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Lokaltermin:Qomo

Der Düsseldorfer Rheinturm will mehr sein als nur eine Aussichtsplattform: In gut 172 Metern Höhe liegt das Qomo. Am Essen darf noch ein wenig gefeilt werden.

Der Düsseldorfer Rheinturm will mehr sein als nur eine Aussichtsplattform. In gut 172 Metern Höhe ist das Restaurant Qomo eingezogen. Hier dreht sich das Lokal jede Stunde einmal um die Turmachse und die Küche serviert ambitionierte asiatische Fusiongerichte. Am Essen darf allerdings noch ein wenig gefeilt werden, sagt Fabienne Hurst. Lohnenswert fand sie eher die Cocktails und die fantastische Aussicht auf die Stadt.

Die Geschichte des Düsseldorfer Rheinturms ist auch die einer Selbstüberschätzung. 500 Meter sollte er nach ersten Plänen in die Luft ragen - am Ende wurde er nicht mal halb so hoch. Etwas großspurig klangen auch die Pläne der Centro Hotel Group, die vor eineinhalb Jahren auf der Aussichtsplattform des Turms ein Lokal mit anspruchsvollem Fine Dining Konzept eröffnete. In 172,5 Metern Höhe verspricht seitdem das Restaurant Qomo nicht nur "asiatische Fusionküche" und außergewöhnliche Cocktails, sondern laut Website auch ein einzigartiges "Ausgeherlebnis".

Restaurantgäste müssen kein Ticket lösen, sondern werden vom Aufzug direkt auf die oberste Plattform gefahren. Dort erwartet sie ein 360-Grad-Blick auf das Düsseldorfer Nachtpanorama - denn das Restaurant rotiert, wie es sich gehört. Binnen einer Stunde drehen sich die Sitzplätze an der Fensterfront einmal um die Turmachse. Im Innenraum zieht man vorbei an der Bar, an der Vorbereitungsküche, großen Weinklimaschränken und einem künstlich flackernden Kamin. Generell ist der Raum sehr dunkel gehalten, schummeriges Licht, dunkle Holztische, schwarze Stühle zu stahlgrauem Boden. Das vermeidet jede Spiegelung, sodass die Aussicht auf die Stadtlichter ihre volle Wirkung entfaltet. Ausstattung und Flair im Restaurant erinnern an Afterworkpartys in Filmen über amerikanische Banker, was auch an den vielen Männern in Anzügen liegen mag, die hier essen.

Die Cocktailkarte ist so umfangreich und ausgefallen, dass selbst die freundliche Kellnerin nachfragen muss, was in den Eigenkreationen des Chef-Barkeepers Claus Liebscher so alles drin ist. Wir probieren den Cha Cha Sake (18 Euro): Japanischer Reiswein, grüner Tee und Holunderblütensirup werden gemixt und mit Champagner aufgegossen. Der Drink wird aufwendig serviert im mundgeblasenen Doppelglas, so konzipiert, dass Drink und Crushed Ice sich nicht vermischen. Ein guter Aperitif, leicht fruchtig mit einer herben Note. Er wird noch übertroffen vom würzig-frischen Shiso Moji (14 Euro), bei dem Liebscher weißen Rum mit Limette, Hibiskus, Rohrzucker und Shiso-Kresse kombiniert. Bereits jetzt hat sich der Ausflug hierher gelohnt.

Zur Vorspeise teilen wir uns ein paar hausgemachte Gyoza (12 Euro für fünf Stück). Die mit Hühnchen und Pilzen gefüllten Teigtaschen werden begleitet von einer milden Ponzusauce mit Trüffel, was dem japanischen Klassiker tatsächlich mehr Eleganz verleiht. Die Rainbow Maki mit Lachs, Thunfisch und Gelbschwanzmakrele (16 Euro) sind außergewöhnlich frisch und tadellos zubereitet. Interessantes Detail: Über die Sushi-Rollen hat Küchenchef Masanori Ito ein paar rote Rainbow-Crunchies (eine Art Cornflakes) gestreut, was zusammen mit der Soja-Mayonnaise einen abwechlungsreiches Spiel der Konsistenzen ergibt.

Der japanische Koch hat sich offenbar vorgenommen, Klassiker aus seinem Heimatland (und aller Welt) behutsam dem europäischen Durchschnittsgaumen anzunähern - was nicht immer gelingt. Das Ceviche von der Gelbschwanzmakrele mit grünem Spargel (18 Euro) schwimmt praktisch geschmacksneutral in einer viel zu dicken, mayonnaisigen Sauce. Es erinnert mehr an den abgepackten Sahnehering aus der Kühltheke als an das peruanische Nationalgericht. Auch die anderen Gerichte - alle als Sharingportionen serviert - gestalten sich in ihrer Qualität wechselhaft: Die kleinen Lammkoteletts (28 Euro) mit Ingwer Teriyaki Sauce sind wunderbar knusprig gebraten und unter einer krossen Sesamkruste immer noch zart rosa. Als Beilagen funktionieren ein solides Kartoffel-Trüffel-Püree (8 Euro, keine frischen Trüffel) und scharf angebratene grüne Bohnen mit Pilzen (6 Euro). Der Seebarsch (28 Euro) hingegen kommt etwas uninspiriert im Papierpäckchen auf den Tisch und ist nur noch lauwarm. Gewürzt wurde er viel zu zurückhaltend mit einer süßlichen, eingelegten Paprika und einer recht neutralen Yuzu-Butter. Ein eher durchschnittlicher Teller.

Bei den Desserts fallen dann alle großen Fine-Dining-Versprechen in sich zusammen: Die Matcha Creme brûlée (10 Euro) erinnert eher an eine Mousse und wird dominiert von einer viel zu großen Menge des japanischen Grünteepulvers, das in der zarten Creme leider einen algig-fischigen Nachgeschmack hinterlässt. Beim Adzuki-Cheesecake (10 Euro) wurde mit der roten Bohnensorte experimentiert, sie kommt im Kuchen, als Kompott und als Creme zum Einsatz. Die Käsecreme ist pappsüß und viel zu schwer, die Bohne als Kontrapunkt zu dumpf, es fehlt an Leichtigkeit, Frucht und Säurespiel. Spätestens jetzt wird klar: Egal wie gehoben diese Küche hier sein will, die Preise hier rechtfertigen sich allein durch den außergewöhnlichen Ausblick.

In einem Satz

Gute Drinks, frisches Sushi und spektakulärer Blick; nur die Fusionküche nimmt den Mund hier leider etwas zu voll.

Qualität: ●●●○○

Ambiente: ●●●●●

Service: ●●●●○

Preis/Leistung: ●●●○○

© SZ vom 08.02.2020
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