."

Der Last-Minute-Tipp für den Sommer

"Ob ausgehtauglich mit High Heels oder lässig mit Sneakern: Mein absoluter Allround-Favorit ist der Seiden-Kaftan."

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Augustin Téboul: After the Party is the After-Party

Augustin Téboul

Quelle: Stefan Milev

Die Designerinnen

Seit 2010 gibt es das Label der Deutschen Annelie Augustin und ihrer französischen Kollegin Odely Téboul. Vielfach ausgezeichnet, beehren die Designerinnen die Berliner Fashion Week bereits das sechste Jahr in Folge. Auf dem Laufsteg geht es in der Regel recht düster zu. Experimente mit Netz, Gehäkeltem, Leder, alles in Schwarz, machen den morbiden Charme des Labels aus. Bei der Fashion Week im Januar zeigten Augustin Téboul dann erstmals Farbtupfer - ein Schritt in eine neue Richtung, auf den nun der nächste folgen dürfte.

Die Kollektion

"Die Looks aus der Frühjahr-/Sommerkollektion 2017 sind lasziv, glimmernd, glamourös und sexy. Pop-Punk-Couture zwischen Party und After-Party. Die Kollektion zeigt einen zeitweise strukturierten, zeitweise psychedelischen Dialog zwischen Schwarz und Farbe - Schwere und Feinheit. Filigrane Texturen mit einem manchmal fast kitschigen Hauch von Farbe, Punk-Verzierungen und einer subtilen Sportswear-Anmutung prägen die Kollektion."

Der Last-Minute-Tipp für diesen Sommer

"Mit einem farbig gemusterten Bomberjacket liegt man in dieser Saison zu fast jedem Outfit richtig."

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Dawid Tomaszewski: Blondie im Kaftan

Dawid Tomaszewski

Quelle: Dawid Tomaszewski

Der Designer

2009 gründete der Absolvent des London College of Fashion sein eigenes Label in Berlin: Dawid Tomaszewski - der Name steht für puristische Entwürfe, luxuriöse Materialien und zeitlose Eleganz. Von vorübergehenden Trends hält er wenig. Das erklärte Ziel des 35-jährigen gebürtigen Danzigers: dass die Besitzerin ihr Tomaszewski-Kleid auch nach zehn Jahren noch mit Freude aus dem Schrank holt - und tatsächlich tragen kann, egal, was gerade Mode ist.

Die Kollektion

"Wir begeben uns auf eine Reise durch verschiedenste Epochen, Stilrichtungen und Referenzen. Als Inspiration dienten einerseits die Kunstserien von Wolfgang Tillmans, andererseits die Musik der New-Wave Band Blondie. Elemente aus dem Bauhaus gibt es in jeder meiner Kollektionen, das ist Teil der DNA. Ein weiteres Thema ist Marokko - die Landschaften und traditionellen Muster sind große Inspirationsquellen dieser Kollektion.

Diese vermeintlich seltsam anmutende Kombination transportiert einen Look, der voller Gegensätze und doch in sich harmonisch ist. Hippie und Glamour, Attitude und Architektur gehen bei mir Hand in Hand."

Der Last-Minute-Tipp für diesen Sommer

"Der Kaftan! Ein grandioses Kleidungsstück, das sowohl luftig als auch sehr feminin ist. Damit ist nahezu jede Frau gut angezogen. Mit dem passenden Print kann sie stets ein modisches Statement setzen."

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Malaika Raiss: Mustique, Aruba, St. Barts

Malaika Raiss

Quelle: Malaika Raiss

Die Designerin

Highend-Mode mit Wohlfühlfaktor - das ist die Überschrift, unter der Malaika Raiss ihre Entwürfe zusammenfasst. Auf dem Laufsteg zeigt sich das in cleanen Schnitten und fließenden Stoffen in Weiß-, Schwarz- und Grautönen. 2010 hat sie ihr Label gegründet, auf der Fashion Week ist sie seit Jahren präsent. Eher ungewöhnlich mag auf den ersten Blick ihr größter Erfolg der vergangenen Saison klingen: eine von Star Wars inspirierte Schmuck-Kollektion.

