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Mode:Für jede etwas

Savage X Fenty Show Presented By Amazon Prime Video - Show Sneak Peak

Bald im Stream bei Amazon Prime: Wäsche von Rihanna.

(Foto: Ben Gabbe/Getty Images)

Die Show von Rihannas Dessouslabel "Savage x Fenty" war der Top Act der New Yorker Modewoche. Die Wäsche ist relativ konventionell, aber gegen das Diversity-Spektakel der Musikerin sieht "Victoria's Secret" unfassbar alt aus.

Die Hadid-Schwestern, Cara Delevingne und Joan Smalls, und damit endeten die Konventionen schon. Vertreten waren hier nämlich nicht nur vier Topmodels, sondern alle nur denkbaren Hautfarben und Körpervolumina - in Szene gesetzt keinesfalls von einem Runway-Coach, sondern von einer Star-Choreografin, die schon Justin Bieber inszeniert hat. Folgerichtig gab es auch keinen klassischen Laufsteg, sondern eine Bühne, auf der nicht nur Models performten, sondern auch Rapper. Im Publikum: alles, was in New York und in der Mode Rang und Namen hat. Aber Bewegtbilder von dieser überdimensionalen Lingerie-Sause - womöglich eine TV-Übertragung, wie man das von Victoria's Secret kennt - gibt es erst mal keine. Die Show in voller Länge läuft in Kürze auf Amazon Prime. Dann, wenn auch die Kollektion geordert werden kann.

Ist das nun ekelhafte Massenmanipulation oder Marketing zum Niederknien? Egal. So jedenfalls geht Wäsche heute.

Rihanna hat wieder einmal zugeschlagen. Ihre Savage x Fenty Show am Dienstagabend im Barclays Center in Brooklyn war der finale Act, ach was, der Top Act der New Yorker Modewoche, die ansonsten nicht allzu viele Schlagzeilen produziert hat. Wer schon immer mal wissen wollte, wie man ein inhaltlich überschaubares Produkt, vulgo Damenwäsche, erst zum Power Statement macht, dann mit politischer Bedeutung auflädt, schließlich in Entertainment verwandelt und sich das Ganze zuletzt in Form harter Dollars auszahlen lässt (Verkaufsstart: 20. September), der konnte hier was lernen. Es war nebenbei ein klatschender Schlag auf die Glosslippen der Victoria's-Secret-Engel, zu denen übrigens auch die Hadid-Schwestern, Cara Delevingne und Joan Smalls gehören, aber dies nur eine kleine Unreinheit am Rande. Der wegen seines einseitigen Frauenbilds und Vorwürfen sexueller Belästigung in schwere Turbulenzen geratene Wäschegigant sah neben Rihannas Diversity-Spektakel jedenfalls unfassbar alt aus.

Am Tag danach sprudelte Instagram über, und bei Amazon lief als Appetizer ein Video, bei dem man die im Moviestar-Format eingeblendeten Namen der Mitwirkenden schon sehr gekonnt wegblinzeln musste, um dahinter die recht konventionellen Spitzen-BHs und -Höschen zu erkennen.

Mit ihrer Lingerie-Linie macht die Sängerin 150 Millionen Dollar Umsatz im Jahr

Victoria's Secret hat BHs in Größen bis 40 DDD im Programm, Savage x Fenty immerhin bis 46 DDD: Das ist streng genommen der einzige Unterschied beim Blick aufs Endprodukt. Aber was zählt schon das Endprodukt in einer Ära permanenter Inszenierung? Wer wollte Rihanna widersprechen, wenn sie sagt: "Es gibt da draußen einen Haufen Frauen, die sich im Stich gelassen fühlen. 'Ich kann das nicht anziehen, weil ich nicht dafür gemacht bin.' Aber hier kann man sich sicher fühlen, genau hier, bei Fenty." Künstler wie DJ Khaled, Halsey, Big Sean oder ASAP Ferg traten im Barclays Center dem offiziellen Narrativ zufolge also nicht für Rihanna und einen Haufen Geld auf, sondern im Namen der Vielfalt und weiblichen Selbstermächtigung. Und genauso brachte die Choreografin Parris Goebel den Models nicht nur das Twerken bei, sie fügte dem Event ihre eigene einzigartige Persönlichkeit noch hinzu. "Ich liebe es, wie sie einfach alles sexy aussehen lässt", schwärmte Rihanna gegenüber dem Branchendienst Business of Fashion. "Wenn ich Parris sehe, ist mir jedes dürre Victoria's-Secret-Model egal. Ich will diese Frau sein. Genauso zuversichtlich, genauso bombastisch. Das ist die Savage-Marke."

Die Marke Rihanna wiederum ruht zurzeit auf drei Säulen: Neben der 2018 lancierten Lingerie-Linie (geschätzter Jahresumsatz: 150 Millionen Dollar) gibt es auch noch eine erfolgreiche Beauty-Firma und seit diesem Jahr auch ein Pariser Couture-Haus unter dem Dach der Luxusgruppe LVMH. Alle drei Produktgruppen werden mit dem immer gleichen Versprechen von Erotik und allumarmender Akzeptanz vermarktet, Gesicht, Gewährsfrau und oberste Sexgöttin ist die Unternehmerin selbst: eine schwarze Sängerin aus Barbados, die es nicht nur in den Charts nach ganz oben geschafft hat. Bei der Savage-Show stand sie selbstverständlich mit auf der Bühne, in ihrer eigenen Unterwäsche.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat ihr Vermögen gerade auf 600 Millionen Dollar geschätzt. Damit wäre sie die reichste Musikerin der Welt - wenn man sie denn noch als solche bezeichnen will. Ihr letztes Album, "Anti", liegt bereits mehr als drei Jahre zurück.

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