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Männermode:Sattelfeste Eleganz

Dieser Anzug hält was aus: Alex Davaroukas von Monokel auf dem Weg in sein Münchner Maßatelier.

(Foto: Monokel Berlin, Michael Krug Photography)

Stilvoll auf dem Fahrrad? Bisher war das für Männer ein Problem. Doch nun gibt es Anzüge, die gut geschnitten und trotzdem strapazierfähig sind.

Sollte es auf den Britischen Inseln zum Äußersten kommen und Boris Johnson wird Premierminister, bedeutet das eine stilistische Zeitenwende. Ein Regierungschef, der Gipfeltreffen mit ins Gesicht gerutschtem Kunststoffhelm aufsucht, das Hemd womöglich lose vom kräftigen Tritt in die Pedale - das ist nicht mal mehr ein Abklatsch des englischen Gentleman aus Downing Street Nummer 10. Wobei Johnsons Leidenschaft für Fahrräder eigentlich seine beste Eigenschaft ist, und er bräuchte dabei auch gar nicht so verheerend auszusehen. "Functional formal" heißt die Lösung: Strapazierfähige Zweiteiler sind ein neuer und lukrativer Trend in der Männermode.

Radfahrende Herren hat es immer schon gegeben, frühe Fotografien zeigen sie leicht angespannt mit Melone oder Frack auf dem "Penny Farthing", dem Hochrad. Doch je mehr das Velo zum Fortbewegungsmittel der Massen wurde, desto unvorteilhafter sahen die Menschen darauf aus. Heute gehört grellbunte Funktionsbekleidung mit Gesäßpolstern auf den elegantesten Boulevards der Welt zum Straßenbild.

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Ärzte-Schlagzeuger Bela B hat einen Roman veröffentlicht und gibt sich auch sonst sehr seriös. Längst hat er verstanden: Wenn die ganze Welt casual herumläuft, ist Punk das Gegenteil.

Mit dem schönen Wort "Casualisierung" umschreibt Alexander Davaroukas diesen Umstand, sein Missfallen bemerkt man trotzdem deutlich. Davaroukas leitet in München das Maßatelier Monokel und kommt jeden Tag mit dem Rennrad zur Arbeit. Im Anzug natürlich. "Doch, das geht", sagt er, einen winzigen Hauch Spott in der Stimme. Es ist ein kühler Maitag, Davaroukas' mitternachtsblauer Nadelstreif sitzt tadellos. Heute auch? Geduldiges Nicken. "Ja, das geht auch damit."

Natürlich ist es für einen guten Herrenschneider normal, in jeder Lebenslage akkurat gekleidet zu sein. Neu ist: Das wollen auch die Kunden - und zwar ohne sich aus dem Flow des Großstadtlebens auszuklinken. Mit dem E-Scooter ins Büro - kein Fältchen am Anzug. Per Cityroller oder Designerrad zum Termin - die Bügelfalte hält.

Bei Monokel gibt es ganze Mustermappen voll mit knitterfreien "Fahrradfahrerstoffen", wie Davaroukas sie nennt. Er holt eine davon aus der Schublade, die Linie "Rain System" des italienischen Edelherstellers Loro Piana. Davaroukas, gebürtiger Nürnberger, der seit seinem Eintritt in ein britisches Internat mit 15 Jahren nur selten ohne Anzug das Haus verlässt, umfasst mit Druck einen der federleichten Stofflappen. Himmelblau, matte Oberfläche. Er lässt los. "Da passiert gar nichts", erklärt er. Das Gewebe ist glatt und ebenmäßig wie zuvor. Sogar Flüssigkeit perlt daran ab. Die Demonstration mit dem Wasserglas macht er oft. Denn: "Die Nachfrage nach solchen Anzügen steigt bei uns stetig. In Bewegung sein und gut aussehen schließt sich längst nicht mehr aus."