Die Kollektion

"Einsame karibische Strände, die luxuriösen Verstecke der Musik-Bohème auf Mustique, Aruba oder St. Barts sind meine Inspiration zu "Beaches". Rebellisch und filigran wie die Töchter des Rocksteady zeigt sich die neue Kollektion. Von der Natur angeregte und abstrahierte Muschel-Formen akzentuieren die sonst graphisch fließenden Silhouetten.

Poröse Texturen sowie verschwommene, transluzente Blüten vereinen sich mit Streifen- und Polka-Dot-Stickerei zu einem eklektischen Gesamtbild. Die Farbwelt der Kollektion bleibt konsequent pur und reduziert, lässt aber dezente Einflüsse der facettenreichen karibischen Architektur erkennen."

Der Last-Minute-Tipp für diesen Sommer

"Kleider über Hosen - am besten in weiß, ein riesen Thema in diesem Sommer!"

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Philomena Zanetti: Konstruktivismus!

Julia Leifert

Quelle: Anny CK

Die Designerin

Julia Leifert wird in Interviews meist erst mal gefragt, wer diese Philomena Zanetti ist, die dem 2014 gegründeten Label ihren Namen gegeben hat. Die Antwort: Es handelt sich um die Ur-Urgroßmutter der Designerin aus Südtirol. Bis vor zwei Jahren hat Leifert noch Fashion Management in Berlin studiert, jetzt will sie beweisen, dass ökologisch korrekte Mode auch hochklassig aussehen kann. Ein großer Plan, der auf dem Laufsteg erstaunlich lässig daherkommt.

Die Kollektion

"Inspiration für die Kollektion war der Konstruktivismus in der sowjetischen Architektur und der gesellschaftliche Wandel, der in der Stilrichtung thematisiert wurde. Eine wichtige Rolle spielen hierbei grafische Elemente und klare Linien. Funktionalität steht im Konstruktivismus im Vordergrund.

Philomena Zanetti nähert sich in der Sommerkollektion 2017 spielerisch diesem Thema ebenso wie gesellschaftlichen Entwicklungen der heutigen Zeit. Ungewöhnliche Materialien und kontrastreiche Farbgebungen ermöglichen neue Blickwinkel auf vergangene und gegenwärtigen Geschehnisse."

Der Last-Minute-Tipp für diesen Sommer

"In jedem Fall sind weite Silhouetten wie die Culotte-Hosen nach wie vor ein starkes Thema. In diesem Sommer können auch leuchtende farbliche Akzente, wie Orange oder Gelb sehr schön mit gedeckten Farben oder Nude-Tönen kombiniert werden, wodurch ein spannendes Zusammenspiel entsteht."

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Michael Sontag: Kostbares für den Alltag

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Quelle: Christian Schwarzenberg

Der Designer

Michael Sontag versteht seine Mode gern als fließenden Prozess, ein Gesamtwerk, das sich nicht unbedingt in einzelne Saisons zerlegen lässt. Seinen ersten Fashion-Week-Auftritt hatte der 36-Jährige aus dem bayerischen Trostberg im Jahr 2009. Seine Zauberformel: fließende Stoffe, asymmetrische Schnitte, weite Silhouetten und Drapierungen.

Die Kollektion

"In der aktuellen Kollektion lenken wir unser Augenmerk auf jene Aspekte der Kleidung, die sie für uns besonders wertvoll machen. Fernab bloßer Schutzfunktion und Praktikabilität stehen hier die Kleider im Vordergrund, ohne die wir nicht auskommen möchten und die unser Leben auf besondere Weise verschönern, obwohl unser Kleiderschrank bereits gut ausgestattet zu sein scheint.

Die Trägerin der Sommerkollektion 2017 zelebriert die auserwählten Schätze in ihrem Alltag, anstatt sie für besondere Anlässe aufzubewahren, sie macht die Ausnahme zur Regel und setzt somit neue Maßstäbe im immerwährenden Kreislauf der Moden."

Der Last-Minute-Tipp für diesen Sommer

"Ein drapiertes Seidenkleid in Azur - perfekt für einen Sommertag und ein echter Michael-Sontag-Klassiker."

© SZ.de/vs
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