Ladies & Gentlemen Was trägt man unterm Baum?

Weihnachtsschlappe aus kuscheligem Tartan-Tweed von Simone Rocha.

(Foto: Simone Rocha)

Luxuriöse Jesus-Latschen oder doch eher die elaborierte Version des Weihnachtspullovers? Unsere Modekolumnisten haben sie getestet.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Besinnliche Jesuslatschen

Pakete verschickt, Gans abgeholt, den Ehemann zum Christbaumkauf gejagt und das letzte Schleifenripsband ergattert? Herzlichen Glückwunsch, einem fröhlichen Weihnachtsfest steht nun nichts mehr im Wege! Bis auf die schmerzenden Füße von der ganzen Rennerei. Schon im letzten Jahr empfahlen wir ja zum Weihnachts-Pulli flache Schuhe, damit der Weg vom Ofen zum Tisch pannenfrei abläuft.

Dieses Jahr gehen wir noch einen Schritt weiter, denn auch der Festtagslook will dem Zeitgeist angepasst werden: Warum sollten wir am Heiligen Abend plötzlich elegante Sohlen tragen, wenn wir den Rest des Jahres hauptsächlich in Turnschuhen und sonstigem Schluffi-Schuhwerk verbracht haben? Hier ist die ultimative Lösung: die Weihnachtsschlappe aus kuscheligem Tartan-Tweed, garniert mit genau der richtigen Dosis Engelshaar und Perlen.

Zwar ist sie von der Designerin Simone Rocha nicht offiziell als solche deklariert. Allerdings könnte man sie ja wohl problemlos als exzentrischen Schmuck an den Baum hängen (was übrigens immer ein gutes Kaufargument für Schuhe ist). Kombiniert wird die luxuriöse Jesuslatsche am besten mit entwaffnender Schlichtheit obenrum und frisch lackierten Fußnägeln in Lakritz.

Aber da ja wahrscheinlich noch schnell Vanillekipferl gezaubert werden müssen, tun es bei Zeitmangel auch schöne schwarze Rippsocken.Zusammengefasst ist die moderne Pantoffelheldin also zwar völlig besinnungslos, wirkt aber trotzdem besinnlich. Frohe Weihnachten!

Julia Werner

Für ihn: Der verlängerte Weihnachtspullover

Weihnachtspullover von The Elder Statesmen

(Foto: The Elder Statement)

Das Tragen von brutalistischen Weihnachtspullovern nach angelsächsischem Vorbild hat sich mittlerweile auch hier in einem Maße durchgesetzt, dass man es eigentlich schon wieder sein lassen kann. Ist Ironie erst mal zu Kult geronnen, lässt sie sich schließlich nur noch schwer genießen.

Allerdings hat der Trend einen Vorteil - er enthebt einen von jeglichen Outfitsorgen an den Feiertagen, man schlüpft einfach in den "festive sweater", lässt sich belächeln und fertig. Vermutlich ist genau diese Männer-Bequemlichkeit auch der heimliche Motor hinter der Verbreitung der komischen Pullover. Außerdem haben sie durchaus noch eine praktische Funktion - eingetrocknete Cumberland-Saucenflecken fallen zwischen den Applikationen und grellen Designs kaum auf.

Bei diesem weiterentwickelten Modell des kalifornischen Luxuslabels The Elder Statesmen dürften Flecken aber doch nerven. Denn erstens rangiert das Kaschmirteil in einer vierstelligen Preiszone, zweitens wurde das Stück sozusagen zur Ganzjahresverwendung aufbereitet - das Palmenmuster ist deshalb auf dem Rücken angebracht, während die Vorderseite schlicht schwarz geblieben ist.

So lässt sich das Ding unter dem Sakko tragen, und keiner merkt, dass hinten die Palmenpost abgeht. Zweitens ist das eigentliche Motiv übersaisonal einsetzbar und in seiner X-Massigkeit derart gedimmt, dass sich der Träger damit locker auch bei anderen Familienfesten sehen lassen kann. Trotzdem nicht gerade ein Must-have.

Max Scharnigg

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