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Kurz gesichtet:Frische Brise

Hut aus der MCM-Kollektion mit Vintage Jacquard Monogramm.

(Foto: Hersteller)

Modetipps von Rapper Asap Rocky, neue Monogramme auf Sommerhüten von MCM und Monoi-Duft in Sonnenkosmetik: die Stilnews der Woche.

Von Anne Goebel und Silke Wichert

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Jetzt offensichtlich erst recht, wo es so lange nichts zu zelebrieren gab. Also bringt das legendäre Taschenlabel MCM zum halbrunden 45. Geburtstag ein neues Vintage Jacquard Monogramm heraus. Das allseits bekannte Logomuster wurde von Chefdesigner Dirk Schönberger mit einer Vintage-Ästhetik neu interpretiert und mit traditionellen Techniken der Bauhaus-Textilschule in den Stoff eingewebt. Die Capsule Collection, bestehend aus Taschen, Rucksäcken, Slipper und Bucket Hat (neudeutsch für Fischerhut), gibt es in drei verschiedenen Farben: "Antikes" Grau, "modernes" Blau und "königliches" Rot (zum 50. wünschen wir uns noch "altes" Rosa). Das Berliner Künstlerkollektiv Sucuk & Bratwurst kreierte außerdem eine 3D-Animation des neuen Monogramms (von Juni an über mcmworldwide.com).

"Rain or shine", Regen oder Sonne: Das Motto der britischen Kosmetikmarke Hello Sunday basiert auf der Annahme, dass die Gesichtshaut auch ohne direkte Solareinstrahlung vor schädlichem UV-Licht geschützt werden sollte. Daher versteht das Londoner Label seine Cremes mit Sonnenschutzfaktor weniger als Urlaubszubehör für ein paar Ferienwochen im Jahr, sondern als Produkte für jeden Tag, die auch bei bedecktem Himmel in London oder München funktionierten. Ein geschicktes Marketingkonzept, aber nicht nur - Forschungen haben immer wieder bewiesen, dass die Sonnenbrandgefahr unter bestimmten Voraussetzungen auch bei Bewölkung bestehen bleibt. Das neue Lipbalm, hübsch aprikosenfarben verpackt und mit hohem LSF 50, ist vegan, soll die Lippen dank Sheabutter vor dem Austrocknen schützen - und der Duft nach Monoi-Öl bringt auch an Regentagen eine Spur Südsee in den Alltag (hellosundayspf.eu).

Eigentlich ist das Unternehmen Klarna ein Zahlungsanbieter, der sich aber mehr und mehr auch als Shopping-Service etablieren will. Am liebsten hätten es die Schweden, wenn man alle Käufe über ihre App abwickelte, Ausgaben-Statistik und Empfehlungen inklusive. Deshalb haben sie sich jetzt den Rapper A$AP Rocky ins Boot geholt, nicht das ganz kleine Kaliber. Gemeinsam starten sie am 18. Juni die Challenge #getsmooth auf Instagram, mit der man seinen Lockdown-Look endlich Lockdown-Look sein lassen soll. Denn die Daten und Umfragen zeigen, dass die Leute wieder Lust zum Shoppen haben. Statt Gesichtsmasken und Leggings werden jetzt, wenig überraschend, Sommerkleider und Sonnenbrillen gekauft. Wer noch Inspiration sucht: Der Musiker hat auf Klarna eine Wunschliste mit seinen liebsten Vintage-Teilen angelegt (klarna.com).

Schnörkelloses DDR-Design: Isolierkannen von 1959.

(Foto: Armin Herrmann)

Design in der DDR: Dazu fällt den meisten nicht mehr ein als das Kulleraugengesicht des Trabi oder mittelgut kopierte Westmode aus den volkseigenen Textilkombinaten. Dass es eine sehr viel lebendigere Gestaltungskultur gab, zeigt eine aktuelle Ausstellung im Berliner Museum der Dinge - und der dazu erschienene Bildband ist auch für diejenigen aufschlussreich, die die Schau nicht besuchen. "Die frühen Jahre", so der Titel, konzentriert sich auf die Arbeiten des Niederländers Mart Stam, der als international renommierter Architekt und überzeugter Kommunist in den Nachkriegsjahren das Industriedesign in der DDR prägte. Der Bauhaus-Lehrer Stam hat auch den Prototyp des ikonischen Freischwingers entworfen, ein hinterbeinloser Stuhl, der bis heute produziert und nachgeahmt wird. Als Gründer des Instituts für industrielle Gestaltung in Ostberlin schuf er - und mit ihm seine Schüler - funktionelles Spielzeug aus Holz, Porzellangeschirr oder Kochutensilien, die sich heute als Retro-Objekte perfekt in jeder durchgestylten Küche machen würden. Typisch etwa die schnörkellosen Thermoskannen von Margarete Jahny aus dem Jahr 1959. Damals lebte Mart Stam, tief enttäuscht, bereits wieder in Amsterdam. In der DDR war er mit seinen Entwürfen angeeckt ("Die frühen Jahre. Mart Stam, das Institut und die Sammlung industrielle Gestaltung". Lukas Verlag, 36 Euro. lukasverlag.com).

Einkaufen gegangen wird offensichtlich nicht nur, weil die Leute wieder Lust auf neue Mode haben, sondern schlicht auch, weil die Sachen von vor der Pandemie nicht mehr passen. Der CEO von Levi's, Chip Bergh, erzählte kürzlich in einem Interview, mehr als ein Viertel seiner Kunden hätten jetzt eine andere Jeansgröße. Die Hälfte von ihnen hat nach Monaten zu Hause auf der Couch zugenommen. Genauso viele haben allerdings auch abgenommen, vielleicht weil die unfreiwillig viele freie Zeit durch Jobverlust oder Kurzarbeit zum Joggen genutzt wurde. Ein anderer Faktor, zumindest für den Griff nach größeren Größen, könnte auch sein: Nach all der Zeit mit elastischen Bündchen können sich viele nicht mehr an eng anliegende Jeansknöpfe gewöhnen und tragen ihre Hosen jetzt lieber eine oder zwei Nummern größer. Früher nannte man das Boyfriend-Fit, jetzt wohl eher Post-Pandemic-Fit.

© SZ
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