Marihuana in der Küche High Cuisine

Laut Koch Sascha Basler würzt Marihuana köstlich - wohldosiert.

(Foto: Neal McQueen)

Auch eine verbotene Substanz kann gut für die Küche sein - findet Sascha Basler und hat ein Buch über gehobene Hausmannskost mit Cannabis geschrieben.

Von Peter Burghardt

Wer Sascha Basler besucht, um über sein neues Buch "Bong Appetit - Kochen mit Cannabis" zu sprechen, der macht sich natürlich schon vorher seine Gedanken. Wird er einem etwas aus dem Buch kochen? Und wenn ja: Wie wird man es vertragen, wenn man das Kraut nicht so gewohnt ist? Darf man überhaupt? Oder landet man dann bald im Gefängnis von Fuhlsbüttel?

Sascha Basler kocht einem erst mal sehr entspannt eine Art Slowfood-Cappuccino, der köstlich nach Karamell schmeckt. Danach fragt er höflich, ob es einen störe, wenn er rauche, und qualmt den Gast fröhlich ein. Hinter ihm stehen Kochbücher und ein Buddha im Regal, an der Wand hängt ein Geweih.

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Der Gastgeber wohnt mit seiner Frau und seinem Hund Iggy Pop in einem Haus auf dem Land im Norden von Hamburg hinter Hecken, was aber nicht an irgendwelchen Versteckspielen liegt. Sascha Basler ist ein ausgesprochen offener und lustiger Typ um die fünfzig, der Eiertanz um Marihuana passt zu seinem Humor. Früher war er Musikmanager bei einer Firma, die zu den Entdeckern von Rammstein zählt. Später widmete er sich seiner zweiten Leidenschaft, führte die Hamburger Gourmetwurstbude Curry Queen und schrieb darüber ebenfalls ein Buch. Dann brachte er Musik und Kochen zusammen und kocht seitdem als Caterer für Musiker.

Cannabis Poulet mit vierzig Knoblauchzehen

Gerade geht er mit Sarah Brightman auf Tour, Kisten stehen vor der Tür, das hat mit diesem zweiten Buch nichts zu tun. Aber nun ist eben sein Band über gehobene Hausmannskost mit Cannabis erschienen, erhältlich vornehmlich online, weil sich die meisten Buchhändler offenbar nicht trauen, diese 238 Seiten in ihre Regale zu stellen. Auch hat Sascha Basler seine Gerichte wie Kartoffel-Gnocchi mit Salbei-Cannabis-Butter oder Cannabis Poulet mit vierzig Knoblauchzehen auf Mallorca gekocht, probiert und schön fotografieren lassen. Spanien ist bei Marihuana nicht so restriktiv wie Deutschland.

Autor Sascha Basler mit seinem Lieblingsgewürz.

(Foto: Neal McQueen)

Hierzulande hat das Thema etwas Geheimes und Verbotenes, dem tragen die Warnungen im Vorwort und Abspann des Buches Rechnung. Man rufe keinen Leser zu einer Straftat auf, heißt es dort unter anderem. Man solle bei der Dosierung vorsichtig sein. "Tastet euch langsam heran." Die Antwort auf die Frage, ob er einem gleich ein Cannabis-Menü auftischen wird, nimmt der Autor im Gespräch vorweg: "Nö, ist ja illegal." Hätte man sich ja denken können. Kochen wird er einem nichts - erst recht nicht mit Cannabis, von dem er selbstverständlich auch nichts zu Hause hat.

Esser müssten ohnehin Zeit einplanen. Die orale Wirkung setzt dem Vernehmen nach verzögert ein und steigert auch die Lust aufs Dessert, das Auto lässt man besser stehen. Aber das ist an diesem Mittag wie gesagt nur Theorie. Gerade ein öffentlicher Cannabis-Koch passt logischerweise auf, dass er die Gesetze einhält. "Drogenkoch" und "Kiffer-Kulinarik", raunten Boulevardblätter, Basler lacht herzlich. Die juristischen Feinheiten machen seine Küche umso pikanter.

Beim Surfen im Netz stieß Sascha Basler vor zwei Jahren auf einen Bericht, wonach in Kalifornien immer mehr Spitzenköche Cannabis einsetzen. Die Pflanze kennt er seit seiner Jugend in Münster unweit der holländischen Grenze, beim Billard in Enschede gab's den Brownie einst gratis dazu. Da hatte der Kochfreund nun diese Idee, die über Klassiker wie Space Cake hinausgeht. Er sagt: "Ich bin kein Starkoch. Die Stars sind das Buch und das illegale und medizinisch legale Produkt."

Wie Cannabis schmeckt? "Herb kräuterartig"

Ärzte dürfen Cannabis auch in Deutschland verschreiben, zum Beispiel Schmerzpatienten. Das ist das eine. Basler will Kranken helfen, Leiden zu lindern und dabei gut zu essen. Das andere ist die Tatsache, dass trotz der Verbote geschätzt mehr als vier Millionen Deutsche kiffen. Das Zeug wächst in etlichen Gärten, bevorzugt auf dem Land. Es könnte zahlreiche Fans geben, die gerne mal mit Cannabis würzen. Warum nicht Gassenhauer wie Spaghetti Bolognese aufpeppen? Also erklärt Sascha Basler, wie man Cannabis durch Hitze aktiviert und an Fett oder Alkohol bindet. "Extrahieren" nennt sich das, so wird der Wirkstoff an Butter, Öl oder Milch gebunden. Oder an Honig.

Von Januar an will er die Technik auch bei Kochshows präsentieren - natürlich nur auf erlaubte Weise, entweder auf Rezept oder mit einem regelgerechten Ersatzgewürz. "Wir reden ja bei Cannabis von einer Pflanze, die zur Gruppe von Hopfen gehört", erläutert Sascha Basler. Im Übrigen würden alle seine Gerichte auch ohne Cannabis funktionieren. Er wolle Cannabis aus der Schmuddelecke herausholen und zeigen, dass es "ein Küchenkraut wie Salbei und Rosmarin" sei.

Wie Cannabis schmeckt? "Herb kräuterartig", berichtet Sascha Basler, je nach Sorte. Wohl dosiert könne der Zusatz Cannabis extrem lecker und anregend sein. Beim Peposo, gegartem italienischem Pfefferfleisch, hat sich Basler in der Testphase mal vertan. Zu viel Cannabis schmeckt offenbar penetrant und berauscht heftig.

Es geht ums gepflegte Essen und um die ewige Debatte über die Legalisierung von Gras, viele Länder sind da weiter als Deutschland. Der Koch würde sofort ein Cannabis-Restaurant eröffnen, wenn er dürfte. Ein Weihnachtsmenü findet sich auch in seinem Buch. Hauptgang: Ente mit Cannabis-Lavendelhonig. "Stell' dir vor, an Heiligabend gibt's ne aktivierte Ente", sagt Sascha Basler und prustet. "Das würde viele Familienstreits verhindern. Und Geschenke auspacken macht dann auch mehr Spaß." Das schrieb er wegen rechtlicher Bedenken aber nicht zum Rezept, ist ja nur so eine Idee.

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