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Start-up:Mode zum Mieten

Gründerin Robina von Stein mit Teilen ihrer Leih-Kollektion.

Gründerin Robina von Stein mit Teilen ihrer Leih-Kollektion.

(Foto: Leonor von Salisch)

Wenn Klamotten ohnehin nur ein paar Mal getragen werden - warum nicht einfach ausleihen? Eine Berliner Unternehmerin will diese Idee jetzt im großen Stil umsetzen.

Die Zukunft der Modeindustrie, davon ist Robina von Stein überzeugt, verbirgt sich hinter einem dunklen Vorhang in Berlin-Mitte. Er trennt ein kleines Café und einen Vorraum mit Tischtennisplatte, durch den man in ein Coworking-Space gelangt. Hier sitzen Jungunternehmer an quadratisch angeordneten Schreibtischen, die kahlen Wände sind mit Zeichnungen von Raumschiffen und Zitaten verziert. Eines geht angeblich auf Amazon-Gründer Jeff Bezos zurück: "Es ist kein Experiment, wenn du weißt, dass es funktionieren wird", steht da. Robina von Stein, 28, zieht darunter zwei bunte Damenmäntel aus einem gelben Recyclingpäckchen und sagt: "Die Modemarken wissen, dass Leihen die Zukunft ist. Und ich will ihnen zeigen, wie es geht." Für zwei Wochen waren diese beiden Mäntel bei einer Kundin, jetzt werden sie mit nachhaltigen Chemikalien gereinigt, bevor es für sie wieder auf die Reise geht.

Robina von Stein, groß, schlank, schmales Gesicht, hat früher einmal gemodelt, dadurch habe sie "natürlich ein besonderes Faible für Mode". Wenn sie von den Entwicklungen in der Textilbranche spricht, dann weicht ihr heiteres Gemüt kurz dem Vokabular einer studierten Wirtschaftswissenschaftlerin. Ein neues Bewusstsein müsse her, sagt Robina von Stein dann etwa immer wieder, "ein Bewusstsein für effizienteren Konsum".

In der idealen Welt hätte jeder nur eine Basisgarderobe, die dann temporär ergänzt wird

Nun sind Leihmodelle für Kleidung eigentlich nichts Neues. Anlassmode wie Smokings und Abendkleider gibt es bereits seit jeher im Frackverleih. Im Netz sorgen Plattformen wie "Rent the Runway", "Le Tote" und "Fashion Pass" besonders im amerikanischen Markt schon für viel Bewegung in Sachen Leihgarderobe. Im Fokus sind dabei vor allem Businessfrauen oder Influencer - beides Zielgruppen, die großen Bedarf an neuen, repräsentativen Teilen haben. Bei Tchibo in Deutschland hingegen gibt es seit Kurzem einen Service für Kinderklamotten auf Zeit. Und Start-ups wie "Stay Awhile" oder "Myonbelle" liefern Abonnenten monatlich eine Box mit Leihklamotten nach Hause, die von Mitarbeitern nach Größe und Stil der Kundin abgestimmt wird.

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Das sind aber alles noch Nischenmodelle, Robina von Stein will das ändern, und zwar mit "absoluter Freiheit für den Kunden" und einem besonderen Fokus auf bewussten Konsum. Ihr Start-up heißt "Re-nt", das Ziel der damit ausgerufenen "Re-nt Revolution" ist nicht unambitioniert: Durch etwas, das Stein einen "zirkularen Kreislauf" nennt, soll absolute Nachhaltigkeit erreicht werden.

Eine Bluse kommt dann beispielsweise direkt von der Marke zu Re-nt, ohne Zwischenhändler und häufig aus der branchentypischen Überproduktion. Re-nt verleiht diese dann weiter, nach einer bestimmten Anzahl an Kunden geht die Bluse zurück an den Hersteller. Dort wird sie recycelt oder neuen Modetrends angepasst und schließlich wieder zum Leihen angeboten.

Der so skizzierte "closing loop" ist noch nicht eingetreten, dafür sind das Unternehmen zu jung und die Kunden noch nicht zahlreich genug. Entsprechende Vereinbarungen bestehen aber mit den insgesamt 15 Marken, mit denen Re-nt derzeit zusammenarbeitet. Das Sortiment umfasst vor allem Kleidung aus der mittleren Preiskategorie, es sind aber auch Luxuslabels wie Vivienne Westwood oder Isabel Marant dabei. Noch sind nicht alle der angebotenen Klamotten nachhaltig produziert, "aber wir wollen den Marken auch einen Anreiz dazu geben", sagt Robina von Stein. Sie weiß aber auch: Der Weg dorthin führt nur über den Konsumenten.