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Ladies & Gentlemen:Die Lovebirds in  Downing Street No. 10

(Foto: Jeff Mitchell/Getty Images; SZ-Collage)

Eine neue Frau und ein neues Kind für Premierminister Boris Johnson - endlich erreichen uns mal wieder glückliche Nachrichten aus Großbritannien. Oder?

Ein Chef zum Verlieben

Angemessener Mantel, den Carrie Symonds, die offizielle Verlobte von Boris Johnson, da anhat. Im vergangenen Jahr trug sie noch romantische Blumenkleider, in denen man gut den unschuldigen Blick senken konnte. Zum Beispiel damals, als ihr Zukünftiger in Downing Street einzog, ohne sie. Da wohnt sie jetzt also trotzdem und ist schwanger, herzlichen Glückwunsch! Es ist für den unbedarften Beobachter natürlich skurril, dass eine 31-Jährige aus besserem Hause nicht nur den Derwisch an ihrer Seite (mit dem sie sich noch im vergangenen Jahr so stritt, dass die Polizei anrückte), sondern auch ihre zukünftige Winkeaufgabe als sexy empfindet. Obwohl sie ja eigentlich schon eine Karriere als Kommunikationschefin der Tories hingelegt hat. Die Ambitionen der Carrie Symonds sind aber gar nicht undurchsichtig. Denn sie teilt mit vielen anderen Londoner Damen das gleiche Schicksal: Alibistudium (Theaterwissenschaften), ein paar Jahre Arbeit, und dann, wenn ein Heiratskandidat an der Angel ist, sofort den Stift fallen lassen und sich für Homestories ablichten lassen. Die Regel lautet: Je reicher oder einflussreicher der Mann, desto mehr Schrillheit ist akzeptabel. Wozu sonst hat man sich um den Schwung der eigenen Mähne gekümmert und in superengen Hosen und Heels jahrelang durch Chelsea gequält? Dass die Liebe der beiden auf Fotos so unbeholfen aussieht wie hier, nämlich, als sei sie für ihn gar nicht da, ist übrigens kein Problem, weil in gewissen Kreisen kein Kriterium für eine gelungene Ehe. Wir wünschen den Lovebirds das Beste. Julia Werner

Der Vater der Braut

Wie bereits früher an dieser Stelle erläutert, ist das Zottelhafte an Boris Johnson wahrscheinlich nur bequemes Kalkül. Wer in seiner Karriere als unkonventioneller und irgendwie sympathischer Tanzbär punkten kann, muss schließlich nicht so viel Zeit mit einem durchdachten Regierungsprogramm oder eintöniger Faktenkenntnis vergeuden. Johnson kokettiert bei seinen unvorbereiteten Reden (also immer) stets mit jugendlichem Überschwang und gehört vermutlich zu jenem Typus Mann, der seinen Geburtsjahrgang schlicht als Fake News betrachtet und Klimakteriumsleugner in eigener Sache ist. So ein stolzer Hallodri will natürlich auch eine junge Frau an seiner Seite. Das ist die selbsterfüllende Prophezeiung: Ich fühle mich jung, also brauche ich eine junge Frau, die mich dann wiederum tatsächlich jünger macht, weil sie mich zu ihrem ganzen jugendlichen Krimskrams mitschleppt bzw. mich zeitgeistig volltextet. Erstaunlich genug, dass Typen mit diesem Konzept immer wieder Erfolg haben. Aber trotzdem auch nur gerecht, dass Boris Johnson neben der angehenden Mutter seines jüngsten Kindes eben doch alt wirkt. Oder besser gesagt: Wie der leicht peinliche Vater, der mit seiner Tochter einen Samstag in der Stadt verbringt und pseudolocker in hippen Boutiquen herumsteht. Denn so erfrischend sein Zottel-Style im Unterhaus bisweilen wirken mag, im falschen Licht wirkt er schnell abgehalftert. Krawatte schief und zu lang, Hemdmanschetten zu groß, Jacke zu eilig angezogen - ist das noch süß oder schon senil? Max Scharnigg

© SZ vom 07.03.2020

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