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Ladies and Gentlemen:Sichtlich stolz

"Born this way": Das Barett haben Lady Gaga und Versace gemeinsam entworfen.

(Foto: VERSACE X BORN)

Der Pride Month der LGBTQIA+ Community spielt in der Modebranche längst eine große Rolle - und ist Anlass für viele neue Produkte im Regenbogendesign.

Von Julia Werner und Jan Kedves

Auf die Kappe

Der Pride Month wird ja schon seit Jahren begangen, um die LGBTQIA+ Community zu unterstützen. Aber erst seit Kurzem ist Pridewashing das neue Greenwashing: Allerlei Firmen nutzen die Solidarität zu Marketingzwecken. So ist das Logo von Mercedes-Benz auf Twitter in Regenbogenfarben gefärbt - auf dem Account für den Mittleren Osten allerdings nicht. Auch Modefirmen mischen natürlich kräftig mit, und zwar mit jeder Menge Produkten in Regenbogenfarben. Glücklicherweise kann man der Modewelt wirklich nicht vorwerfen, das nicht ernst zu meinen, ist sie ja schon immer das Auffangbecken für alle gewesen, die irgendwie anders waren. So lauert für die alte weiße Frau hier auch keine Pridewashing-Gefahr, aber in der Bredouille ist sie trotzdem: Wenn sie so was trägt, weil sie die Pride-Message verbreiten will, könnte sie ja plötzlich als lesbisch oder nonbinär oder asexuell gelten, obwohl sie sich in Wahrheit nichts anderes wünscht als einen Mann! Andererseits ist das im Moment natürlich gut fürs Image. Ganz Berlin ist ja zurzeit voll von Frauen, die so lange bi sind, bis der Ehemann um die Ecke kommt. Das größere Problem ist sowieso ein anderes - Regenbogenfarben sehen wirklich nur an Kindern süß aus. Ein Kompromiss ist dieses Barett aus der Kooperation vom italienischen Sirenenlabel Versace und Lady Gaga. Es ist schwarz, der Logoname leuchtet bunt, und die Aussage "Born This Way" ist wirklich unverfänglich: Auch die heterosexuelle Frau wurde ja so geboren, wie sie ist. In diesem Sinne: Happy Pride Month!

Die Kreditkarte "True Name" einer niederländischen Bank.

(Foto: Bunq)

Auf die Karte

Pünktlich zum Start der Pride-Saison, die einem manchmal wie ein echter Regenbogen-Kaufrausch vorkommen mag, gibt es nun, ganz neu, eine Regenbogen-Kreditkarte. "True Name" heißt sie. Technisch betrachtet ist es eine Mastercard, herausgeben in Europa wird sie von der niederländischen Tech-Bank Bunq. Das gab es so noch nicht: Die Karte richtet sich insbesondere an Transmenschen. Die können auf die Karte nämlich auch dann schon ihren gefühlt richtigen Namen drucken lassen, wenn der Personenstand offiziell noch nicht korrigiert wurde. Mit dem wahren, selbstgewählten Namen auf der Karte geben sich die pink dollars, gibt sich das rosa Geld, wie die Kaufkraft der Community auch genannt wird, doch gleich viel entspannter aus. Einige Skeptiker meinen natürlich sofort anmerken zu müssen, dass man hin und wieder beim Bezahlen mit Karte aufgefordert werde, sich auszuweisen. Und dass es dann erst recht zu Irritationen kommen könne, wenn auf dem Ausweis noch der alte Name steht. Aber darum geht es nicht. Sondern es geht darum, dass eine Person nun mal mit einem bestimmten Namen adressiert werden möchte, den sie (oder er) als richtig empfindet, weil er mit dem empfundenen Geschlecht korrespondiert, und dann sagt eine Bank, dass das in Ordnung geht, noch bevor der Staat das tut. Das kann sich doch richtig gut anfühlen, oder nicht? Hoffentlich nicht so gut, dass man damit dann Regenbogen-Socken, -Kaffeetassen, -Gesichtscremes und -Baretts einkauft, bis das Limit überzogen ist. Das wären dann nämlich rosa Schulden.

© SZ/chrm
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