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Ladies & Gentlemen:Hände hoch

Das grüne Damen-Handschuh-Modell von Prada (links) und die Männer-Version in grau von Roeckl.

(Foto: PR)

Bald wird die Kälte nicht mehr zu ignorieren sein - dann folgt die Vermummung. Warum Frau diesmal mit bunten Spülhandschuhen Würde bewahrt und Mann auf Wolle statt auf Leder setzen sollte. Es sei denn, er ist Robert De Niro.

Der Winter ist noch so schwach auf der Brust, dass eine Frau immer noch tun kann, als wäre alles normal, also Sommer. Das bisschen kühle Luft, da kann man schon noch die dünnen Trenchcoat-Ärmel shoppen! Aber schon bald wird die beißende Kälte nicht mehr zu ignorieren sein - und dann folgt Vermummung.

Würdevoll geht das nur als bunter Paradiesvogel, der aus der tristen grauen Armee von Daunenjackenungetümen heraussticht. Da die Investition in einen knallroten Kaschmirmantel viel zu kostspielig ist, muss die moderne Frau sich dabei auf Accessoires konzentrieren. Sie könnte ihre Daunenjacke nach dem Vorbild der Modeleute mit einem Gürtel auf Taille bringen - und aus einem unumgänglichen Kauf keine Pflicht, sondern eine Kür machen.

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Statt sich zu grämen, dass Handschuhpaare sich über den Sommer gerne für immer trennen, sollte sie dieses Unglück zum Anlass nehmen, ihren Händen ein bisschen mehr Exzentrik zu verleihen. Warum statt zum soundsovielten schwarzen Modell nicht mal in den Farbtopf greifen? Zwar kostet dieser Entwurf von Prada (über mytheresa.com) so viel wie anderer Leute ganze Wintergarderobe, trotzdem wollen wir ihn hiermit zur stilistischen Messlatte küren: Wirkt die Frau damit von Weitem wie eine Verrückte mit Spülhandschuhen, offenbart sie sich von Nahem betrachtet doch als Feingeist mit Sinn fürs Detail. Was verwirrt, ist gut, so lautet ein Stilgesetz der Mode. Eine Handtasche im gleichen Ton wäre die Krönung, aber wir wollen ja nicht alle komplett verrückt machen.

Starke Männerhände werden zu netten, weichen Pfoten

Och, Wollhandschuhe? Das klingt im Ohr des ausgewachsenen Gentleman zunächst nicht ganz satisfaktionsfähig. Man hat ja sofort den von Schneeklümpchen vertüddelten Handschuhhaufen in der Garderobe der Droste-Hülshoff-Grundschule vor Augen, mit Rotz und Wasser getränkte Kindheitsbegleiter, die man schon damals liebend gerne verloren hat. Nein, wenn man als erwachsener Mann überhaupt zugibt, dass man kalte Hände fürchtet, dann scheinen Lederhandschuhe der einzig gangbare Ausweg zu sein. Viel männlicher, viel mehr Robert de Niro!

Also kauft man sich irgendwann mal schwarze, weil dünne braune Lederhandschuhe wirklich selten angeboten werden. Keine Frage, so eine Lederhand fühlt sich gut an, vor allem beim Autofahren. Das Problem - man ist ja eigentlich nicht Robert De Niro und die Welt kein Mafiafilm. Genau danach sieht man mit schwarzen Lederhandschuhen aber immer aus, es wirkt, als ob man Zielfernrohr und Schalldämpfer in der Tasche hätte.

Sie sind ein bisschen zu ernst, zumal wenn der restliche Mann nicht in einem annähernd so tighten, schwarzen Anzug steckt wie seine Finger. Deshalb also wird irgendwann der Wollhandschuh doch wieder eine Überlegung wert sein, und siehe da, fein gestrickt ist er auch wesentlich charmanter als zu Kindertagen. Schließlich macht er aus starken Männerhänden nette, weiche Pfoten, man kann ihn auf Pullover und Strümpfe abstimmen und zur Not auch einen Schneeball werfen. Dieses Modell von Roeckl hat mit seinem Ledersaum zudem noch eine männliche Note - perfekt.

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