Gucci als Tarnung: Billie Eilish

Ja, Billie Eilish ist toll: Gerade hat sie fünf Grammys abgeräumt, und das total verdient, weil ganz ohne Popo-Wackeln. Die 18-Jährige ist die Stilikone ihrer Generation, nicht nur, weil sie so eindrucksvoll über Depressionen singt und ihr Sound trotzdem angenehme Hintergrundmusik ist, sondern auch, weil sie sich gewissen Showgeschäft-Effekten konsequent verweigert. Zum Beispiel dem, ein schön verpacktes weibliches Bonbon zu sein, jederzeit bereit, gelutscht zu werden. Deswegen trägt sie hier, auf dem ersten Höhepunkt ihrer Karriere, das, was sie immer trägt: einen Ganzkörperkeuschheitsgürtel. Dieser ist von Gucci und glitzert schön, lässt aber - und das ist unbedingt gewollt - die aktuelle Körperform der Sängerin noch nicht mal erahnen. Billie Eilish hat das in einem früheren Interview mal erklärt: Sie wolle eben verhindern, dass irgendjemand über ihren Körper urteilt. Das ist natürlich aus feministischer Sicht genau die richtige Einstellung, und wenn eine Tochter sich ein solches Vorbild aussucht, können Mütter sich entspannt zurücklehnen. Der Look ist die modische Reinform der Political Correctness mit ein bisschen pseudoaufsässigem Pop-Star-Trash-Chic. Er entfaltet seine Wirkung aber nur so lange, wie die anderen Jugend-Idole, Ariana Grande und Camila Cabello, in engen Kleidern Prinzessin spielen. Ihnen möchten wir trotzdem an dieser Stelle danken, weil die Welt der Zukunft ohne sie ein wirklich spaßbefreiter Ort wäre. Julia Werner
Gucci für Dummies: Anderson Paak

Wie eine Waschmaschine hat jeder gute Anzug eine Transportsicherung, die vor dem ersten Tragen zu entfernen ist. Beim Jackett sind es die mit lockerem Faden vernähten Taschen und das lose aufgesetzte Etikett auf dem Ärmel. Letzteres dient dazu, im Geschäft Käufer und Verkäufer die Orientierung zu erleichtern und die Anzüge auf der Stange auseinanderzuhalten, ohne dass man jeden extra herausnehmen muss. Normalerweise wird ein solches Ärmeletikett beim Kauf vom umsichtigen Personal entfernt. Wer darauf besteht, es dran zu lassen, macht sich ein bisschen verdächtig - will da jemand den Anzug einmal tragen und dann zurückbringen? Da nun aber auch Herrenkonfektion heute gern im Netz bestellt wird, entfällt die Dienstleistung, und man sieht wieder häufiger, was man zuletzt auf Abibällen und ähnlichen Veranstaltungen mit Anzuganfängern gesehen hat: Männer mit losem Firmenschild am Ärmel. Das wirkt, als hätte sich jemand im Theaterfundus (oder der Pathologie) neu eingekleidet und erzeugt bisweilen leise Heiterkeit bei den Umstehenden. Nun aber hat sich Gucci entschieden, die Peinlichkeit zur Tugend zu machen und das Ärmeletikett als fixes Logobanner zu installieren. Grammy-Gewinner Anderson Paak führt hier diese Marotte vor, die an den Sponsorenaufdruck auf Sportlern erinnert. Vielleicht will Herr Paak den Anzug aber auch einfach nur wieder zurückgeben. Max Scharnigg