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Military Look:Nordkorea auf dem Laufsteg

Nordkoreas Machthaber nimmt Parade ab

Stilikonen? Nordkoreanische Soldatinnen während einer Parade im Jahr 2010

(Foto: dpa)

Wenn Ethno-Look und Seventies-Style langweilig werden, erfinden Moderedakteure gerne neue Trends. Die US-Ausgabe der "Elle" ist dabei jetzt einen Schritt zu weit gegangen und hat den Nordkorea-Schick ausgerufen.

Eines der gängigen Vorurteile über die Mode lautet, sie sei schnelllebig. Was heute noch auf den Laufstegen in Mailand, Paris, London in New York gezeigt werde, interessiere schon morgen niemanden mehr. Erkläre die eine Modezeitschrift im Oktober noch Blau zum Trend, drehe sich bei der anderen im November schon wieder alles Grün. Otto-Normal-Fashionista könne da eh nicht mithalten.

So lautet das Klischee. Und es ist offensichtlich falsch.

Anders ist es kaum zu erklären, dass nun im November ausgerechnet ein Modetrend aus dem August für großen Furor sorgt: der Nordkorea-Schick. Den hatte die US-Ausgabe der Frauenzeitschrift Elle in ihrer Spätsommerausgabe zum Top-Fashion-Trend für den Herbst erklärt. Monatelang hatte sich niemand dafür interessiert. Und nun das! Am Montag brach eine Twitter-Empörungswelle über das Blatt herein, drei Monate nachdem das Magazin mit der provokanten Erkenntnis an die Öffentlichkeit gegangen war:

Nun lässt sich das Leben sicher leichter bestreiten, wenn man nicht alles todernst nimmt, was in Hochglanzmagazinen abgedruckt ist. Doch die ungewöhnliche Neuinterpretation des Military Look durch eine so etablierte Redaktion ist so fragwürdig, dass sie nun sogar erfahrene Journalisten gegen sich aufbringt:

Immerhin beweist die Redaktion mit ihrer Themenauswahl eine gewisse Hartnäckigkeit. Bereits im April hatte die britische Ausgabe der Elle über Frisuren in Nordkorea berichtet. Weniger Kritik hätte die Elle-Redaktion wohl auf sich gezogen, wäre sie einfach bei der Bezeichnung Military-Look geblieben. Auch wenn das ein wenig altbacken daherkommt. Schließlich handelt es sich dabei um keinen neuen Trend.

Schon in den 1960er Jahren hatte sich die durchaus modebewusste britische Skindheadszene mit Bomberjacken eingekleidet. Später erhielt der Militärparka bei Hippies und anderen Friedensaktivisten eine völlig neue Bedeutung. Und auch in den Modemetropolen tragen Models immer wieder Camouflage-Muster zur Schau. Nur hat bislang niemand die Anmaßung begangen, dies in Verbindung mit real existierenden Diktaturen zu bringen.