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Leggins:Warum Leggins das meistverkaufte Kleidungsstück sind

Thomas Hanisch Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2017

Leggings von Thomas Hanisch auf der Fashion Week Berlin 2016 (Collage SZ.de)

(Foto: Getty Images for IMG)

Und wir dachten, wir hätten es überstanden: Schließlich galten Leggins als Uniform jener, die sich selbst aufgegeben hatten.

Es gibt sie seit einer gefühlten Ewigkeit. Doch sie verschwinden einfach nicht - weil offenbar niemand auf sie verzichten will. Die Rede ist von den guten alten Leggins. Man müsste doch annehmen, dass eine Hose, die nach ein paar Stunden Tragen wie ein ausgelatschter Schuh aussieht, sich selbst abschaffen müsste. Fehlanzeige: Leggins sind so beliebt wie nie.

Das strumpfartige Beinkleid wird derzeit von allen Modeartikeln am häufigsten online geordert, allen voran bei Amazon. Allein im vergangenen Jahr, so belegt eine Studie des US-Marktforschungsinstituts Slice Intelligence, seien die Bestellungen insgesamt um 41 Prozent in die Höhe gegangen. Und wir dachten, wir hätten es überstanden.

Dabei waren Leggins niemals eine Hose im eigentlichen Sinne. Bestenfalls eine Notlösung für Tage, die man gammelnd auf der Couch verbrachte. Sie galten als Uniform jener, die sich selbst aufgegeben hatten. Menschen, die ihre Physiognomie lieber nicht dem Druck eines geknöpften Hosenbunds aussetzen wollten. Und die, wenn sie endlich mal aufstanden, Beulen in den Po- und Kniebereich ihrer Gummizughose gesessen hatten.

Nicht nur deshalb wurden Leggins von Modemagazinen schon mehrmals totgesagt. Doch der dehnbare Hosenersatz scheint geradezu unausrottbar in seiner bräsigen Penetranz. Im 17. Jahrhundert aus Ziegenleder zum Schutz gegen Kälte und Dornen gefertigt, tauchten Leggins nach einigen Intermezzi im 20. Jahrhundert wieder auf - als Gymnastikhose auf Nylonbasis.

Dort, in den Aerobic-Räumen des 20. Jahrhunderts, hätten sie gerne bleiben können. Stattdessen schafften sie es ins nächste Jahrtausend, wo sie sogar mit Röcken und Hot Pants kombiniert wurden. Schließlich hatte sich die Öffentlichkeit so an sie gewöhnt, dass die Designer ihnen Taschen, Knöpfe und Reißverschlüsse annähten und ihnen den Namen Treggins (von Trousers und Leggins) gab - oder, gemäß dem Jeans-Pendant, Jeggins.

Seitdem dürfen Leggins aus Lederimitat, Polyester oder Baumwollgemisch so tun, als seien sie Hosen. Dabei sollte das - wenn überhaupt - nur Exemplaren mit Wildlederknieaufnähern erlaubt sein, die als Reiterhosen durchgehen wollen. Doch die sind im Alltag keine Option. Es sei denn, man hält das Leben für einen Ponyhof.

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A propos Ponyhof: Dass sich die strumpfartigen Hosen einfach nicht verabschieden wollen, könnte an der gegenwärtigen Sehnsucht nach flauschiger Gemütlichkeit liegen, die unseren Alltag zunehmend bestimmt. Do-it-yourself-Enthusiasten erklären auf Pinterest die Wohnung zum Rückzugsort, stricken mit bloßen Armen XXL-Kuscheldecken und schichten selbstgekochtes Chutney in Einmachgläser.

Kleidung auf Kuschelkurs

Im Schrank kuscheln derweil Kaschmir-Pullis mit wattierten Steppröcken und Blanket Coats mit zotteligen Flokati-Jacken, dazwischen ringeln sich blickdichte Strumpfhosen und Oversize-Schals. Die selbstgewalkten Filzpuschen werden nur beim Verlassen der Wohnung abgestreift - und gegen lammfellgefütterte Ugg-Boots ersetzt. Keine Frage, in so einer Umgebung ist eben einfach kein Platz für eine Hose mit Format.

Wer jedoch in Leggins auf die Straße geht, sollte es zumindest ernst meinen und beim Tragen einige Regeln befolgen: keine gemusterten oder bunten Leggins, möglichst edles Material, darüber ein Oberteil, dass weiter geht als bis zum Bauchnabel - und keine ausgelatschten Stiefel dazu tragen.

Auch Guido Maria Kretschmer warnt in seinem Fashion-Ratgeber " Eine Bluse macht noch keinen Sommer" davor, Leggins mit einer Hose zu verwechseln: "Tragen Sie immer ein hübsches Top, eine Bluse oder einen feinen Pullover unter Ihrem Blazer und achten Sie darauf, dass er Ihre Scham bedeckt."

Vor allem sollte das Kleidungsstück nicht zu eng sein und einschneiden: "Wenn die Leggins in Sie eindringt, haben Sie ein Problem." Und das war nicht als Kritik an der Figur gemeint.

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