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Ladies & Gentlemen:Zwei sehenswerte Comebacks

Taylor Swift hat sich neu erfunden und damit ihren Platz an der Spitze der Charts sicher. Rob Lowe macht dafür in seiner neuer Serie wieder nur, was er am besten kann: attraktiv sein.

Holla, die Waldfee: Taylor Swift

(Foto: Beth Garrabant)

Die Neuerfindung gehört zur Popstar-Existenz. Sie gelingt nur, wenn man für den Vibe, der gerade in der Luft liegt, noch die Antennen hat. Während Madonnas letzte Reinkarnation schief ging, weil die Notwendigkeit einer Augenklappe niemand spürte, passt die neue Taylor Swift natürlich perfekt in unsere Zeit. Wir erinnern uns: diese Frau war mal korkenzieherlockentragendes Country Girl, dann paillettenbesetztes Popsternchen. Aber jetzt ist die Madonna der Millennials eine Waldfee. Die 30-Jährige trägt plötzlich verschwurbelte Elfenzöpfe, dicke Rollkragenpullis und riesige Mäntel auf den offiziellen Fotos zu ihrem neuen Album. Ganz verloren, aber selig steht sie da in Nebelschwaden rum. In einem Video stimmt sie am Klavier in einem moosigen Wald, barfuß und im Nachthemd, das Liedchen "Cardigan" an. Es wartet sogar mit ein paar feministisch angehauchten Zeilen auf! In Wahrheit ist es natürlich auch wieder nur ein selbstbezogener, mäandernder Song über einen gemeinen Mann. Zecken und sonstiges Getier kommen in dem Pop-Waldbad natürlich nicht vor, genauso wie im aktuell angesagten Städtertraum, barfuß durch feuchtes Gras zu laufen. Festzuhalten bleibt also nur, dass die Swift den Ton trifft. Denn dass die Sehnsucht nach Natur ein einziger Egoismus ist, sehen wir jeden Tag in Deutschlands Parks und Wäldern - an den Trampelpfaden des Eskapismus und den ganzen zurückgelassenen Wegwerfgrills und Weinflaschen. Bleibt zu hoffen, dass Taylor und ihre Fans schnell wieder zurück in die High Heels finden. Julia Werner

Schöner wirds nicht: Rob Lowe

(Foto: ZDF/ Matt Frost)

Der Schauspieler Rob Lowe hatte schon immer das Luxusproblem, für einen Mann ein bisschen zu hübsch zu sein. Er wirkte in seinen Rollen, etwa in "The West Wing" oder "Parks & Recreation" im Vergleich zum restlichen Ensemble meistens wie eines dieser Desserts aus Eischnee: Toll anzusehen, aber ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Jetzt ist Lowe 56 und ist eigentlich noch attraktiver als mit 30, was angeblich einer Low-Carb-Ernährung und jahrzehntelangem Alkoholverzicht geschuldet ist. Die paar handverlesenen Fältchen um die Augen befördern ihn zwar immer noch nicht zum Charakterdarsteller, aber man hat jetzt wenigstens nicht mehr das Gefühl, dass einem ein D&G-Model die Sicht auf die Handlung versperrt. Lowe spielt die Hauptrolle der britischen Provinz-Krimiserie "Wild Bill", die derzeit in der ZDF-Mediathek in Gänze zu sehen ist. Über die Serie lässt sich sagen, dass sie etwas schwungvoller ist als "Inspektor Barnaby" und trotzdem einer friedlichen Nachtruhe nicht im Weg steht. Lowe trägt dort, was ihm am besten steht - schneidige Uniform oder Hemden, die so tight auf seinen brettharten Oberkörper genäht sind, dass er leider doch wieder nur sehr gehemmt schauspielen kann. Aber egal, immerhin ist mit dem Comeback auch eine ironische Selbstreflexion eingekehrt, ähnlich wie bei Pierce Brosnan in seinen Rollen ab 50. Die Playboys können dann selbst über ihre bröckelnde Unwiderstehlichkeit lachen. Und das ist allemal besser, als weiterhin den jugendlichen Liebhaber zu markieren. Max Scharnigg

© SZ vom 08.08.2020

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