bedeckt München 23°

Ladies&Gentlemen:Beachbags

Wer diesen Sommer trotz allem an den Strand geht, der fürchtet sich auch nicht vor eher ungewöhnlichen Accessoires. Deshalb kommen diese beiden neuen Traghilfen gerade recht.

(Foto: Gabriele Frantzen)

Für sie: endlich Dolce Vita

Nein, Stildetails am Strand sind nie egal, auch nicht im unberechenbaren Sommer 2020. Man braucht jetzt einfach eine andere Ausrüstung - größere Sonnenbrillen, Maskenhalter um den Hals statt Muschelkette, festeres Schuhwerk statt feiner Lederriemen über den Zehen. Denn zur Einhaltung der gebotenen Distanz bietet sich zum Beispiel an, sich nicht auf der nächsten Strandliege niederzulassen, sondern nach einsamen Buchten zu suchen, die die Massen nicht erreichen können. Dafür sollte eine Frau aber nicht gleich ihren Trekkinglook auspacken. Denn dann hätte sie ja auch gleich zu Hause und den typisch deutschen Outdoor-Aktivitäten nachgehen können. Auch die obligatorische riesige Strandtasche ist jetzt eher hinderlich: Besser beim Hinabsteigen in türkisfarbene Buchten wäre schon ein Rucksack. Aber bitte einer, der das leichte, mediterrane Lebensgefühl nicht gleich mit seiner perfekt durchdachten Funktionalität zunichte macht. Es ist für alle, die sich noch ans Meer wagen, wirklich kein Sommer der Vernunft! Dieses handgemachte Raffiamodell ist von der Münchner Designerin Gabriele Frantzen - und verträgt sich modisch hervorragend mit einem Hauch von Sommerkleid. Hinein passen weder Ballspielschläger noch bunte Plastikeinhörner, sondern wirklich nur das Nötigste: dünne Tücher, Sonnencreme, eine Wasserflasche, ein Buch, ein aufblasbares Strandkissen. Mehr braucht niemand und vielleicht könnte 2020 so der Sommer werden, in dem die Deutschen das wahre Dolce Vita kennenlernen. Julia Werner

(Foto: Story Mfg.)

Für ihn: Softsex to go

Das sogenannte Peace-Zeichen wandelt wie ein Untoter durch Popkultur und Mode und wird seit Jahrzehnten völlig beliebig dekoriert, sei es als Paillettenmuster, Kreuzstichkissen oder Wandtattoo in der WG-Küche. Aber was heißt schon beliebig - die Forderung nach Frieden passt ja irgendwie auch immer oder, Achtung: Leider mehr denn je! Das Friedenszeichen ist aber nicht nur Floskel gewordenes Grafikelement, sondern in der Mode auch Pflichtsymbol für alles, was irgendwie retro wirken soll. Vermutlich wird in zwei bis drei Generationen das, was wir jetzt noch als Peace-Zeichen erkennen, einfach für alles stehen, was zwischen Weltkriegsende und Jahrtausendwechsel passiert ist, also ungefähr für Woodstock, Tschernobyl, Punk und Brigitte Bardot. Was nun diese nagelneue Hippie-Tasche der Marke Story Mfg anbelangt (über Mr. Porter), ist sie aber auch sonst ein lupenreines Zeitreisegepäck und sieht aus, als wäre sie am Set von "Schulmädchenreport 24 - Wo heiße Hasen heimlich hüsteln" übrig geblieben. Männer, die mit derart weichen und anliegenden Taschen herumstreifen sind bisher eigentlich mit Vorsicht zu genießen gewesen. Sie wollen einem erfahrungsgemäß entweder langweilige Drogen oder langweilige Erweckungs-CDs verkaufen oder fragen an der Tankstelle in Rosenheim weinerlich, ob man sie nach Barcelona mitnehmen könnte. Aber diesen Sommer gelten bekanntlich andere Regeln. Und wer weiß - vielleicht sollte man genau diese Dinge einmal ausprobieren? Peace, Alter! Max Scharnigg

© SZ vom 01.08.2020
Zur SZ-Startseite