Für sie: Schlumpfine
Seit der Met Gala in New York im Mai wissen wir: Rihanna ist wieder schwanger. Glücklicherweise muss man diesmal nicht in Panik verfallen. Ja, die letzten beiden Schwangerschaften dauerten gefühlt hundert Jahre, wegen der Endlosschleife aufgeregter Nackter-Babybauch-Berichterstattung auf allen Kanälen. Aber diesmal können wir uns entspannt zurücklehnen. Rihanna ist durch mit dem Thema Baby Bump. Das Schicksal des Trendsetters ist, ständig kopiert zu werden. Während also alle Instagram-Schwangeren dieser Welt immer noch denken, ihr Babybauch müsste möglichst oft möglichst nackt ins Bild ragen, ist Rihanna längst weiter. Zunächst saß sie bei der Show ihres Ehemanns in der Front Row in Paris in Hose und Hemd, dann flog sie nach Brüssel, zur Weltpremiere von „Smurfs“. In dem Schlümpfe-Film schenkt sie nämlich der sogenannten Schlumpfine ihre Stimme.

Dort wechselte die Sängerin dann in ein Kleid von Chanel Haute Couture, in dem wohl auch Doris Day gerne geschlafen hätte. Es war ein bisschen transparent und umspielte mit ein paar Federn den Babybauch geradezu brav. Das wichtigste aber ist hier natürlich die Farbe, nämlich Himmelblau. War diese Farbwahl jetzt eine Verbeugung vor der Stilikone Schlumpfine – oder ein konservativer Gender Reveal, der ja immer mit Himmelblau und Rosa arbeitet? Im Interview deutete der Vater des Babys auf eine suggestive Frage des Reporters aber eher ein Mädchen an. Das Erfolgsgeheimnis des Trendsetters ist und bleibt nun mal die Verwirrung. Oder das Talent, sich nicht mal halb so viele Gedanken zu machen wie alle anderen.
Für ihn: Käpt’n Blaubär
Um erst mal auch was Nettes zu sagen: Das leichte Umstyling des Markus Söder, was Haarschnitt und den Bart angeht, war durchaus ein Erfolg. Sein Gesicht wirkt seither markanter und irgendwie auch etwas verwegener. Zu den anderen Aspekten seines Auftretens, namentlich seinen Food-Videos und Fleischpredigten, wurde schon genug geschrieben. Man darf davon ausgehen, dass er mittlerweile vor allem deshalb so animalisch in die Kamera mampft, weil wir uns hier darüber aufregen. Auch da geht seine Strategie also wohl irgendwie auf. Aber immer, wenn man denkt, man lässt sich vom bayerischen Ministerpräsidenten jetzt nicht mehr provozieren, kommt wieder ein unerwarteter Tiefschlag, der Mann hat eben immer noch einen Tabubruch in der Hinterhand. Sein Look bei der Eröffnung des Münchner Filmfests war jedenfalls wieder ein Höhepunkt in Sachen demonstrativer Egalheit.

Das Sakko zu groß (die Hände!), viel zu blau, übergeworfen wie einen Morgenmantel und dazu dann, puh, eine schwarze Hose und ein Lotterhemd. Selbst Kindergartenkinder würden vor dieser Kombination reflexhaft innehalten und noch mal überlegen, ob das so zusammen geht. Kann ja sein, dass Söder den Spiegel nicht mag, aber er sollte seinen Boykott da doch bitte auf die Publizistik beschränken. Der ganze Aufzug ist für einen Gala-Abend so absonderlich, dass man vermuten muss, dass wieder irgendeine Söder’sche Kriegslist dahintersteckt. Eine Botschaft vielleicht? So trampelt Schwarz-Blau auf den Roten (Teppich)? Aber wahrscheinlich, wehe, wehe, hat er auch das nur inszeniert, damit wir uns hier darüber aufregen. Hat er wieder geschafft, zefix.
