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Männer in Shorts:Autorität und kurze Hose geht nicht

Wobei - ganz so abwegig ist das ja nicht. Mit der Autorität dürfte es nicht weit her sein, wenn der Chef in kurzen Hosen vor einem steht. Das mag auch der Grund dafür sein, warum die deutsche Polizei bis heute - selbst bei Affenhitze - keine kurzen Hosen trägt, obwohl das hessische Innenministerium bereits Shorts und Sonnenbrillen für Polizeibeamte getestet hatte. Das Ergebnis: Die Beamten wurden zwar gemocht, aber nicht ernst genommen.

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Polizeibeamte in Cargoshorts - allein die Vorstellung bringt den Münchner Polizeisprecher Christoph Reichenbach zum Lachen. "Sicher, der Bedarf wäre da. Sie können sich vorstellen, dass die Kollegen im Streifenwagen bei 35 Grad die Dinger gern tragen würden", sagt er. "Aber Autorität in kurzen Hosen - das geht einfach nicht."

Natürlich hätten sich die Polizeibeamten ein Beispiel an den Schweden nehmen und sich auflehnen können: Aus Protest gegen die Kleiderordnung, die ihnen das Tragen kurzer Hosen verbietet, erschienen Lokführer aus Stockholm Anfang Juni in den Röcken ihrer Kolleginnen. Der Aktion war mäßiger Erfolg beschert: Das Unternehmen gestand den Mitarbeitern das Tragen der Röcke zu - und untersagte die Shorts weiterhin.

Doch woher kommt der öffentliche Unwille der Deutschen zu Shorts? Fühlen wir uns zu ernst oder zu erwachsen, um sie zu tragen? In der Tat haftet kurzen Hosen etwas Unbeschwertes, Jungenhaftes an. Man könnte auch sagen, sie stellen den verzweifelten Versuch dar, jugendliche Lässigkeit mit Spießertum zu vereinbaren.

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Die kurze Herrenhose hat keine Lobby. Jedenfalls nicht an Orten jenseits von Campingplätzen und Beachvolleyballfeldern. Aber ist das ein Wunder? Männer haben jahrzehntelang den Ruf der Shorts ruiniert, indem sie Sandalen und weiße Socken dazu trugen. Dieses Trauma dominiert noch immer die Köpfe der Deutschen und hat ihnen den Mut genommen, Bein zu zeigen. Und den Blick getrübt: Denn auf den Laufstegen gab es sie längst, die Revolution. Nur ging sie auf dem Weg zu uns verloren. Dort zeigten Männer mit gebräunten Waden und gepflegten Füßen elegante, schmal geschnittene Shorts, die das Knie umspielten.

Womit wir beim Kern angelangt wären: Mut allein reicht nicht. Wer Shorts tragen will, muss die Regeln kennen. Weder zu weit noch zu kurz dürfen sie sein. Mindestens bis zum Knie sollten sie reichen, aus hochwertigem Stoff bestehen und keine Muster aufweisen. Dazu trägt man dunkle Socken und Lederschuhe - selbst Kniestrümpfe sind erlaubt. Segelschuhe gehören dagegen in die Freizeit. Aber selbst wenn sie auf den Bermuda-Inseln zur klassischen Geschäftskleidung gehören: In Meetings hierzulande haben kurze Hosen nach wie vor nichts verloren.

Wer die grundlegenden Leitlinien berücksichtigt, ist auf der sicheren Seite. Wer sie indes ignoriert, muss mit dem Vorwurf leben, dass er den Ruf der kurzen Hose auf dem Gewissen hat.